Aurich
Anhaltende „Winterruhe“: Dehoga-Vorsitzender fordert einen Volksentscheid
Die anhaltende „Winterruhe“ sorgt für eine Flaute in der Veranstaltungsbranche. Im Kreis Aurich fordert der Dehoga-Kreisvorsitzende eine Volksabstimmung - denn die Probleme werden immer größer.
Aurich - Es ist still in den Hallen und Sälen des Landkreises Aurich. Durch die weiter anhaltende „Winterruhe“ des Landes Niedersachsen können keine größeren Veranstaltungen stattfinden. Darunter leidet auch die Veranstaltungsbranche im Kreis. Gerd Albers, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbandes Aurich, fordert nun ein Ende der Maßnahmen. Der Geschäftsführer des Metadrom-Eventcenters Großefehn war wie viele seiner Kollegen in den vergangenen Wochen nur mit Stornierungen beschäftigt. Selbst bei Tagungen sind Unternehmen derzeit verhalten, sagt Albers. Dennoch blicke er positiv in die Zukunft. „Jede Pandemie hat mal ein Ende. Dann kehren wir zu unserer alten Kultur zurück“, hofft Albers. Er setzt dabei auf die Bevölkerung. Seiner Ansicht nach werden die Bürger die Maßnahmen und Einschränkungen nicht mehr lange mittragen. „Es muss einen Volksentscheid geben“, sagt Albers. Dann würden die Bürger über die Aufhebung der Maßnahmen abstimmen können. Seiner Meinung nach müssten alle anfangen, mit dem Virus in der Welt zu leben. „Denn wie lange können wir uns den jetzigen Zustand noch leisten?“, fragt Albers.
Die Bekämpfung der Pandemie würde auf dem Rücken der Gastronomie ausgetragen. „Systematisches Ausbluten“ nennt der Unternehmer das Vorgehen der Politik. Im Sommer habe man gesehen, dass es auch anders funktioniert. Mit Tests und Lüftungsanlagen sei das Feiern in seinen Räumen „am sichersten“. Was privat bei den Menschen zu Hause passiere, könne niemand kontrollieren. Um wieder loslegen zu können, brauche es jedoch etwas Vorlauf. Denn da derzeit noch kein Ende der Restriktionen abzusehen ist, müsste erst Personal zurückgeholt oder eingestellt sowie Ware bestellt werden. „Auch das Planen kostet Geld“, verzichtet Gerd Albers darauf weitgehend. Er befürchtet, dass gerade bei kleineren Unternehmen bald die Kreditblase platzt. Und auch die Hilfszahlungen ließen auf sich warten. „Ich war viel für den Verband in Hannover, um für die Branche zu sprechen. Wir sind von der Politik abhängig“, bedauert Albers.
Neidischer Blick in die Nachbarländer
Ewald Maas als Inhaber der Marema GmbH in Aurich ist schon froh, dass die Politik bei der jüngsten Bund-Länder-Runde keine erneute Verschärfung der Maßnahmen beschlossen hat. „Um die Branche steht es bescheiden. Alle warten darauf, dass es wieder losgehen kann“, beschreibt er die Lage der Veranstalter. Interessiert beobachtet er das Vorgehen in den Nachbarländern. In Dänemark, Schweden und Großbritannien sei man den Deutschen um einiges voraus. „Dort gibt es eine andere Vorgehensweise, die wesentlich wirtschaftlicher ist“, sagt Maas. Dass es dort mit weniger Beschränkungen funktioniert, würde in Deutschland totgeschwiegen. Der Geschäftsführer hofft, dass man zwar im Februar, eventuell noch im März mit dem Virus zu tun habe, es dann aber Lockerungen gibt. „Der Druck auf die Politik wächst“, beobachtet Maas. Die Akzeptanz würde bei allen Beteiligten schwinden. „Es ist ein Ende in Sicht“, setzt er auf die Aussagen einiger Virologen. Mit einem Infektionsrisiko müsse man ab sofort leben. „Jeder kann selbst entscheiden, ob er an einer größeren Veranstaltung teilnimmt oder nicht“, so Maas. Deshalb setze er auf die persönliche Freiheit.
In der Branche passiere derzeit „null Komma null“. Vor Weihnachten und zum Jahresbeginn war sein Team vor allem damit beschäftigt, gebuchte Tourneen weiter zu verschieben. Einige Veranstaltungen wurden schon viermal seit Ausbruch der Pandemie neu terminiert. Deshalb würden immer mehr Tickets zurückgegeben, was der Branche gar nicht helfe. Für jede Tourneeveranstaltung gebe es einen Plan B, doch habe man meist darauf gehofft, dass er nie zum Tragen kommt. Inzwischen würden viele internationale Größen warten, bis neue Termine gebucht werden. „Die Ärzte“ und „Die Toten Hosen“ würden da eine Ausnahme bilden, sie haben optimistisch neue Tourneen angesetzt. „Wir hängen in den Seilen und mögen keine neuen Ideen weiterplanen“, sagt Ewald Maas.
Der Unternehmer rechnet damit, dass es erst einmal mit einer Art Stufenplan wieder losgehen wird. „2G-Plus ist okay, aber zusätzlich eine Maskenpflicht ist ein Killer“, sagt Maas. Beispielsweise bei Stehkonzerten sei die Regelung nicht zu kontrollieren. Notgedrungen würden gerade jüngere Unternehmer die Branche verlassen. Auch von älteren Kollegen weiß er, dass sie überlegen, den Job etwas früher als geplant an den Nagel zu hängen. „Die Hilfen sind sukzessive weniger geworden. Die Auswirkungen werden sich noch lange halten“, sagt Maas. Ende Februar würden bei ihm im Unternehmen die ersten Vollzeitbeschäftigten den Zugriff auf Kurzarbeitergeld verlieren, da dann die 24 Monate enden, in denen Kurzarbeitergeld am Stück bezogen werden kann. Bei ihm betreffe das zusammen mit der Gastronomie zwischen 25 und 30 Vollzeitkräfte. „Da muss es von der Politik eine Fristverlängerung geben, sonst haben wir alle ein großes Problem“, so Maas.