Osnabrück
Holt-Prozess: Ein letztes Geständnis, ein bisschen Reue - und acht Jahre Haft?
Es ist soweit, nun hat mit Heinz L. auch der letzte Angeklagte im Holt-Prozess gestanden. Eines allerdings hat L. nicht eingeräumt.
Es ist das letzte Geständnis im Fall Holt. Am Dienstag hat nun auch Finanzdirektor Heinz L. eingeräumt, von den teils frei erfundenen Windparkprojekten und Unterschriftenfälschungen gewusst und sich aktiv am Betrug beteiligt zu haben. Mit den Projekten sollen der emsländische Jungunternehmer Hendrik Holt, dessen Mutter, Schwester, Bruder und L. drei internationale Energiekonzerne um mehr als zehn Millionen Euro betrogen haben. Unter anderem wegen des Vorwurfs des bandenmäßigen Betrugs müssen sich die Holts und L. zurzeit vor dem Landgericht Osnabrück verantworten.
L. hatte die zurückliegenden Prozesstage genutzt, um ausführlicher über seine Biografie als Unternehmer zu sprechen. Seine Beteiligung am mutmaßlichen Millionenprozess hatte er dabei weitgehend ausgespart – bis jetzt. L. ließ über seinen Verteidiger Temba Hoch die Vorwürfe einräumen. Nur in einem Punkt widersprach er der Staatsanwaltschaft und deren Anklage: Es habe sich nicht um bandenmäßigen Betrug gehandelt, weil L. und die Holts keine Bande gewesen seien. Einziger Ansprechpartner für den Finanzdirektor sei viel mehr Firmengesicht Hendrik Holt gewesen.
Seinen Tatbeitrag selbst beschrieb L. in der Erklärung als gering: Er habe nur punktuell selbst Unterschriften gefälscht, allerdings habe er von den massiven Fälschungen hinter den Windparkprojekten, mit denen die internationalen Energiekonzerne SSE (Schottland), Enel (Italien) und CEZ (Tschechien) hinters Licht geführt wurden, gewusst. Er habe seine Fachkenntnis somit aktiv zum Betrug eingesetzt, gestand L. „Daran gibt es nichts zu beschönigen“, verlas Verteidiger Hoch.
Das Geständnis könnte dazu führen, dass es auch für den Finanzdirektor am Prozessende einen Strafrabatt geben könnte Das könnte bedeuten: Nicht mehr als acht Jahre Haft für L., wobei seine Zeit im Gefängnis im Libanon besonders berücksichtigt werden könnte. Dort war L. 2020 festgenommen worden und hatte mehrere Wochen auf seine Auslieferung nach Deutschland gewartet. Hendrik Holt indes sitzt seit April 2020 in der JVA in Oldenburg.
Neben dem Betrug mit fingierten Windparks gab Finanzdirektor L. auch einen zweiten Vorwurf zu: Dass er sich Diplomatenpässe hatte besorgen wollen. Auch mit Blick auf Hendrik Holt steht dieser Vorwurf im Raum. Beide sollen zwei Geschäftsmänner aus dem Ruhrgebiet zur Bestechung afrikanischer Diplomaten angestiftet haben. Die Geschäftsmänner hatten dies bereits eingeräumt.
In einem unterschied sich das Geständnis von Heinz L. von dem der Holts zuvor: Es schimmerte ein wenig Reue durch. Er bereue das in ihn gesetzte Vertrauen missbraucht zu haben, ließ der Finanzdirektor des vermeintlichen Holt-Imperiums erklären. Zu den einzelnen Fällen werde er sich zu einem späteren Zeitpunkt detailliert äußern, stellte L. in Aussicht. Außerdem werde daran mitwirken, zusammen mit dem Insolvenzverwalter noch vorhandene Gelder zurückzuführen, sodass zumindest in Teilen ein Schadensausgleich stattfinden könne.