Berlin
Mensa-Vorsitzende: Erkennen Sie Menschen mit hohem IQ?
Was hält die Vorsitzende vom Hochbegabten-Verein Mensa von Menschen, die nicht so intelligent sind? Und was rät sie für IQ-Tests? Ein Interview mit Yu Jin Son.
Der Verein Mensa bringt hochintelligente Menschen zusammen. Mitglied werden darf wer einen IQ über 130 hat. Vorsitzende ist Yu Jin Son. Die 27-Jährige arbeitet für ein Software-Unternehmen in Berlin.
Welche Rolle spielt ein hoher IQ in Ihrem Alltag?
Die meisten meiner Freunde sind auch bei Mensa. Da sind alle so wie ich. Ob es in meinem Arbeitsalltag einen großen Unterschied macht, da bin ich nicht sicher. Ich arbeite im Software-Bereich. Da gibt es wahrscheinlich auch einige kompetente Geister.
Welchen Vorteil hat es, in einem Verein von Hochintelligenten zu sein?
Ich finde es wunderbar, andere kennen zu lernen, die einen für das, was man macht oder denkt nicht komisch anschauen. Da herrscht eine große Akzeptanz. Der Verein vernetzt Leute, mit denen man dann verschiedensten Interessen nachgehen kann. Ich beschäftige mich viel mit den Themen Work-Life-Balance, mit Lebensformaten, mit der Frage danach, welche Jobs ich machen will. Bei Mensa-Mitgliedern ist es nicht selten, dass sie radikale Jobwechsel vollzogen haben. Es ist hilfreich, zu sehen, dass das auch eine Normalität sein kann.
Erkennen Sie Menschen mit hohem IQ – und wenn ja woran?
Retrospektiv hat sich schon herausgestellt, dass Menschen, mit denen ich in der Schulzeit und während der Uni befreundet war, auch eher in einem gewissen Spektrum sind. Da war eine ähnliche Wellenlänge. Ich weiß von anderen von Mensa, dass sie ihre Freunde in solchen Fällen gezielt angesprochen und gefragt haben, ob sie einen Test machen wollen.
Was halten sie von Menschen, die nicht intelligent sind?
Ich gehe bei allen Menschen unabhängig vom IQ davon aus, dass sie das Recht haben, so zu leben wie sie möchten. IQ ist nur ein Wesenszug. Und je nach Lebenssituation und Umständen kann es auch angebracht sein, nicht so sehr von einer Norm abzuweichen.
Welchen Stellenwert hat der IQ in Deutschland – vielleicht auch im Vergleich zu anderen Ländern?
Wir arbeiten in dem Zusammenhang an mehr Gleichberechtigung: In Schulen geht es vielfach ums Fördern. Wir würden gerne noch mehr ins Fordern gehen. Wenn Kinder gelangweilt sind, ist es für sie genauso schwer. Meine Eltern leben in Korea, daher weiß ich, dass das Thema IQ in asiatischen Ländern anders gehandhabt wird. Da schreibt man sein Ergebnis in den Lebenslauf, um zum Beispiel an einer Uni zugelassen zu werden.
Wir stellen fest, dass unsere Leser ein hohes Interesse am Thema IQ haben – was würden Sie jemandem raten, der eher schlecht im IQ-Test abschneidet?
Ich würde mich fragen, warum die Person den Test gemacht hat – was das Ziel war und was die Umstände waren. Wenn es einem wirklich wichtig ist, besteht die Möglichkeit, darauf zu trainieren. Es gibt da zum Beispiel Bücher mit Logikrätseln – mit denen kann man es versuchen. Man kann das Ergebnis zwar nicht maßgeblich durch Training beeinflussen. Aber dadurch lässt sich vielleicht die Prüfungsangst senken und man kann sich mit den Aufgabenarten vertraut machen. Wenn die Interpretation für eine Klärung der eigenen Lebensumstände wichtig ist, kann es sonst vielleicht hilfreich sein, das Ergebnis mit einem Psychologen einzuordnen.
Verraten Sie Ihren IQ?
Die Zahl an sich habe ich noch niemandem gesagt – nur meine Eltern haben das Testergebnis mitbekommen, weil ich damals noch minderjährig war. Bei Mensa ist es auch nicht üblich dazu etwas zu sagen. Wir unterscheiden nicht mehr zwischen 130 und 140. Aber es gibt natürlich auch noch andere Organisationen, die noch eine Standardabweichung weitergehen und Mitglieder ab einem IQ von 145 aufnehmen.