Meinung

Nicht die falschen Schlüsse ziehen

Ein Kommentar von Stephan Schmidt
 | 22.01.2022 10:56 Uhr  | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Ein Coronatest. Die Zahl der Infizierten im Kreis Aurich ist so hoch wie noch nie. Foto: DPA
Ein Coronatest. Die Zahl der Infizierten im Kreis Aurich ist so hoch wie noch nie. Foto: DPA
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Die Zahl der Infizierten im Kreis Aurich ist hoch wie nie. Doch in den Kliniken gibt es keinen Covid-Patienten auf den Intensivstationen. Daraus sollte man nicht die falschen Schlüsse ziehen. Ein Kommentar.

Im Landkreis Aurich erreichen die Corona-Infektionszahlen neue Rekordwerte. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg am Freitag auf 351,2. So hoch wie noch nie. Die Zahl der akut Infizierten wuchs auf 842.

Auch das ein neuer Höchstwert. Die Zahlen sind so hoch, dass der Landkreis mit der Nachverfolgung nicht mehr Schritt halten kann und zur Selbstisolation aufruft. Das klingt dramatisch. Aber ist es das auch?

Kurve der Hospitalisierung zeigt seit 9. Dezember nach unten

Blickt man in die Kliniken in Aurich, Norden und Emden, muss die Frage derzeit mit Nein beantwortet werden. An den drei Standorten gibt es zusammengenommen drei Patienten mit einer nachgewiesenen Covid-19-Infektion. Bei ihnen muss Corona nicht der Grund ihres Klinikaufenthalts sein. Auf den drei Intensivstationen gibt es keinen Corona-Fall.

Niemand muss beatmet werden. Bundesweit gibt es einen ähnlichen Trend: hohe Infektionszahlen, immer weniger Patienten mit Corona in den Kliniken. Die Kurve der Hospitalisierungsrate in Deutschland kennt seit dem 9. Dezember nur eine Richtung: nach unten.

Viele fühlen sich mehr von Maßnahmen bedroht als vom Virus

Das sind gute Nachrichten. Sie müssten die Menschen eigentlich positiv stimmen. Stattdessen werden die Diskussionen über Corona scheinbar immer verbissener und erbitterter geführt. Wie kann das sein?

Das könnte daran liegen, dass sich die einen vom Virus bedroht fühlen, die anderen aber eher von den Maßnahmen dagegen. Omikron hat dies eher noch verstärkt. Die einen betonen das hohe Ansteckungsrisiko und die weiterhin bestehende Gefahr für Ungeimpfte. Die anderen sehen nur eine Virusvariante, die zu milderen Verläufen führt. Schnell wird vergessen, was die Impfungen bewirkt haben.

Sinkende Zahlen sind nicht vom Himmel gefallen

Ein großer Teil der Bevölkerung hat einen soliden Immunschutz durch die Vakzine aufbauen können. Die neue Variante hat das Impfen nicht überflüssig gemacht, wie etwa viele der so genannten „Spaziergänger“ bei ihren Montagsdemos behaupten. Sinkende Zahlen sind nicht vom Himmel gefallen. Sie sind das Ergebnis von Überzeugungsarbeit der Fachleute. Und das Ergebnis der Bereitschaft vor allem vieler älterer Menschen, sich impfen und boostern zu lassen.

Es wäre ein Jammer, wenn das jetzt in Vergessenheit gerät und die falschen Schlüsse gezogen werden.

Den Autor erreichen Sie unter E-Mail stephan.schmidt@on-online.de