Aurich
Kunstschule Miraculum: Kostensteigerung kommt auf jeden Fall
Das künftige Domizil für die Kunstschule Miraculum und das Machmit-Museum ist ein Sanierungsfall. Das Haus gehört der Stadt. Die muss es auf jeden Fall sanieren – aus einem bestimmten Grund.
Aurich - In der künftigen Residenz der Auricher Kunstschule sowie des Machmit-Museums steckt der Wurm drin. Eine Rückwand und ein Treppenhaus fehlen, in das Fachwerk wurden im Laufe der Jahre Stahlträger eingezogen, die nun rosten. Außerdem haben Vorbesitzer die Fassade auch einmal gefliest. Dadurch wurde verhindert, dass Feuchtigkeit aus den Wänden austreten kann, was dem Fachwerk nicht gut bekommen ist. Das Haus Osterstraße 42/44 steht unter Denkmalschutz und muss dringend saniert werden. Das sagte Architekt Christian Oberteicher (DBCO, Münster) am Donnerstag im Bauausschuss.
In der Diskussion um die massiv gestiegenen Baukosten in Höhe von 850.000 Euro war Werner Kranz (GfA) der einzige Teilnehmer der Sitzung, der nach der Sanierung des Hauses fragte. Denn diese müsse unabhängig von einer Nutzung für Kunstschule, Café oder Machmit-Museum vorgenommen. „Es ist ein krankes Kind seit 50 Jahren“, sagte Kranz über das Eckhaus am Ende der Osterstraße. Das Gebäude gehöre der Stadt, sie sei in der Pflicht, es zu erhalten. Aus dieser Verpflichtung käme sie nur mit einem Verkauf des Gebäudes heraus. „Mit dem lebenslangen Wohnrecht behaftet wird es aber niemand kaufen.“ Es stelle sich also die Frage, was die Sanierung koste – unabhängig von der künftigen Nutzung.
Kosten für die Sanierung werden nicht aufgeführt
Zahlen dazu gibt es laut Architekt Christian Oberteicher. Der Verwaltung lägen die Kosten für die Sanierung des Gebäudes vor. Warum diese Kosten in der umstrittenen Beschlussvorlage nicht genannt wurden, bleibt ein Geheimnis der Verwaltung. Denn so ist bei verschiedenen Politikern der Eindruck entstanden, das vorgeschlagene Café würde 850.000 Euro kosten. Am Donnerstagabend waren die Kosten für die Sanierung nicht mehr in Erfahrung zu bringen. Sie dürften jedoch angesichts der Schäden nicht unerheblich sein. Zu dieser Einschätzung kommt Werner Kranz, der selbst schon einige alte Häuser saniert hat, im Gespräch mit den ON. Er gibt zu bedenken, dass die Kombination von Sanierung des Denkmals und Einzug von Kunstschule und Museum eine große Chance ist. Denn würde man das Haus Osterstraße 42/44 nur sanieren, müsste danach immer noch eine Nutzung gefunden werden. „Und jetzt bekommen wir eine Förderung von 90 Prozent.“
Schnell wurde in der Diskussion klar, dass niemand das Projekt komplett abblasen wollte. Vor allem CDU und AWG pochten aber darauf, dass der 2018 vereinbarte Eigenanteil der Stadt sich mittlerweile mindestens vervierfacht habe. Deswegen müssten andere Lösungen gefunden werden.
Entscheidung wurde vertagt
Arno Fecht (FDP), selbst Gastronom, warnte davor, ein Café einzurichten. Es gebe bereits mehrere Gastronomien, für die die Stadt Pächter suche. Auch CDU-Fraktionschef Arnold Gossel hält ein Café an der Stelle für unnötig. Die Planung gefalle ihm sehr gut – sie sei nur zu teuer.
Peter Specken (Grüne) sprach für die einzige Fraktion, die der Vorlage der Verwaltung sofort zugestimmt hätte. Es werde ihm angesichts der steigenden Summen für Realschule, Kunstschule und Kaserne zwar schwindelig. Aber der Standort sei gut für Miraculum und Museum, und ein Café sorge für Laufkundschaft in der Osterstraße.
Eine Entscheidung gab es im Bauausschuss noch nicht. Die Fraktionen werden nun nochmals beraten und dann kurzfristig entscheiden, ob neu geplant werden muss. Sicher ist nur: Ende 2025 muss wegen der Fördergelder alles fertig sein.
Goldrichtiger Einwand
Ein Kommentar von Karin Böhmer
Wie gewonnen, so zerronnen. Was 2018 als Win-Win-Situation für Osterstraße, Stadtkasse, Kunstschule und Museum klang, ist in der Realität deutlich weniger traumhaft. Die Kosten überholen wie immer das Projekt. „Alles auf Null setzen“, sagen die einen. Doch der Einwand von Werner Kranz ist goldrichtig: Was muss die Stadt aufwenden, wenn sie auf Fördergeld verzichtet, für die Kultureinrichtungen einen anderen Platz sucht, aber dennoch das marode Haus in der Osterstraße sanieren muss? Diese Frage macht die vorgelegte Planung gleich attraktiver. Dennoch bleiben Fragen: Warum ist die Bausubstanz so viel schlechter als bei der ersten Kostenschätzung bekannt? Hätte der Rat dies nicht längst wissen müssen? Wichtig ist für die Kostenkalkulation noch etwas: Wie viele Stunden haben Kunstschulleiter und Gebäudemanagement bereits mit Planungen für frühere Standortideen wie das alte Postgebäude, den Hof Harms und die Osterstraße aufgewendet? Was hat das schon gekostet? Die Partystimmung von 2018 war naiv und ist vorbei. Wenn vielleicht dennoch mit Fördergeld in mäßiger Lage zwei wichtige Einrichtungen eine Bleibe finden, ist es ein Pyrrhussieg. Aber immerhin ein Sieg.