Osnabrück

Es geht um die Glaubwürdigkeit der Documenta

Stefan Lüddemann
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Von Stefan Lüddemann
| 20.01.2022 17:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
documenta fifteen Foto: Swen Pförtner
documenta fifteen Foto: Swen Pförtner
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Die Documenta ist unversehens in eine Debatte um Antisemitismus geraten. Wie sollte darauf reagiert werden? Die Veranstalter üben einstweilen den Schulterschluss.

Nachfragen? Ja! Beaufsichtigen? Unbedingt nein! Der Vorwurf des Antisemitismus hat die Macher der Documenta aufgeschreckt, weil er an die ideelle Substanz der Weltkunstschau geht. Kritischen Rückfragen zu Kooperationspartnern der Künstlergruppe Ruangrupa, die die Documenta 15 verantwortet, sollte nachgegangen werden. Die Forderung, die Gruppe nun von einem Gremium beaufsichtigen zu lassen, verstößt aber gegen den Grundsatz der künstlerischen Freiheit.

Der Schulterschluss von Kulturstaatsministerin Claudia Roth bis zu Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle ist deshalb richtig. Das Kunstformat muss gegen unbillige Forderungen in Schutz genommen werden. Sein Fortbestand steht nicht in Frage. Kritische Fragen sollten dennoch möglich sein. Sie gelten Globalisierungskritikern oder Aktivisten des Postkolonialismus und möglichen Randunschärfen ihrer Haltungen. Ein international besetztes Forum soll Kritik entkräften helfen.

 Die Documenta geht also auf Nummer sicher. Trotzdem sollte klar sein, dass sich Kunst Moralgeboten nicht einfach beugen darf. Sie braucht Freiheit, gerade für unbequeme Haltungen. Kunst steht quer zum Mainstream. Bei der Documenta gehört das ohnehin zur DNA. Jetzt kommt es auf den Dialog an, damit ab Juni der Blick dafür frei ist, was die Documenta 15 bieten will – einen frischen Blick auf die Probleme der Welt und mögliche Lösungen, von Armut bis Klimakrise.

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