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Umsatz verdoppelt: Fleischersatz auch 2022 auf dem Vormarsch

Berit Rasche
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Von Berit Rasche
| 20.01.2022 14:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Fleischersatz: Sind Pflanzen das bessere Schnitzel? Foto: dpa-tmn
Fleischersatz: Sind Pflanzen das bessere Schnitzel? Foto: dpa-tmn
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Immer mehr Menschen in Deutschland ernähren sich vegetarisch oder vegan. Seit Jahren erfreuen sich dementsprechend auch Fleischersatzprodukte immer größerer Beliebtheit. Auch für dieses Jahr wird ein Umsatz-Hoch erwartet.

Der Januar ist der Monat der Vorsätze – viele Menschen nutzen den Jahresbeginn als Startpunkt von Veränderungen in ihrem Leben oder um neue Dinge auszuprobieren. So kann sich auch die Kampagne „Veganuary” mehr und mehr durchsetzen. Im vergangenen Jahr haben sich laut Kampagnenbericht offiziell über 582.000 Menschen angemeldet, mehr als doppelt so viel wie 2019.

Wenngleich sich nur etwa 2,3 Prozent der 15- bis 29-Jährigen in Deutschland laut „Fleischatlas” der Heinrich-Böll-Stiftung dauerhaft vegan ernährt, liegt der Verzicht auf Fleisch und andere tierische Produkte im Trend. So wird auch in diesem Jahr wieder ein Umsatzanstieg bei Fleischersatzprodukten erwartet.

Etwa 480 Millionen Euro werden voraussichtlich 2022 in Deutschland für Fleischersatzprodukte ausgegeben, wie aus Marktprognosen des „Statista Consumer Market Outlook” hervorgeht. 2021 waren es 414 Millionen – eine Verdoppelung gegenüber 2019. In absoluten Zahlen liegt Deutschland beim Umsatz deutlich vor Österreich und der Schweiz. Doch auch der kleinere Schweizer Markt um Veggie-Burger und Co. hat sich innerhalb von zwei Jahren verdoppelt. Die Österreicher hinken mit einem geschätzten Umsatz von 34 Millionen Euro deutlich hinterher, der Umsatz steigt auch dort auf niedrigerem Niveau an.

Diese Grafik zeigt den geschätzten Umsatz mit Fleischersatzprodukten in Deutschland, Österreich und der Schweiz:

Setzt man den Umsatz in das Verhältnis mit der Gesamtbevölkerung, so stehen die Schweizer weit vorn. Sie geben in diesem Jahr durchschnittlich etwa 18 Euro für Fleischersatzprodukte aus. In Deutschland betragen die Pro-Kopf-Ausgaben hierfür etwa 5,70 Euro. Schlusslicht ist erneut Österreich, wo etwa 3,80 Euro für Fleischalternativen ausgegeben werden.

In Deutschland haben laut einer repräsentativen Umfrage für den „Fleischatlas” im letzten Jahr etwa 13 Prozent der jungen Menschen zwischen 15 und 29 Jahren auf Fleisch verzichtet, der Anteil ist damit verglichen mit der Gesamtbevölkerung doppelt so hoch. Dazu passt der geringe Anteil der Fleischersatzprodukten am Gesamtumsatz mit Fleisch- und Alternativprodukten. Im vergangenen Jahr betrug er nur 0,9 Prozent.

Dennoch scheint der Markt für Fleischersatzprodukte vielversprechend zu sein. Der Industrie-Riese „Rügenwalder Mühle” hat im Juli 2020 zum Beispiel zum ersten Mal mehr mit seinem Sortiment an vegetarischen und veganen Ersatzprodukten verdient als mit Aufschnitt und Teewurst aus Fleisch. Ferner prognostizieren Fachleute laut „Fleischatlas” für die kommenden Jahre eine jährlichen weltweite Wachstumsrate von 20 bis 30 Prozent für pflanzenbasierten Alternativen.

Bei einer Umfrage der Heinrich-Böll-Stiftung für den „Fleischatlas” gab etwa die Hälfte der 15- bis 29-jährigen Vegetarier an, dass sie den Geschmack von Fleisch grundsätzlich mögen. Alternativprodukte können den Verzicht auf Fleisch vermutlich erleichtern. Auch ist der Fleischersatz in der Regel deutlich umweltfreundlicher, ins besondere dann, wenn er keine Eier sowie Milch enthält. Laut „Fleischatlas” werden bei der Produktion veganer Fleischalternativen im Vergleich zu Rindfleisch nicht nur über 90 Prozent weniger Treibhausgase freigesetzt, es wird auch deutlich weniger Wasser sowie Fläche verbraucht.

Da es sich bei vielen Fleischalternativen allerdings um stark verarbeitete Produkte mit vielen Zusatzstoffen handelt, müssten ernährungs- und gesundheitsbewusste Verbraucher laut „Bundeszentrum für Ernährung” beim Kauf auf die Zutatenliste achten. Zudem trügen die Ersatzprodukte nicht dazu bei, eine zukunftssichere Landwirtschaft mit fairen Einkommen und Preisen zu fördern. Profiteure seien hingegen vor allem Industrieunternehmen sowie der Handel.

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