Hannover
Niedersachsen: Testpflicht trifft auch geimpfte und genesene Schüler
Bislang mussten Schüler, die gegen Corona geimpft oder von einer Infektion genesen sind, sich morgens vor der Schule nicht testen. Das soll sich sehr bald ändern. Auch die Kita-Testpflicht rückt näher.
In Niedersachsen sollen sich künftig auch Schüler, die gegen Corona geimpft oder von einer Corona-Infektion genesen sind, wieder regelmäßig vor dem Schulbesuch einem Corona-Selbsttest unterziehen müssen. Das hat Kultusminister Grant Hendrik Tonne am Dienstag gegenüber unserer Redaktion angekündigt. „Wir halten es in der aktuellen Situation für wichtig und richtig, auch geimpfte und genesene Schüler in die Testpflicht einzubeziehen“, betonte der für die rund 3000 Schulen im Land zuständige Minister in dem Gespräch und fügte hinzu: „Das bietet laut Experten noch einmal ein höheres Maß an Sicherheit im schulischen Alltag und ist daher für uns ein Argument dafür, die Ausweitung der Testpflicht zeitnah umzusetzen.“
Ziel sei, die geimpften und genesenen Schüler nach dem Schulhalbjahreswechsel und damit im Anschluss an die Zeugnisferien ab dem 2. Februar in die Testpflicht einzubeziehen. Ausgenommen bleiben sollen dann lediglich Schülerinnen und Schüler, die bereits eine Auffrischungsimpfung erhalten haben.
Bis zum Halbjahreswechsel gilt in Niedersachsen aktuell eine tägliche Testpflicht für Kinder, die weder geimpft noch genesen sind. Noch nicht abschließend geklärt ist laut Tonne, ob es nach der Ausweitung der Teststrategie im Februar beim täglichen Testen bleibt oder ob das Land dann drei Tests pro Woche für ausreichend hält und vorgibt. „Das werden wir in den nächsten Tagen noch genau analysieren. Die logistische Basis für tägliche Tests haben wir gelegt. Wir sind vorbereitet“, betonte der Schulminister und appellierte an die geimpften und genesenen Kinder, sich schon jetzt freiwillig morgens vor dem Schulbesuch auf Corona zu testen. Kostenlos vom Land beschaffte Testkits stünden in ausreichender Zahl zur Verfügung und seien über die Schulen zu beziehen.
Für Kindergartenkinder ab drei Jahren soll nach Vorstellung des Kultusministers künftig ebenfalls eine Testpflicht gelten. „Ich unterstütze den Weg zu einer Testpflicht in den Kitas“, sagte Tonne. Derzeit werde die Logistik geplant, damit die Tests verlässlich zur Verfügung stehen. Daneben gelte es, die Abstimmung innerhalb der Landesregierung zu dem Thema zu beenden. „Sobald beides steht, wird die Testpflicht scharfgestellt. Auf einen Zeitpunkt legen wir uns heute nicht verbindlich fest, streben aber eine zügige Umsetzung bis zirka Mitte Februar an“, erklärte der Minister.
Die Grünen und die Gewerkschaft Verdi hatten zuvor erneut auf die Einführung einer Testpflicht an den Kitas gedrungen. So hatte Verdi erklärt, verpflichtende Corona-Tests schützten die Beschäftigten und Kinder, aber auch deren Eltern. Für die Kinder im Vorschulalter sollen nun vor allem Lolli-Tests beschafft werden. Für Krippenkinder unter drei Jahren stellt das Land dagegen bisher überhaupt keine Corona-Tests zur Verfügung, auch nicht zur freiwilligen Verwendung.
Die stellvertretende Leiterin des Corona-Krisenstabs, Claudia Schröder, warnte am Dienstag in Hannover mit Blick auf das Impftempo in Niedersachsen, dass die Zahlen rückläufig seien. In den ersten beiden Januarwochen seien etwas mehr als 900.000 Impfungen gezählt worden - das seien deutlich weniger als in zwei Wochen im Dezember, sagte Schröder. „Wir brauchen im Moment nicht mehr Impfstellen, sondern mehr Impfwillige“, betonte sie. „Wir haben ausreichend Impfstoff und ausreichend Impfstellen für alle.“
Landesweit stehen demnach 226 mobile Impfteams zur Verfügung, außerdem beteiligten sich rund 4800 niedergelassene Ärzte an der Impfkampagne. Darüber hinaus bereiteten sich Apothekerinnen und Apotheker darauf vor, ebenfalls zu impfen.
Rund drei Viertel (74,3 Prozent) der Niedersachsen sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) bisher grundimmunisiert. Die Booster-Impfquote liegt bei 52 Prozent - das ist der vierthöchste Wert im Vergleich der Bundesländer.
Dennoch breitet sich das Virus insbesondere in der Omikron-Variante weiter extrem schnell aus, die Zahlen für Niedersachsen liegen auf Rekordniveau. Laut RKI wurden seit Montag 5996 neue Fälle gemeldet. Die Inzidenz stieg auf 461,0 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche (Vortag: 431,0). Der Krankenhausindikator stieg von 4,9 auf 5,2. Der Wert gibt an, wie viele Covid-19-Patienten innerhalb von sieben Tagen pro 100 000 Einwohner in den Krankenhäusern aufgenommen wurden. Die Auslastung der Intensivbetten mit Covid-19-Patienten sank dagegen von 5,5 auf 5,3 Prozent. Rund 95 Prozent aller positiven Corona-Proben gehen nach Angaben des Landes mittlerweile auf Omikron zurück. Die Auswertung basiert auf einer Stichprobe von rund 3100 Untersuchungen.