Aurich

Umzug der Auricher Kunstschule steht auf der Kippe

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 18.01.2022 18:38 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In dem Eckhaus soll nach den jüngsten Vorschlägen im Erdgeschoss ein Museumscafé eingerichtet werden. Foto: Romuald Banik
In dem Eckhaus soll nach den jüngsten Vorschlägen im Erdgeschoss ein Museumscafé eingerichtet werden. Foto: Romuald Banik
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Teurer wird der Umzug von Kunstschule Miraculum und Mach-Mit-Museum in die Auricher Osterstraße. Mit Mehrausgaben für ein Café will die Verwaltung dem begegnen. Die Politik ist überrascht über den Vorschlag.

Aurich - Der Umzug von Kunstschule Miraculum und Mach-Mit-Museum Aurich in die Osterstraße steht auf der Kippe. Denn große Teile des Auricher Rates sind nicht einverstanden mit dem Vorschlag der Stadtverwaltung, in dem Gebäudeensemble ein Museumscafé einzurichten, um den Kostenrahmen für Miraculum und Mach-Mit-Museum einhalten zu können. Der Grund für den Vorschlag ist die Kostenexplosion bei dem Vorhaben auf den Grundstücken Osterstraße 38 bis 44. Denn die allgemein gestiegenen Baukosten haben dazu geführt, dass der ursprünglich vorgesehene Kostenrahmen von insgesamt 3,4 Millionen Euro nicht eingehalten werden kann. Drei Millionen Euro dieser Summe sollen aus Fördermitteln kommen.

Verwaltung nennt nicht das gesamte Defizit

Diese Summen sollen nicht überschritten werden. Das hatte Bürgermeister Horst Feddermann, der dem Vorhaben stets kritisch gegenüberstand, angesichts einer klammen Stadtkasse festgelegt. Er hatte schon kurz nach seinem Amtsantritt 2019 gefragt, warum sich unter seinem Vorgänger Heinz-Werner Windhorst niemand Gedanken über die Folgekosten des Umzugs gemacht hatte. Die Lösung besteht laut Verwaltungsvorschlag nun paradoxerweise darin, mehr Geld auszugeben – auch bei den Folgekosten. Das offenbart eine neue Beschlussvorlage, über die am Donnerstag erstmals im Bauausschuss beraten werden soll. Die Bausumme steigt demnach um 850.000 Euro auf 4,2 Millionen Euro. Und die Folgekosten, die durch das vorgeschlagene Museumscafé entstehen, werden von der Verwaltung mit jährlich 42.500 Euro angegeben. Zieht man davon die erwartete Pacht von 13.200 Euro ab, bleibt ein zusätzliches Defizit von 29.300 Euro. Diese Summe dürfte aber nicht vollständig sein. Denn die Summe von 42.500 Euro entspricht nur der Abschreibung des Gebäudes und der Ausstattung in Höhe von 2,5 Prozent jährlich. Es werden von der Verwaltung weitere 2,5 Prozent für die Finanzierung und nichtumlagefähige Kosten angenommen – allerdings wird diese Summe nicht mitgerechnet. Das Defizit dürfte daher bei knapp 72.000 Euro liegen, wenn das Café tatsächlich gebaut wird.

Auch ohne Café werde diese Summe fällig, betont Bürgermeister Horst Feddermann auf ON-Anfrage. Dann allerdings hätte die Stadt am Ende der Osterstraße keine Synergieeffekte, die durch ein Café erreicht werden könnten. Das sind laut Feddermann eine längere Verweildauer der Besucher im Museum sowie eine Belebung der Osterstraße.

CDU stellt gesamtes Vorhaben in Frage

Eine Planung, die bei der CDU-Fraktion in der Tat auf Ablehnung stößt. Das bestätigt CDU-Fraktionschef Arnold Gossel auf ON-Anfrage. Denn die Stadt habe es in vielen Jahren nicht geschafft, einen Pächter für die Markthalle zu finden, die sich in 1a-Lage befände. Es sei eine Illusion, dass das dann in der Peripherie der Innenstadt gelänge, zumal es am Ende der Osterstraße mit „Das Eckhaus“ bereits ein Café gebe. „Das ist völliger Unsinn“, so Gossel. Auch der Preis von 850.000 Euro für das Café sei überzogen. Dafür bekomme man sonst eine Villa. Über die Idee mit dem Café sei auch in keinem Ausschuss gesprochen worden, es habe keinen Auftrag der Politik dazu gegeben. Angesichts der Kostensteigerung stellt Gossel die Kunstschule generell in Frage. „Das Miraculum ist keine Pflichtaufgabe der Stadt Aurich.“ Zumindest müsse geschaut werden, ob nicht Bestandsgebäude der Stadt als neuer Standort in Frage kämen. Gossel kann sich dafür die Ausstellungsräume im Energie-Erlebnis-Zentrum vorstellen. Denn die dortige Ausstellung konnte nie die angepeilten Besucherzahlen erreichen. „Es muss komplett neu gedacht werden“, sagt Gossel.

Kunstschule muss Ende des Jahres Domizil räumen

Unverständlich ist für Gossel auch, dass auf dem Grundstück 38 ein Anbau entstehen soll, andererseits aber das Café dem Museum 150 Quadratmeter raubt. Vielleicht könne man auf beides verzichten und so den Kostenrahmen wieder einhalten, meint er.

Zwischen dem Irish Pub (links im Bild) und dem Haus Osterstraße 40 sollte die Fußgängerzone in Richtung Georgswall fortgesetzt werden. Nun ist dort ein Anbau geplant – es bleibt eine schmale Lohne übrig. Foto: Romuald Banik
Zwischen dem Irish Pub (links im Bild) und dem Haus Osterstraße 40 sollte die Fußgängerzone in Richtung Georgswall fortgesetzt werden. Nun ist dort ein Anbau geplant – es bleibt eine schmale Lohne übrig. Foto: Romuald Banik

Sehr überrascht von dem Vorstoß der Verwaltung ist auch Harald Bathmann, SPD-Fraktionsvorsitzender. Der Vorschlag mit dem Café sei eigenmächtig von der Verwaltung gekommen. Seine Fraktion werde am Mittwochabend darüber beraten. Bedauerlich wäre es aber, wenn das Projekt deswegen kippen würde.

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In dieser Form kann auch die Linksfraktion der Planung nicht zustimmen, sagt Fraktionschef Reinhard Warmulla auf ON-Anfrage. Es müsse aber die Beratung in den Fachausschüssen abgewartet werden. Er fordert zumindest einen Vergleich der alten mit den neuen Plänen.

Im Jahr 2018 sah es nach einer schnellen Lösung für die Raumnot des Auricher Mach-Mit-Museums und der Kunstschule Miraculum aus: Dank eines Förderprogramms für eine 90-prozentige Finanzspritze schien der Umzug der Kultureinrichtungen an die Ecke Osterstraße/Georgswall in die Hausnummern 40 und 42/44 kurzfristig möglich. Nun drängt zumindest für die Kunstschule die Zeit. Denn ihre jetzigen Räumlichkeiten muss sie bis Jahresende räumen. Das Haus soll abgerissen werden.