Aurich
Aurich gibt Querdenkern eine klare Antwort
Die Auricher Linksjugend hatte zur Demonstration aufgerufen, um ein Zeichen gegen Coronaleugner und Impfgegner zu setzen. Gekommen sind Vertreter von vielen Organisationen.
Aurich - Zweimal sind die so genannten Spaziergänger bereits durch Aurich gelaufen, um gegen Coronabeschränkungen und Impfungen zu protestieren. Das dritte Mal am Montagabend dieser Woche sollte nicht ohne Antwort bleiben. Das hatte sich die Linksjugend Aurich vorgenommen. Im Gegensatz zu den so genannten Montagsspaziergängern hatten die Jugendlichen die Demonstration am Auricher Rathaus angemeldet. Und sie bekamen Unterstützung. Abordnungen von grüner Jugend, der Linken, dem Verein „Aurich zeigt Gesicht“ und von Amnesty International waren gekommen. Rund 100 Demonstranten forderten so in Reden und mit Transparenten Solidarität in der Gesellschaft ein, um die Corona-Pandemie zu beenden und die Demokratie zu stärken.
Zeichen gegen Demokratiefeindlichkeit
Jasper Adden (Linksjugend) brachte es auf den Punkt. Immer mehr Menschen würden sich den unangemeldeten Querdenker-Demos anschließen, auch in Aurich. „Für uns (...) ist es unsere Aufgabe, jeglichen Anschein, bei diesen Menschen könnte es sich um eine Mehrheit handeln, zu vermeiden.“ Das sei nicht der Fall. „Wir dürfen dem Hass, der Demokratie- und Wissenschaftsfeindlichkeit nicht die Straße überlassen sondern wir müssen ein ganz klares Zeichen dagegen setzen.“ Das Bauchgefühl über die Wissenschaft zu stellen, sei zudem eine Beleidigung für alle Experten, die sich durch Studium und Ausbildung ihr Wissen angeeignet hätten.
Eben diesen Experten mag Dirk Cramer nicht mehr glauben. Der 61-Jährige will sich nicht impfen lassen und wollte dazu auch bei der Demonstration der Linksjugend sprechen. Das wurde nicht zugelassen. „Ich weiß nicht, was hier läuft“, sagte Cramer danach. Er wolle nicht geimpft werden, traue den „experimentellen Impfstoffen nicht“. Er wolle deswegen aber auch nicht mit Rechtsextremisten in einem Atemzug genannt werden.
Vorwurf: Querdenker verharmlosen Judenverfolgung
Eltern nutzen ihre Kinder als Schutzschilde, Querdenker verbreiten Fakenews, um Menschen in Angst zu versetzen – Jörg Erlautzki, Kreisvorsitzender der Linken, wurde deutlich. „Wie weit kann man von Solidarität und Realität, von der Demokratie entfernt sein?“ Der „Spaziergangschabernack“ sei eines Demokraten nicht würdig. „Lasst Euch nicht in die Irre führen, die Mehrheit ist geimpft“, so Erlautzki.
Es sei keine Schande, so Jörg Köhler („Aurich zeigt Gesicht“), sich humanitär und solidarisch zu verhalten – ganz im Gegenteil. Er habe Sorge um die Demokratie, um den Zusammenhalt der Gesellschaft. Und Christian Stürmer (Amnesty) kritisierte, dass Coronaleugner sich mit verfolgten Juden aus der Nazizeit gleichsetzen. „Wenn Ihr so genannten Querdenker Euch mit dieser Verfolgung vergleicht, dann verharmlost Ihr sie, spielt den Neonazis in die Hände.“
Spaziergänger gab es am Montag auch wieder in Aurich. Zunächst haben sie sich laut Polizeisprecherin Wiebke Baden in kleinen Gruppen getroffen. Später marschierte ein großer, vereinigter Zug durch die Stadt, begleitet von einem großen Polizeiaufgebot.