Aurich

Der Reiz der kleinen Stadt

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 17.01.2022 17:25 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Den Radverkehr zu stärken, sieht Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß als Verpflichtung gegenüber kommenden Generationen an. Foto: Heino Hermanns
Den Radverkehr zu stärken, sieht Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß als Verpflichtung gegenüber kommenden Generationen an. Foto: Heino Hermanns
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Ganz bewusst hat die neue Auricher Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß sich für die Kreisstadt entschieden. Denn kleine Städte hätten Vorteile gegenüber Großstädten.

Aurich - Als Stadtbaurätin ist Alexandra Busch-Maaß ganz neu in Aurich. Am 1. Januar hat sie offiziell ihr neues Amt angetreten. Unbekannt ist ihr die Stadt aber nicht. Denn schon in ihrer Zeit beim Staatlichen Baumanagement war sie des Öfteren in der Kreisstadt, um sich um die landeseigenen Gebäude zu kümmern.

Ganz bewusst habe sie sich für eine Bewerbung in Aurich entschieden. Emden und Leer, die parallel gesucht haben beziehungsweise immer noch suchen, seien für sie nicht infrage gekommen, sagt die 49-Jährige im Pressegespräch. „Es war immer schön, nach Aurich zu kommen.“ In der Spitze der Stadtverwaltung hat sie nun auch ihrer Meinung nach einen Posten inne, der viele Fäden ihrer bisherigen Tätigkeiten zusammenführt. Busch-Maaß hat im Staatlichen Gebäudemanagement gearbeitet, war aber auch in drei Architekturbüros tätig sowie in der Oberfinanzdirektion Hannover.

Stadtplanung als Königsdisziplin

Nun also die Kreisstadt Aurich. Im Verhältnis zu ihren bisherigen Dienstorten eine sehr kleine Stadt – Hannover etwa mehr als zehnmal so groß. „Die Probleme können auch in einer Kleinstadt riesengroß sein“, sagt Busch-Maaß. Der Vorteil gegenüber der Großstadt sei, dass man aus der Anonymität raus trete und einen Bezug entwickele zu dem, was erledigt werden müsse. „Man bekommt das Gefühl, warum sich ein Ort auf genau diese Weise entwickelt hat.“ Eine Großstadt könne man nicht als Ganzes erfassen. Das sei schon daran zu erkennen, dass einzelne Stadtbezirke meist eine eigene kleine Stadtstruktur entwickeln würden.

Als Königsdisziplin bezeichnet Busch-Maaß die Stadtplanung, in der Klimaschutz, Gebäudemanagement und Verkehrsplanung zusammenlaufen würden. Spannend sei es, bei diesen Themen Lösungen zu erarbeiten. „Das können immer nur Kompromisse sein.“ Denn jedes Thema in ihrem Bereich sei sehr oft der genaue Gegensatz zu einem anderen Thema. Ein Beispiel sei die Diskussion am Georgswall um die Stellplätze. Nach den bisherigen Beschlüssen sollen diese wegfallen, eine Promenade soll im nördlichen Bereich des Georgswalls entstehen. Das aber wollen vor allem die Kaufleute verhindern. Sie haben bereits Teile der Politik auf ihre Seite gezogen, um die alten Beschlüsse, damals gefasst von einer Mehrheit aus SPD, GAP und Grünen, wieder zu kippen.

Bürgerbeteiligung als Lösung für den Grünen Weg

Wie lassen sich solche Gegensätze überbrücken? Mehr Bürgerbeteiligung hält Alexandra Busch-Maaß für eine Lösung. Das sei insbesondere online schnell und wirkungsvoll umgesetzt. Plakate könnten im jeweils betroffenen Quartier auf die Beteiligung hinweisen. Online könnten dann die verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten vorgestellt werden. Jeder Bürger könnte dann seine Vorschläge in einem bestimmten Zeitraum einreichen. „Und daraus machen wir dann eine Beschlussvorlage für die Politik.“ Das könne ihrer Ansicht nach auch für den Grünen Weg funktionieren, um an der Straße endlich eine dauerhafte Lösung zu finden.

Für den Grünen Weg könnte mittels einer Bürgerbeteiligung eine endgültige Lösung gefunden werden, sagt Aurichs neue Stadtbaurätin. Foto: Romuald Banik
Für den Grünen Weg könnte mittels einer Bürgerbeteiligung eine endgültige Lösung gefunden werden, sagt Aurichs neue Stadtbaurätin. Foto: Romuald Banik

Der Grüne Weg ist die erste und bislang einzige Fahrradstraße Aurichs. „Die Verbesserung des Radverkehrs ist wichtig“, sagt Busch-Maaß, die auch privat sehr viel mit dem Fahrrad unterwegs ist. Der Schutz des Klimas sei eine Generationenverpflichtung, die Jugend erwarte das. Beim Grünen Weg müsse nun endlich Bewegung reinkommen.

Derzeit ist Alexandra Busch-Maaß noch dabei, sich Aurich anzunähern. Mit dem Rad will sie nach Möglichkeit alle Ortsteile erkunden. Mit dem neu angeschafften Skizzenblock läuft sie bereits jetzt gerne durch die Innenstadt. Denn beim Zeichnen entwickele sich viel eher eine Beziehung zu einem Ort, als wenn man ihn bloß fotografiere. „Ich versuche zu erfahren, auf welche Weise sich die Auricher mit ihrer Stadt identifizieren.“ Gestaltet werden solle eine zukunftsfähige Stadt. Das gehe aber nur, wenn man wisse, wie die Wurzeln aussähen.

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