Aurich

Deckers Disco: Situation ist „hoffnungsraubend“

Kim Hüsing
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Von Kim Hüsing
| 17.01.2022 17:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In der Nachterlebniswelt Aurum in Middels bleiben die Türen geschlossen. Doch das Drive-in-Testzentrum wird gut angenommen. Foto: Romuald Banik
In der Nachterlebniswelt Aurum in Middels bleiben die Türen geschlossen. Doch das Drive-in-Testzentrum wird gut angenommen. Foto: Romuald Banik
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Durch die verlängerte Winterruhe in Niedersachsen bleiben die Diskotheken geschlossen. Einige haben sich Alternativprojekte überlegt. Doch die Betreiber im Kreis Aurich sind frustriert.

Aurich - Bis Anfang Februar bleiben die Diskotheken in Niedersachsen mindestens geschlossen. Regierungssprecherin Anke Pörksen will eine weitere Verlängerung der Winterruhe angesichts der hohen Inzidenz zudem nicht ausschließen. Einige Discobetreiber im Landkreis Aurich setzen deshalb auf neue Modelle, doch die Hoffnung auf ungetrübtes Feiern in absehbarer Zeit schwindet. „Was sollen wir noch machen?“, fragt sich Hendrik Becker. Der Betriebsleiter von Deckers Disco in Großefehn und Inhaber Thomas Gronewold haben sich immer wieder an die Richtlinien der Politik angepasst und neue Ideen entwickelt. Doch inzwischen fehlt ihnen genau wie vielen Kollegen eine Perspektive.

Die angekündigte Regelung, auf Hospitalisierungsraten und Intensivbetten zu schauen statt Inzidenzwerte als einziges Kriterium zugrunde zu legen, versprach Hoffnung. Doch seit der Weihnachts- und Winterruhe gilt die Warnstufe 3 mit allen Einschränkungen für die Unterhaltungsbranche unabhängig von anderen Kriterien. „Das ist hoffnungsraubend“, sagt Hendrik Becker. Im Deckers wurden über die vergangenen Monate verschiedene Modellprojekte ins Leben gerufen: von einer kleinen Kneipe, über Stehtisch-Partys und ein eigenes Testzentrum bis zu einem Imbissmodell. „Den Imbiss werden wir ebenfalls wieder einstellen. Wir können es uns nicht leisten, ein weiteres Minus zu machen“, resigniert Becker. Immer wieder habe das Team in neue Beschilderungen, Material und Projekte investiert. Doch wenige Wochen später galt wieder eine neue Verordnung.

Unternehmen sehnen sich nach einer Perspektive

„Ich wünsche mir einen vernünftigen Dialog mit unserer Branche, um gemeinsam Lösungen zu finden“, so der Betriebsleiter des Deckers. Stattdessen ginge die „Hexenverbrennung“ der Clubs und Diskotheken weiter. „Wir werden zum Sündenbock gemacht, obwohl de facto bei Einführung der Weihnachtsruhe gar keine Disco in Niedersachsen mehr geöffnet hatte“, ärgert sich Becker. Er habe deshalb schon schwer mit Depressionen zu kämpfen gehabt. Sein Job sei, die „Leute glücklich zu machen und Feiern zu organisieren“. Stattdessen müsse er sich mit Behörden auseinandersetzen. So wollte die Polizei bereits Daten beschlagnahmen, „wir haben uns schützend davor gestellt“, sagt Becker. Genau wie viele seiner Kollegen fordert er eine unternehmerische Perspektive. „Notfalls sollen sie ein Tanzverbot aussprechen, aber unter 2G-Plus eine Öffnung erlauben“, so der Wirtschaftsingenieur. Er entwickelt in seiner unfreiwilligen freien Zeit gerade ein PC-Spiel, eine Wirtschaftssimulation, um sich als Selbstständiger von Corona unabhängiger aufzustellen.

Eine Frage sei auch, ob nach einer möglichen Öffnung wieder Personal zur Verfügung steht. Monika Frieden als Inhaberin der Tiffany Dance and Fun GmbH hatte kurz vor dem erneuten Lockdown erst neues Personal eingestellt. „Die Aushilfen suchen sich jetzt andere Minijobs“, sagt Monika Frieden. Sie wisse überhaupt nicht, was das noch werden solle. „Mit uns spricht niemand“, beklagt sie die fehlende Informationspolitik. Sie hofft noch, Anfang März spätestens öffnen zu dürfen. „So können wir nicht mehr lange weitermachen“, beklagt die Inhaberin.

Eine Öffnung vor Pfingsten sieht das Galaxy-Team nicht

Ein noch düsteres Bild zeichnet das Team des Galaxy in Georgsheil. „Aktuell gehen wir davon aus, dass vor Ostern - eher Pfingsten 2022 - keinerlei Öffnungsperspektive seitens der Landesregierung gesetzt wird“, führt Marketing-Manager Simon Zielezinski aus. Das Galaxy benötige allerdings etwas Anlaufzeit, um den Betrieb wieder herzustellen. Da das Interesse an Livestreams derzeit gesunken sei, kümmert sich das Team im Moment um Renovierungs- und Modernisierungsarbeiten.

Das Aurum in Aurich-Middels betätigt sich als Testzentrum. Thekenpersonal und hierfür eingestellte Aushilfen übernehmen das Testen. „Mit der Auslastung sind wir sehr zufrieden“, sagt Geschäftsführer Uwe Janssen. Aufgrund der Nachfrage werde das Aurum noch diese Woche umschwenken und auch PCR-Tests, die in einem Labor ausgewertet werden, anbieten. Das Projekt ist aus der Not heraus geboren. „Ich gehe persönlich nicht davon aus, dass wir vor April öffnen dürfen“, sagt Janssen. Derzeit warte er noch immer auf die Überbrückungshilfen. Dennoch ist er sich sicher, werde die Branche „die dunkle Zeit überleben“. Mit einem vernünftigen Testkonzept könnten die Leute auch feiern, mit Maske mache dies allerdings keinen Sinn. Im Moment hält das Aurum das Kulturleben noch mit Youtube-Videos hoch. Für eine zweite Förderperiode hat sich das Team beim Kulturministerium bereits beworben.

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