Aurich
Luca-App: Vertragskündigung wäre ein Rückschritt
Gastronomen im Kreis Aurich setzen bei der Erfassung der Kontaktdaten vermehrt auf die Luca-App. Eine diskutierte Vertragskündigung sehen sie kritisch. Doch beschäftigt sie eine weit größere Sorge.
Aurich - Um in Pandemiezeiten gemütlich in einem Café oder Restaurant einkehren zu können, hinterlegen die Gäste ihre Kontaktdaten. Für viele ist das kein Aufwand. Sie zücken ihr Smartphone und wählen sich über den QR-Code der Luca-App ein. Doch die Lizenz für die flächendeckende Nutzung der App eines Start-ups aus Berlin läuft Ende März in Niedersachsen und anderen Bundesländern aus. Schleswig-Holstein hat den Vertrag als erstes Bundesland gekündigt. Im Norden wird auf die Kontaktdatenerfassung seit September weitgehend verzichtet. Im Landkreis Aurich sehen Gastronomen und das Gesundheitsamt dieses Vorgehen kritisch.
Bisher ist vom Land Niedersachsen keine Aufhebung der Erfassungspflicht in Sicht. Die Nutzung der Luca-App reduziert den Aufwand für die Gastronomen deutlich. „Wir sind froh über jeden, der die App nutzt. Das geht alles viel schneller mit dem Scannen“, sagt Claudia Bokker. Sie ist Filialleiterin des Cafés „Lieblingsplatz“ in Moordorf und nimmt die Erfassung der Kontaktdaten ernst. Während früher viele Kunden auf das Ausfüllen des Zettels verzichtet haben und dieser ohne Angaben im Servierwagen lag, kommt jetzt ohne diese keiner mehr rein. Schon am Eingang müssen ohne Smartphone die Zettel ausgefüllt werden, bevor es an die Tische geht.
Gesundheitsamt kann durch die App schneller agieren
Durch die Bonpflicht herrsche im Café sowieso schon „Papierkrieg“, da ist die Filialleiterin froh, wenn nicht noch mehr dazu komme. Sollte der Vertrag mit der Luca-App nicht verlängert werden, fände Claudia Bokker dies „sehr schade“: „Es wäre ein Schritt zurück.“ Mit der App seien sie und ihre Kollegen zufrieden. Die Bedenken einiger Gäste bezüglich des Datenschutzes könne sie nicht ganz nachvollziehen. Allerdings habe es im Café noch keinen Ernstfall gegeben. Sie wisse daher nicht, wie es läuft, sollten die gesammelten Kontakte durch die App tatsächlich für die Kontaktpersonennachverfolgung zum Tragen kommen.
Auch im Café „Eins wie keins“ in der Nachbarschaft ist die Luca-App im Einsatz. Eine Mitarbeiterin aus Moordorf berichtet, dass die Kunden sie eigentlich gut annehmen. Das hilft auch dem Gesundheitsamt des Landkreises Aurich weiter. „Luca ist letztlich ein geeignetes ,Werkzeug‘“, erklärt Sprecher Rainer Müller-Gummels. Insbesondere bei der Kontaktpersonennachverfolgung in größerem Umfang könnte das Gesundheitsamt durch sie schnell auf die Daten zurückgreifen und Betroffene kontaktieren. „Solange eine Datenerfassung in Niedersachsen verpflichtend ist, bleibt Luca ein durchaus sinnvolles Instrument“, so der Sprecher.
Verluste statt Umsatz beim Italiener
Laut Angabe des Betreibers, der culture4life GmbH, haben über 40 Millionen Menschen die Luca-App inzwischen heruntergeladen. Bei der Datennutzung arbeitet das Unternehmen mit 323 Gesundheitsämtern zusammen. Doch auch die Downloadzahlen der vom RKI entwickelten Corona-Warn-App steigen kontinuierlich. So gibt das RKI die Downloadrate mit 40,23 Millionen an. Auch diese App kann für die Kontaktdatenerfassung genutzt werden, ist jedoch nur bei wenigen Gastronomen im Einsatz.
Carmen Buß im „Sandkrug“ in Wiesens nutzt ebenfalls die Luca-App. Mit ihr könne sie sehen, welche Tische besetzt sind und wer sich ein- oder ausgeloggt hat. Schwierig sei, dass es für die Nutzung der App eine Internetverbindung braucht, die in Wiesens nicht immer gegeben ist. Folglich müsse sich erst jeder Gast ins WLAN der Gaststätte einklinken. „Das macht es eher kompliziert und kostet für uns viel Aufwand und Erklärungsbedarf“, sagt die Inhaberin. Die schriftliche Dokumentation muss nach drei Wochen mit Hilfe von Aktenvernichtern geschreddert werden.
Im italienischen Restaurant Feuer-Stein in Aurichs Innenstadt kämpft Inhaber Abbas Ayach mit einer viel größeren Sorge. Seiner Erfahrung nach nehmen die Kunden die Luca-App gerne an, das klappe gut. Ansonsten gebe er eben Papier und Stift heraus, auch das sei kein Problem. Doch bei „drei, vier Kunden am Tag und 76 Euro Umsatz“ lohne sich die Restaurantöffnung einfach nicht. „Wir machen nur Verluste. Von dem Tagesumsatz kann ich weder Miete noch Ware oder Personal bezahlen“, bedauert Ayach. Deshalb überlege seine Familie, das Restaurant erst einmal zu schließen.