Osnabrück

Rotes Kreuz: Impfen einziger Weg aus der Pandemie

Gerda Hasselfeldt
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Von Gerda Hasselfeldt
| 13.01.2022 16:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
DRK-Präsidentin spricht sich für eine Impfpflicht aus. Foto: Sebastian Gollnow
DRK-Präsidentin spricht sich für eine Impfpflicht aus. Foto: Sebastian Gollnow
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Die Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes spricht sich in einem Gastbeitrag für die allgemeine Impfpflicht aus. Eine Pflicht nur für Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen erwecke einen falschen Eindruck.

Impfpflicht ja oder nein? Diese Frage steht in Kürze zur Entscheidung an. Unsere Redaktion hat Vertreter verschiedener Disziplinen und Akteure mit breitem fachlichen und persönlichen Hintergrund um ihrer Einschätzung gebeten. Wir veröffentlichen die Beiträge in loser Folge. Heute hält Gerda Hasselfeldt eine allgemeine Impfpflicht für sinnvoll. Für sie ist es mit einer Impfpflicht für Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen nicht getan. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass dort die Infektionsgefahr am höchsten sei. Hasselfeldt ist Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und war zuvor Bundesministerin unter anderem für Gesundheit und Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag.

Es war für niemanden absehbar. Auch nicht für das Deutsche Rote Kreuz. Als wir im Januar 2020, also vor ziemlich genau zwei Jahren, im Auftrag der Bundesregierung in einer Bundeswehr-Kaserne in Germersheim rund 100 deutsche China-Rückkehrer aus Wuhan unter Quarantäne-Bedingungen betreut haben, ahnten wir noch nicht, wie stark uns alle die Pandemie noch beschäftigen wird.

Inzwischen sind wir allerdings wesentlich klüger, was das Virus anbelangt. In Rekordzeit wurde ein Impfstoff entwickelt. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass das Impfen der beste Schutz vor Covid-19 und der einzige Weg aus der Pandemie ist. Deswegen müssen wir nach wie vor viel Überzeugungsarbeit leisten, damit möglichst viele Ungeimpfte sich doch noch impfen und möglichst viele Zweitgeimpfte sich auch boostern lassen - gerade mit Blick auf die Omikron-Ausbreitung. Dafür sollten alle bisherigen Möglichkeiten mit 2G, 2Gplus und 3G am Arbeitsplatz konsequent ausgeschöpft werden. In den vergangenen Tagen und Wochen haben wir gesehen, dass all diese Maßnahmen auch Wirkung zeigen. Allerdings ist fraglich, ob dies ausreicht.

Besonders die immer noch bestehenden Impflücken bereiten uns in dieser Phase der Pandemie große Sorge. Auch wenn ich bei unseren Rotkreuz-Helferinnen und -Helfern eine überwältigende Verantwortungs- und Impfbereitschaft sehe, bin ich persönlich dafür, der allgemeinen Impfpflicht näher zu treten, um den Schutzschirm gegen das Corona-Virus möglichst weit aufzuspannen.

Infektionsgefahr in Pflegeeinrichtungen nicht am größten

Bisher gibt es die Impfpflicht für Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen, die zum 15. März 2022 in Kraft tritt. Es ist gut, dass diese nicht nur auf Pflegekräfte beschränkt ist, sondern das Personal der gesamten Einrichtung einbezogen wird. Doch damit darf nicht der Eindruck entstehen, als wäre dort die Infektionsgefahr am größten. Das ist nicht der Fall. Deshalb darf man nicht der Illusion erliegen, mit der Impfpflicht für Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen sei das Problem erledigt. Wir alle lernen in dieser Pandemie ständig dazu - und inzwischen stehe ich der allgemeinen Impfpflicht nicht mehr ablehnend gegenüber. In der praktischen Umsetzung sehe ich allerdings eine große Herausforderung. Außerdem entbindet uns dies nicht von der Pflicht, Kontakte einzuschränken, Abstand zu halten, Hygieneregeln zu beachten und immer wieder zu testen.

Unsere Pflegeeinrichtungen haben es im Übrigen mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern über die Weihnachtsfeiertage fast überall reibungslos geschafft, den Menschen persönliche Begegnungen mit Angehörigen und Freunden zu ermöglichen. Die dafür notwendigen Testungen und Vorkehrungen waren natürlich aufwendig und mussten zusätzlich zum ohnehin überaus stressigen Alltag bewältigt werden. Aber zum einen haben unsere Einrichtungen aus dem Jahr zuvor gelernt, zum anderen ist es dem DRK ein besonderes Anliegen, den Familien diese Kontakte zu ermöglichen.

Nicht auszuschließen, dass Impfpflicht Fachkräftemangel verstärkt

Es ist im Einzelfall nicht auszuschließen, dass die Impfpflicht den Fachkräftemangel in den Gesundheitseinrichtungen verstärkt. Deswegen sollte man diese Gefahr ernst nehmen. Ich rechne aber nicht mit einer großen Kündigungswelle. In unseren Einrichtungen ist der weitaus größte Teil der Pflegekräfte und auch aller anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits geimpft. Aber klar ist auch, dass wir einen enormen Bedarf an Pflegekräften haben. Der ist nicht erst durch die Pandemie entstanden, aber dadurch stärker in den Fokus gerückt. Deswegen ist es zwingend notwendig, die Bemühungen der alten Bundesregierung, die Pflegeberufe attraktiver zu machen, auch fortzuführen. Das betrifft im Übrigen nicht nur den Pflegesektor, sondern den gesamten sozialen Bereich, zum Beispiel auch pädagogische Berufe. Wir brauchen deshalb eine große Attraktivitätskampagne für die sozialen Berufe.

Das DRK selbst unterstützt die deutschen Behörden als nationale Hilfsgesellschaft weiterhin direkt im Kampf gegen die Pandemie. Aktuell werden mit Beteiligung des DRK bundesweit 330 Impfzentren und 315 mobile Impfteams betrieben. Hinzu kommen rund 530 Testzentren und etwa 280 mobile Testteams. Täglich sind dafür mehr als 10.300 Haupt- und Ehrenamtliche im Einsatz. Eines kann ich jedenfalls versprechen: Wir waren vom ersten Tag an aktiv - und werden es auch in Zukunft bleiben.

Gerda Hasselfeldt, Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK)

Die Gastbeiträge dieser Reihe bilden jeweils einen Ausschnitt des wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Meinungsspektrums zum Thema Impflicht ab. Sie geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. 

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