Tierschutz
Zurückgelassene Tiere: Wenn Herrchen einfach wegzieht
Dass Besitzer umziehen und ihre Tiere zurücklassen, erlebt Tierschützerin Uschi Cassens aus Collinghorst viel zu häufig. Meist geht es um Katzen. Nun gab es in Rhauderfehn einen Fall mit Kaninchen.
Rhauderfehn - Gar nicht so selten, sagt Tierschützerin Uschi Cassens, komme es vor, dass Besitzer ihre Tiere bei einem Umzug einfach zurücklassen. Vor allem Katzen treffe es häufig: „Wenn ihr Besitzer in ein neues Haus oder eine Wohnung zieht, werden sie nur allzu oft an der alten Adresse im Garten zurückgelassen. Dann melden sich meist früher oder später die Nachbarn bei uns. Der Tierschutz soll es dann richten“, weiß die Collinghorsterin, die sich seit mehr als 20 Jahren für Vierbeiner einsetzt.
Könne man einen der „früheren“ Besitzer mal ausfindig machen, werde oft gelogen. „Das ist nicht mein Tier’, heißt es dann“, so Cassens.
Hauskaninchen blieben zurück
Dabei, so die 75-Jährige, müsse ein solches Verhalten nicht sein. „Wir haben hier in der Region mit dem Tierheim, dem Verein Bunte Kuh und auch mit mir schließlich einige Anlaufstellen, an die man sich wenden kann, wenn man keine Möglichkeit hat, ein Tier an den neuen Wohnort mitzunehmen.“
Verstoß gegen Tierschutzgesetz
Wer sein Tier, etwa bei einem Umzug, einfach sich selbst überlässt, macht sich strafbar. Denn: Gemäß §3 des Tierschutzgesetzes ist es verboten „ein im Haus, Betrieb oder sonst in Obhut des Menschen gehaltenes Tier auszusetzen oder es zurückzulassen, um sich seiner zu entledigen oder sich der Halter- oder Betreuerpflicht zu entziehen“. Ebenso ist es verboten, „ein gezüchtetes oder aufgezogenes Tier einer wildlebenden Art in der freien Natur auszusetzen oder anzusiedeln, das nicht auf die zum Überleben in dem vorgesehenen Lebensraum erforderliche artgemäße Nahrungsaufnahme vorbereitet und an das Klima angepasst ist“.
In einem aktuellen Fall hat sich am Ende noch alles zum Guten gewendet - wenn auch nach einigen Querelen. Betroffen waren dabei Hauskaninchen. Als die Familie umzog, blieben zwei aus dem Gehege entkommene Tiere im Garten zurück.
Vermieter haben sich gemeldet
Die Vermieter des Hauses, aus dem die Tierbesitzer ausgezogen waren, meldeten sich bei unserer Zeitung. „Mehrmals haben wir die Besitzer angemahnt, die freilaufenden Kaninchen einzufangen. Aber die hat das nicht gekümmert“, erzählten die Vermieter Maria und Paul Lamping fassungslos. Die Tierbesitzer schildern es anders. Man habe mehrfach versucht, die Kaninchen einzufangen. Das sei aber nicht gelungen. Niemand habe ihnen einen Tipp gegeben, an wen man sich mit diesem Problem wenden könne. So seien die Tiere, die auch im Gehege draußen gelebt hätten, an Ort und Stelle geblieben. In Lampings Garten und denen der Nachbarn knabberten die Nagetiere alles an, was ihnen zwischen die Zähne kam, wie ein Nachbar bestätigt. Neben dem Sachschaden blieb aber vor allem die Sorge um die beiden Vierbeiner, so Lampings: „Uns hat es für die Tiere leid getan. Die können doch draußen im Winter gar nicht überleben. “
Der von der Zeitung hergestellte Kontakt zu Uschi Cassens brachte schließlich eine Lösung. Die Tieraktivistin schlug vor, eine Lebendfalle aufzustellen. Sie suchte dafür auch das Gespräch mit den Besitzern der Kaninchen. „Ich habe erklärt, was ich vorhabe. Und darauf hingewiesen, dass das für uns mit Kosten verbunden ist. Beispielsweise musste die Lebendfalle, die für Hunde gedacht ist, für Kleintiere umgebaut werden. Eine Spende für den Tierschutz sei deshalb willkommen.“
„Der Gedanke ist: Tierschutz ist kostenlos“
Schon da sei, wie in so vielen Fällen, die Reaktion verhalten gewesen. „Die Menschen denken immer, Tierschutz sei generell kostenlos zu haben. So als sei das unser Job und wir würden von irgendjemandem bezahlt, ihn zu machen“, so Cassens. Wer mittellos sei, könne sicher auch auf kostenlose Hilfe zählen. Grundsätzlich sei der ehrenamtliche Einsatz aber auf Spenden angewiesen.
Cassens und ihre Helfer konnten die beiden Kaninchen schließlich einfangen. Die Falle durften sie bei dem Nachbarn platzieren, der ein Auge darauf hatte, ob sich Tiere hinein begeben haben. Kurz darauf waren die Kaninchen gesichert. Cassens gab sie bei der Besitzer-Familie ab - verstaut in Käfigen, die diese beim Nachbarn dafür abgestellt hatte. Dazu gab sie eine Aufstellung der Ausgaben für die Tiersicherung ab. Das kam nicht gut an. „Der Besitzer war erst sehr erbost und hat mir telefonisch mitgeteilt, dass er die Aktion schließlich nicht bestellt habe“, so Cassens. „Ich habe darauf hingewiesen, dass es um eine Spende gehe und die sei freiwillig. Er könne auch einfach nichts geben.“ Letztlich habe er sich entschuldigt und eine Spende an den Tierschutz überwiesen.
Cassens und Lampings sind vor allem froh, dass der Fall für die Tiere am Ende gut ausgegangen ist.