Aurich
Angeklagter im Schleuser-Prozess: „Mein Ziel war, zu helfen“
Vier Syrer aus Leer stehen seit Montag wegen Schleusung und Fälschung von Ausweisen vor dem Landgericht Aurich. Der Kopf des internationalen Netzwerks nannte dem Gericht den Grund für sein Handeln.
Aurich - Als Kopf eines international organisierten Schleusernetzwerks soll ein Syrer aus Leer unerlaubt Personen nach Deutschland gebracht haben. Innerhalb der vergangenen zwei Jahre soll er laut Staatsanwaltschaft damit knapp 43.000 Euro erwirtschaftet haben. Seit Juli vergangenen Jahres sitzt der Hauptverdächtige in Oldenburg in Haft.
Vor dem Landgericht Aurich begann am Montag der Prozess gegen den 35-Jährigen und drei weitere Angeklagte. Die Männer aus seinem Familien- und Freundeskreis sollen ihn bei seinen Geschäften unterstützt haben, indem sie unter anderem den Transport der Geschleusten übernahmen.
Mit falschen Ausweisen unterwegs
In insgesamt fünf Fällen müssen die zwischen 24 und 35 Jahre alten Syrer sich verantworten. Die Taten sollen sich zwischen August 2020 und Februar 2021 abgespielt haben. Dabei geht es neben der illegalen Einschleusung der Personen in das Bundesgebiet auch um die Ausstellung von falschen Ausweisdokumenten. Der Anklage zu Folge sollen die Männer Ausweise ähnlich aussehender Personen für die Einschleusung der Flüchtlinge benutzt haben. Vor der Schleusung sollen Fotos ausgetauscht und das Aussehen der Personen angepasst worden sein. Bei den Geschleusten soll es sich hauptsächlich um Frauen und Kinder gehandelt haben. Sowohl über den Landweg als auch mit Flugverbindungen sollen sie nach Deutschland und in die Nachbarländer gebracht worden sein.
Bei Grenzkontrolle aufgeflogen
Doch nicht immer waren die Aktionen der Bande erfolgreich. Im Januar 2021 wollten die Syrer eine Frau über Deutschland nach Belgien bringen. In Österreich waren sie gestartet. An der deutsch-niederländischen Grenze flogen sie jedoch auf. Denn die Frau konnte bei der Kontrolle keine Ausweispapiere vorlegen.
Zwischen 6000 und 10.000 Euro soll der 35-jährige Hauptverdächtige jeweils für seine Dienste erhalten haben.
Hauptverdächtiger wollte helfen
Die Angeklagten wollten sich am Montag laut ihren Verteidigern noch nicht zu den Vorwürfen äußern. Sie alle würden im Laufe des Verfahrens Angaben machen, hieß es im Gerichtssaal. Doch trotzdem versuchte der Kopf des Netzwerks mithilfe einer Dolmetscherin, sein Handeln zu erklären. „Natürlich gebe ich zu, dass ich Fehler gemacht habe. Aber mein Ziel war es, zu helfen“, sagte der 35-Jährige.
Der Prozess wird am kommenden Montag, 17. Januar, am Landgericht Aurich fortgesetzt. Insgesamt sind vier Fortsetzungstermine geplant.