Hamburg
Lolli-Tests? Nasenabstrich? So testen die Bundesländer in Kitas
Die Corona-Situation ist nicht nur für Schulen, sondern auch für Kitas eine Herausforderung. Mit diesen Testverfahren wollen sich die einzelnen Bundesländer der Pandemie entgegenstellen.
Das Robert-Koch-Institut (RKI) spricht sich für präventive Testungen von Kindern in Kitas aus. Dies kann zum Beispiel mit Lolli-Pool-PCR-Tests geschehen, bei denen Speichelproben von mehreren Personen gemeinsam in einer Gesamtprobe - dem Pool - untersucht werden. Wie handhaben das die einzelnen Bundesländer? Eine Übersicht.
Schleswig-Holstein
Das Land verteilt nach eigenen Angaben an alle Einrichtungen und Kindertagespflegestellen Antigen-Selbsttests. Eltern können ihre Kinder so zweimal wöchentlich kostenfrei freiwillig testen. Für alle Beschäftigten in Kindertageseinrichtungen, die nicht vollständig geimpft oder genesen sind, gilt entsprechend der 3G-Regel eine tägliche Testpflicht. Auch Kindertagespflegepersonen, die nicht geimpft oder genesen sind, müssen sich täglich testen. Das erklärt eine Sprecherin des Landes auf Anfrage. Sie berichtet außerdem, dass in den ersten zwei Wochen nach den derzeitigen Winterferien der jeweiligen Kitas drei Tests pro Woche zur Verfügung gestellt werden. Bei den Tests handele es sich um einen Antigen-Test per Nasenabstrich, dessen Eignung nachgewiesen sei.
„Lollitests werden durch das Land nicht verteilt. Denn: Unter anderem die Selbstentnahme von Speichelproben - wie sie bei einem Lolli-Test oder Spucktest notwendig ist - ist derzeit für Antigen-Schnelltests für Kleinkinder nicht klinisch validiert“, erklärt die Sprecherin. Zudem bestehe bei Kita-Kindern die Gefahr des Verschluckens des Speichelsammlers aufgrund zu hoher Belastung beim Lutschen oder eventuellem Beißen.
Niedersachsen
Bisher gibt es keine Test-Pflicht für Kita-Kinder, Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne denkt jedoch darüber nach. Aktuell stellt das Land für Kinder ab drei Jahren jeweils drei Tests pro Woche zur Verfügung, die auf freiwilliger Basis genutzt werden können. Die Schnelltests erfolgen in der Regel in Form eines Nasenabstrichs. Für jüngere Kinder müssen aus Sicht des Kultusministeriums Tests nicht zwingend erfolgen: „Von Kindern im Krippenalter geht nur eine sehr geringe Ansteckungsgefahr aus, da Infektionen häufig mit einer sehr geringen Virenlast einhergehen und asymptomatisch verlaufen.“ Vor dem Hintergrund der neuen Omikron-Variante könnten zur Steigerung der Sicherheit aber auch für unter dreijährige Kinder freiwillige Tests zu Hause durch die Eltern vorgenommen werden. Grundsätzlich kann der Schutz der Jüngsten nach Angaben eines Sprechers auch indirekt verbessert werden, wenn sich das bereits geimpfte oder genesene enge Familienumfeld regelmäßig testet.
Mecklenburg-Vorpommern
In Mecklenburg-Vorpommern gibt es ebenfalls keine Testpflicht für Kita-Kinder. „Die regelmäßige Testung von gesunden Kindern ist im Vorschulalter aufgrund der Art der korrekten Probenentnahme eine Herausforderung“, schreibt das Land. Flächendeckende Antigen-Schnelltestungen für alle Kinder in den Kindertageseinrichtungen seien deshalb nicht Teil der Teststrategie in Mecklenburg-Vorpommern. Stattdessen erfolgt eine „symptomatische Testung von Kindern mit schweren Krankheitssymptomen. Bei Kindern mit leichten Erkältungssymptomen wird eine Testung in der Häuslichkeit empfohlen.“ Die Möglichkeit zu kostenlosen freiwilligen Tests bei gesunden Kindern gibt es jedoch nicht.
Hamburg
In Hamburg stellt die Sozialbehörde den Kita-Trägern Schnelltests zur Verfügung. Eltern können ihre Kinder ab einem Alter von drei Jahren mehrfach wöchentlich freiwillig kostenlos testen. Die Kita-Träger sind außerdem verpflichtet, den in den Kindertageseinrichtungen tätigen Personen wöchentlich drei kostenfreie Angebote für Coronavirus-Testungen zu bieten. Laut einer Sprecherin handelt sich bei den seitens der Behörde bereitgestellten Tests um Antigen-Schnelltests zur Eigenanwendung, die mithilfe von Nasenabstrichen erfolgen. „Im Frühjahr des vergangenen Jahres wurde ein Pilotprojekt zur Durchführung von Schnelltests in Kitas durchgeführt“, erklärt die Sprecherin. Danach habe man entschieden, das Schnelltestangebot auf freiwilliger Basis auszuweiten. „Die Durchführung einer verpflichtenden Testung durch Fachkräfte wäre nicht angemessen und pädagogisch auch nicht akzeptabel. Daher werden die Schnelltests noch vor Betreten der Einrichtung zu Hause durchgeführt, so dass infizierte Kinder gleich zu Hause bleiben können.“
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Bremen
Für jedes Kind und jeden Beschäftigten stehen in Bremen zwei Schnelltests pro Woche zur Verfügung. Kinder sollen nicht ungetestet in die Kita kommen, erklärt eine Sprecherin der zuständigen Senatorin auf Anfrage. Die Eltern seien dringend aufgefordert, den Schnelltest mit ihrem Kind zweimal in der Woche zu Hause durchzuführen. Darüber hinaus werden ab der kommenden Woche kleine Teams von medizinisch geschultem Personal in Kitas gehen und dort Kinder testen. „Selbstverständlich müssen die Eltern dieser freiwilligen Testung zustimmen“, erklärt die Sprecherin. In den Bremer Kitas seien derzeit Lolli-/Speicheltests und Nasenabstrichtests im Einsatz. Einige Einrichtungen führen darüber hinaus Lolli-Pool-Tests durch.
NRW
Die Testfrequenz in Kitas soll von zwei auf drei Tests pro Woche erhöht werden. Das kündigte Familienminister Joachim Stamp (FDP) am Mittwoch laut „dpa“ in einem Brief an Eltern und Kita-Beschäftigte an. Ab der zweiten Januarwoche steht demnach ein neuer Antigen-Lolli-Test zur Verfügung. Diese sollen auch bei der Omikorn-Variante ausschlagen können. Sogenannte Lolli-Pool-Tests mit anschließender PCR-Laborauswertung sind in NRW zwar einzeln, aber „logistisch“ und „mit Blick auf die Laborkapazitäten“ nicht flächendeckend möglich.
Blick in den Süden: Bayern
In Bayern müssen sich Kita-Kinder ab dem 10. Januar drei Mal wöchentlich testen lassen, sofern sie mindestens das erste Lebensjahr vollendet haben. Das berichtete der Bayrische Rundfunk am Donnerstag. Demnach kann der Test laut Bayrischem Familienministerium auf zwei Arten erfolgen: Als Selbsttest zu Hause mit einer glaubhaften Versicherung der Eltern oder als PCR-Pooltest in der Kita. Das Land Bayern beteiligt sich an den Kosten.
Über das System der Berechtigungsscheine erhalten Eltern die Schnelltests in den Apotheken. Dort können sie auch Beratung bezüglich des Tests in Anspruch nehmen, da nicht alle Tests für die Kinder gleich geeignet sind, erklärt das Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales auf Anfrage. Es seien unterschiedliche Varianten erhältlich, unter anderem Gurgeltests, Nasenabstrichtests und Lollitests.
Blick in den Osten: Sachsen
Für Beschäftigte in Kitas in Sachsen gilt nach wie vor die bundesweite 3G-Regel. Wer also nicht geimpft oder genesen ist, muss pro Woche drei negative Corona-Tests vorlegen, wie der „MDR“ berichtet. Für Kinder gibt es diesbezüglich keine Regelungen. Änderungen seien derzeit nicht vorgesehen, teilt eine Sprecherin des Landes auf Anfrage mit.