Aurich
Auricher Rentnerin von Nachbarin geschlagen und gewürgt
Eine 38-Jährige soll nach Körperverletzung, Bedrohung und Diebstahl eingewiesen werden – doch ob es dazu kommt, ist noch nicht klar. Das hat einen besonderen Grund.
Aurich - Auf offener Straße soll eine Auricherin im Sommer 2020 brutal auf ihre heute 84-jährige Nachbarin eingeschlagen und sie gewürgt haben. Der Rentnerin sind die Spuren des Vorfalls noch heute deutlich anzumerken. Nur einige Tage zuvor entriss die Beschuldigte einer heute 24-Jährigen auf einem Wanderweg in Aurich ihr Telefon und schlug ihr mit der Faust ins Gesicht.
Dass sich die Taten so abgespielt haben, steht außer Frage. Die Beschuldigte räumte sie am Mittwoch vor dem Landgericht Aurich ein. Doch etwas Anderes galt es zu klären. Aufgrund ihrer damaligen psychischen Erkrankung soll sie zum Tatzeitpunkt schuldunfähig gewesen sein. Mit der Frage, ob die heute 38-Jährige aufgrund der Vorfälle in einem psychiatrischen Krankenhaus unterzubringen ist, befasste sich am Mittwoch das Landgericht Aurich. Die Staatsanwaltschaft Aurich hatte das zuvor beantragt.
Morddrohung an die Nachbarin
Ein Urteil sprach die Kammer noch nicht. Denn ein Sachverständiger konnte noch nicht gehört werden. Die Details zur Person der Beschuldigten seien allerdings das Wesentliche des Verfahrens, sagte Richter Klein. Erst zum nächsten Verhandlungstermin kann der Sachverständige erscheinen, um den Zustand der Beschuldigten einzuschätzen. Bei der Beschuldigten wurde Ende vergangenen Jahres während des Aufenthalts in einer psychiatrischen Einrichtung eine schizophrene Psychose diagnostiziert. Zu dieser Krankheit gehören Symptome wie Verfolgungswahn und Halluzinationen.
Das Krankheitsbild soll auch während der Vorfälle im Sommer 2020 deutlich geworden sein. Sowohl die Rentnerin als auch die 24-Jährige sagten als Zeugen vor Gericht aus. Bei beiden Taten soll die Beschuldigte gesagt haben, dass die andere sich in ihrem Revier befinde. Der heute 84-Jährigen soll sie deshalb mit den Worten „Sehe ich dich noch einmal hier, steche ich dich ab“ gedroht haben. So lange sie konnte, habe die Beschuldigte auf sie eingeschlagen und mit beiden Händen gewürgt, sagte die 84-Jährige am Mittwoch.
Die Angst hält bis heute an
Während ihrer Aussage sagte die Rentnerin unter Tränen: „Ich lebe in Angst. Es vergeht kein Tag, an dem das nicht in meinem Kopf ist.“ Bevor sie vor die Tür gehe, schaue sie sich nach der 38-Jährigen um.
Die Beschuldigte sagte ihr und der anderen Zeugin vor Gericht mehrmals, dass sie sie weder habe verletzen noch ihnen Angst machen wollen. Sie habe zu der Zeit unter Alkoholeinfluss gestanden und starke Medikamente eingenommen. „Das war eine ganz explosive, blöde Mischung“, sagte die Beschuldigte am Mittwoch vor Gericht.
Seine Mandantin sei mittlerweile „eine andere Person“, sagte ihr Verteidiger. Er habe den Eindruck, sie sei „sehr sortiert und geordnet“. Das liege auch an den Medikamenten, die sie im Moment nehme.
Schlag ins Gesicht
Ebenfalls im Sommer 2020, soll es zu einem weiteren Vorfall zwischen der 38-Jährigen und der heute 24-Jährigen auf einem Wanderweg in Aurich gekommen sein. Vor Gericht sagte die 24-jährige Zeugin aus, ihr Telefon sei ihr aus der Hand genommen und ihre Sonnenbrille zerstört worden. Erst durch die Hilfe zweier Passanten habe die Zeugin ihr Telefon wieder an sich nehmen können. Außerdem habe die 38-Jährige ihr mit der Faust ins Gesicht geschlagen und ihr gesagt, sie glaube, dass sie sie ausspioniert. Die Beschuldigte bestätigte vor Gericht, dieses Gefühl aufgrund ihrer Krankheit gehabt zu haben.
Beim Fortsetzungstermin soll mithilfe des Sachverständigen geklärt werden, ob die Unterbringung der 38-Jährigen in einem psychiatrischen Krankenhaus nötig ist. Angesetzt ist diese Verhandlung für den kommenden Dienstag, 11. Januar, am Landgericht Aurich.