Aurich
Verbände enttäuscht über Verkehrswende in Aurich
Umwelt- und Verkehrsverbände haben Bilanz gezogen. Mit einem offenen Brief hat sich die Luma jetzt an alle Auricher Ratsmitglieder gewandt – mit einem direkten Vorwurf an den Bürgermeister.
Aurich - Die Luma, ein Zusammenschluss von Umwelt- und Verkehrsverbänden in Ostfriesland, hat jetzt mit einem Brief an alle Ratsmitglieder zum Jahresende 2021 eine durchwachsene Bilanz gezogen: Nach Meinung der Luma hat sich in Aurich in den vergangenen zwölf Monaten in Sachen Verkehrswende zu wenig zum Besseren gewandelt.
„Es sind auch nur wenige Signale wahrnehmbar, dass die Notwendigkeit der Verkehrswende in Aurich erkannt wurde“, sagt Albert Herresthal, Sprecher der Luma. Die Politik bevorzuge weiterhin einseitig das Auto als Hauptverkehrsmittel – egal, ob mit E-Antrieb oder als Verbrenner – und versäume es, Alternativen zum motorisierten Individualverkehr zu entwickeln oder zu fördern. Aber auch eine Antriebswende sei keine Verkehrswende. So sei weder ein Bahnanschluss Aurichs für den Personenverkehr weiter vorangebracht worden noch der Aufbau eines Stadtbus-Systems zur Verbindung der Stadtteile mit der Innenstadt, so Herresthal.
Luma: Bürgermeister blockiert Fahrradstraßen
Auch die Bedingungen für den Radverkehr in Aurich seien nach wie vor unbefriedigend. Als Beispiel führt die Luma die neu gestaltete Kreuzung bei der Bäckerei Cremer (Kirchdorfer Straße/Julianenburger Straße) an, wo „trotz insgesamt beengten Raumes“ der Autoverkehr eine zusätzliche Abbiegespur erhalten habe und der Radverkehr auf den „viel zu schmalen Fußweg“ gelegt wurde – trotz äußerst unübersichtlicher Hausecken, bemängelt die Luma. An diesem Beispiel zeige sich, dass Verkehrsplanung im Landkreis Aurich immer noch zu einseitig vom Auto her gedacht werde. Aurich brauche im Gegenteil eine deutliche Förderung des nichtmotorisierten Verkehrs und des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). „Aurich verschläft wichtige Entwicklungen unserer Zeit, in der Lösungen auf die Klimakrise gefunden werden müssen“, so Herresthal. Andernorts in Ostfriesland habe ein Umdenken bereits begonnen, die Innenstädte würden verkehrsberuhigt, Flaniermeilen entstehen und das Parken von Kraftfahrzeugen werde an den Rand der Zentren verlegt. In Aurich allerdings huldige man immer noch zu sehr einer autozentrierten Verkehrspolitik aus dem letzten Jahrhundert. Auch der 2019 vom Rat der Stadt beschlossene Masterplan Radverkehr sei bisher zu wenig konsequent umgesetzt, erklärt die Initiative Luma.
Bürgermeister Horst Feddermann wirft die Luma in ihrem Schreiben persönlich vor, den im Masterplan vorgesehenen Aufbau eines Netzes von Fahrradstraßen zu blockieren. Konkrete Nachweise dieser Behauptung bleibt die Luma allerdings schuldig.
Positiv sieht die Luma das wachsende Engagement der Bürger für die Verkehrswende und eine verbesserte Lebensqualität in Aurich. Immer mehr Menschen setzten sich aktiv für positive Veränderungen in der Stadt ein, so beispielsweise die „Fridays for Future“-Bewegung oder Naturschutzverbände wie die Bilanz, die gegen die Landschaftszerstörung durch den Straßenneubau kämpfe. Jedoch liege dieser Wandel nicht nur in der Verantwortung der Bevölkerung, sondern vor allem in der der Politik. Deshalb setzt die Luma auf den im September neu gewählten Rat der Stadt Aurich. Mit ihrem offenen Brief will die Luma die Ratsmitglieder dazu auffordern, deutliche Impulse zu setzen und klare Entscheidungen für eine Umsetzung der Verkehrswende in Aurich zu treffen.