Berlin

Sophia Thiel: Es hat sich angefühlt wie der Todesstoß

Anneke Mayra Petersen
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Von Anneke Mayra Petersen
| 03.01.2022 11:49 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Influencerin Sophia Thiel ist wegen einer Essstörung in Therapie. Darüber spricht sie offen, um auf mentale Gesundheit aufmerksam zu machen. Foto: dpa/Peter Kneffel
Influencerin Sophia Thiel ist wegen einer Essstörung in Therapie. Darüber spricht sie offen, um auf mentale Gesundheit aufmerksam zu machen. Foto: dpa/Peter Kneffel
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Nach einem Zusammenbruch musste sich Sophia Thiel 2019 aus der Öffentlichkeit zurück ziehen. Jetzt spricht sie offen über ihre Essstörung, Therapie und mentale Gesundheit. Damit möchte sie anderen Betroffenen helfen.

Als Sophia Thiel sich 2019 aus den sozialen Netzwerken zurückzog, galt sie als eine der erfolgreichsten Fitness-Influencerinnen Deutschlands. Ein Zusammenbruch zwang sie damals, eine Pause einzulegen. Im Januar 2021 kehrte die 26-Jährige zurück - und nutzt seitdem ihre Plattform, um auf mentale Gesundheit aufmerksam zu machen. 

Dabei spricht sie auch immer wieder offen über ihre eigene Essstörung. Im Gespräch mit der „Augsburger Allgemeinen“ offenbarte sie, wie es ihr gelang, ein gesünderes Verhältnis zu ihrem Körper zu finden.

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Bulimie-Diagnose war „wie der Todesstoß“

Noch während ihrer Social-Media-Pause habe sie sich anfangs extrem unter Druck gesetzt. „Ich wollte unbedingt zu meiner Top-Form zurückkommen und war wie besessen von dem Gedanken 'Ich muss abnehmen, um wieder online und wieder glücklich sein zu dürfen'“, sagte Thiel. Dass ihr Verhältnis zu Fitness und Ernährung nicht gesund sei, habe sie dann 2020 bemerkt, nachdem ihr Freund sie „auf frischer Tat bei einem Essanfall ertappt hat“. Das sei für sie der Auslöser gewesen, eine Therapie zu beginnen. Die Diagnose lautete „Bulimia Nervosa“, Thiel war an der Essstörung Bulimie erkrankt. „Es hat sich angefühlt wie der Todesstoß“, sagt Thiel dazu heute. 

Die Therapie habe ihr jedoch schnell geholfen. „Schon in den ersten Sitzungen habe ich gemerkt, dass es mir besser geht. Ich konnte endlich ein normaleres Verhältnis zum meinem Essen haben, das hätte mich in den Jahren zuvor in schiere Panik versetzt“, so Thiel. Dennoch habe sie auch heute noch mit ihrer Essstörung zu kämpfen.

Jetzt möchte Thiel anderen Mut machen, sich bei psychischen Problemen rechtzeitig Hilfe zu suchen. Gerade weil es in Deutschland noch immer stigmatisiert sei, eine Therapie zu machen. „Mein Eindruck ist, dass man in Deutschland nur hinter vorgehaltener Hand erzählt, wenn man eine Therapie macht“, sagte Thiel.

„Mich regt es auf, dass Influencer sich als unfehlbar zeigen“

Auch das Streben nach Perfektionismus in sozialen Netzwerken sieht Thiel heute extrem kritisch - und übt Kritik an anderen Influencern. „Mich regt es auf, dass Influencer sich als unfehlbar zeigen und dadurch einen wahnsinnigen Druck ausüben auf die Menschen, die ihnen folgen. Man vergleicht sich und wird so unglücklich, weil man diesem Ideal niemals gerecht werden kann“, so Thiel.

Die Münchnerin erkennt aber auch, dass sie bis 2019 mit ihrem Online-Auftritt selbst Teil des Problems gewesen ist. „Ich will kein Fitness-Erklärbär mehr sein und ich will auch nicht mehr die Sophia von damals sein. Ich will offen über meine Probleme sprechen und mich nicht verstecken“, sagt sie heute dazu. Inzischen möchte sie Ihren gut zwei Millionen Followern auf Instagram und YouTube zeigen: „Sportlichkeit und Fitsein hat überhaupt nichts mit dem Äußeren zu tun.“

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