Aurich
Skifreizeiten in Corona-Zeiten
Momentan sind noch Klassenfahrten wegen der Corona-Pandemie verboten in Niedersachsen. Aber schon in vier Wochen sollen die ersten von 600 Schülern ins Allgäu zum Skifahren aufbrechen.
Aurich - Am Mittwoch dieser Woche wollen sich die Kultusminister der Länder beraten, wie es nach den Ferien mit der Schule weitergehen soll. Wegen der Corona-Pandemie und der Ausbreitung der Omikron-Variante gibt es bereits seit Tagen Forderungen, zumindest in der ersten Schulwoche auf Präsenzunterricht zu verzichten. Die Kinder und Jugendlichen sollten besser im Homeschooling unterrichtet werden, so die Forderung von Lehrerverbänden.
Wegen der Corona-Pandemie hat das Land Niedersachsen auch alle Klassenfahrten im ersten Schulhalbjahr verboten. Dieses endet am 31. Januar. Danach dürfen nach Auskunft von Ulrich Schubert, Pressesprecher des niedersächsischen Kultusministeriums, Klassenfahrten nur durchgeführt werden, wenn das pädagogische Interesse das infektiologische Risiko überwiege. Das sollen die Schulen demnach mit Blick auf das jeweilige Infektionsgeschehen prüfen, so Schubert auf ON-Anfrage.
Oberallgäuer Inzidenz liegt bei 220,7
Gleichzeitig planen Auricher Schulen aber Skifreizeiten. Das Ziel ist, wie in den vergangenen über 40 Jahren, die Falkenhütte in Steibis, Landkreis Oberallgäu. Laut Auskunft von Kreissprecher Rainer Müller-Gummels sind derzeit etwa 600 Personen zu den Freizeiten angemeldet, die über den Landkreis Aurich organisiert werden. Schon am 3. Februar sollen etliche Neuntklässler des Auricher Ulricianums zum Skifahren ins Allgäu aufbrechen. Im Landkreis Oberallgäu liegt der Inzidenzwert, also die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen, am Sonntag bei 220,7. Zum Vergleich: Der Landkreis Aurich steht mit 79,4 vergleichsweise gut da.
Wie verträgt sich nun eine Fahrt in ein Gebiet mit hoher Inzidenz? Ist das pädagogische Interesse höher als das Risiko, Schüler in schlecht belüfteten Bussen nach Bayern zu fahren? Muss nicht auch das Verletzungsrisiko beim Skifahren berücksichtigt werden – immerhin kämpfen gerade die Kliniken in Süddeutschland mit Überlastung.
Auricher sind in der Hütte unter sich
Das Ansteckungsrisiko bewertet der Landkreis Aurich gering. Denn die Fahrten würden nach den gültigen niedersächsischen beziehungsweise bayerischen Corona-Regelungen stattfinden, so Müller-Gummels. Die Falkenhütte selbst werde derzeit durch festgelegte Gruppen belegt. Gegenwärtig sei der Landkreis Aurich der alleinige Buchende der Falkenhütte, sodass ein Kontakt mit anderen Gruppen/Schulklassen ausgeschlossen werden könne.
Gedanken über die Skifreizeiten hat sich auch Rüdiger Musolf, Leiter des Gymnasiums Ulricianum, gemacht. „Ich habe Nutzen und Risiko ständig gegeneinander abgewogen“, sagt er auf ON-Anfrage. Derzeit neige seine Waage etwas mehr dazu, die Fahrt stattfinden zu lassen. Der pädagogische Nutzen sei sicherlich das soziale Lernen. Die Schüler würden auf solchen Fahrten lernen, wie man Konflikte löst und sich gegenseitig hilft. Gerade in Corona-Zeiten sei auch die Bewegung an der frischen Luft nicht zu unterschätzen, so Musolf. „Das ist wichtig für die Kinder.“ Zu größeren Verletzungen sei es nach seiner Kenntnis in den vergangenen Jahren nicht gekommen. Man müsse auch bedenken, dass mittlerweile der größte Teil der Kinder geimpft sei.
Über 400 Euro kostet die Fahrt für die Neuntklässler. Ein finanzielles Risiko gibt es für die Eltern derzeit offenbar nicht. Derzeit bestehe die Vereinbarung mit dem Betreiber der Falkenhütte, dass keine Zahlungen von Seiten des Landkreises erfolgen, wenn Fahrten nicht stattfinden könnten, so Rainer Müller-Gummels. Darüber hinaus bestehe die Vereinbarung, dass Fahrten auch kurz vor dem Buchungsdatum abgesagt werden könnten, wenn es die Corona-Lage erfordere.