Glinde
Bluttat in Glinde: Vater erschoss Kinder, Mutter wählte Notruf
Während vor Ort noch lähmendes Entsetzen herrscht, läuft die Arbeit der Ermittler auf Hochtouren. Nach den tödlichen Schüssen in einem Wohnhaus in Glinde wurden nun erste Ergebnisse aus der Rechtsmedizin bekannt gegeben.
Das Entsetzen ist groß, der Schock sitzt tief und es sind noch so viele Fragen offen. Die nach dem „Wie“. Und vor allem die nach dem „Warum“.
Nach den tödlichen Schüssen in einem Wohnhaus in Glinde bei Hamburg mit drei Toten sind am Dienstag, 28. Dezember, erste Erkenntnisse der Rechtsmediziner bekannt gegeben worden. Währenddessen werden vor dem Haus der Familie immer mehr Blumen, Kerzen und letzte Grüße niedergelegt.
Die Ehefrau setzte noch einen Notruf ab
„Zwischenzeitlich sind die verstorbenen Kinder sowie der verstorbene 44 Jahre alte Mann durch die Lübecker Rechtsmedizin obduziert worden“, sagte der Lübecker Oberstaatsanwalt Christian Braunwarth. „Danach sind die Kinder jeweils durch einen Schuss ums Leben gekommen. Es muss zudem davon ausgegangen werden, dass der 44 Jahre alte Mann sich seine tödliche Schussverletzung selbst beibrachte.“
Zudem scheint erwiesen, dass der Familienvater für die Abgabe der Schüsse verantwortlich war. Braunwarth: „Das ergab die Auswertung des bei der Leitstelle eingegangenen Notrufes der verletzten Ehefrau.“
Die mit mehreren Schussverletzungen in das Krankenhaus eingelieferte 38-Jährige befinde sich noch im künstlichen Koma. „Die polizeiliche Spurensuche dauerte am gestrigen Tage über 15 Stunden an und wird heute fortgesetzt“, so der Sprecher der Lübecker Staatsanwaltschaft abschließend.
Die verletzte Mutter war zunächst noch ansprechbar
So stellt sich der Tatablauf bisher mutmaßlich dar: Am späten Abend des zweiten Weihnachtsfeiertages wurden um 22.53 Schüsse in einem Wohnhaus in der Straße Kleiner Glinder Berg gemeldet. In dem Gebäude fanden Polizisten die Leichen von zwei 11 und 13 Jahre alten Jungen. Der 44 Jahre alte Vater der Kinder starb trotz Wiederbelebungsversuchen noch im Haus.
Die Mutter wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht und lag am Montagabend im Koma, schwebte aber nicht mehr in Lebensgefahr. Die 38-Jährige sei zunächst noch ansprechbar gewesen, habe aber nichts zum Tatgeschehen sagen können. Der Sprecher: „Sie hat allerdings nach ihren Kindern gefragt.“ Die unfassbar traurige Antwort auf diese Frage wird sie später ertragen müssen.
Alle Familienmitglieder wiesen Schussverletzungen auf
Alle vier Familienmitglieder hatten nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft Schussverletzungen. Die Mordkommission der Kriminalpolizei ermittelt wegen des Verdachts eines Tötungsdeliktes. Demnach erschoss der Vater zunächst die Kinder, dann verletzte er seine Frau durch Schüsse schwer und richtete die Waffe schließlich gegen sich selbst.
Die Ermittler gehen davon aus, dass die Jungen die leiblichen Kinder der beiden Erwachsenen sind, da alle den gleichen Nachnamen tragen. Erste Erkenntnisse deuteten außerdem darauf hin, dass es einen familiären Hintergrund gebe. Nähere Angaben machte der Sprecher zunächst nicht. Nachbarn in der 18.000-Einwohner-Stadt im Kreis Stormarn hatten die Familie als unauffällig und den Vater als stets freundlich erlebt.
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Auf Zetteln steht „Ich werde Euch nie vergessen“
Dem Sprecher der Staatsanwaltschaft zufolge war keiner der Erwachsenen sei vorbestraft gewesen. Zur Nationalität der Beteiligten wollte er sich zunächst nicht äußern.
Die Suche nach dem Motiv und die Rekonstruktion des Tatablaufes sind nun Teil der weiteren Ermittlungen der Mordkommission der Lübecker Kriminalpolizei.
Seit dem späten Montagnachmittag hatten Freunde, Bekannte und Nachbarn vor dem Haus Blumen abgelegt und Kerzen angezündet. Auf Zetteln stand „Ich werde Euch nie vergessen“. Auch die Weihnachtsbeleuchtung am Haus brannte.