Glinde
Familienvater tötet Söhne: Entsetzen nach Bluttat in Glinde
Nur die Ehefrau überlebte das Verbrechen: Nachdem ein Vater seine beiden Söhne getötet und seine Frau durch Schüsse schwer verletzt hat, herrscht bei den Nachbarn in Glinde großes Entsetzen.
„Es ist einfach erschütternd.“ Oruk Mazcum gehört zu denjenigen, die am Tag nach den tödlichen Schüssen in einem Einfamilienhaus in Glinde vor Ort Blumen niederlegen.
Am 2. Weihnachtstag, 26. Dezember, hatte ein 44-jähriger Familienvater spätabends offenbar zunächst seine beiden 13 und 11 Jahre alten Söhne getötet und seine 38-jährige Frau durch Schüsse schwer verletzt, bevor er die Waffe gegen sich selbst richtete.
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In der 18.000-Einwohner-Stadt herrscht nach der Tat große Betroffenheit, in der Straße Kleiner Glinder Berg blankes Entsetzen. Am Montagvormittag wurden hier drei Menschen in Leichensäcken auf Tragen aus dem Haus gebracht. Die Mutter der getöteten Jungen liegt im künstlichen Koma, ist außer Lebensgefahr und weiß noch nicht, dass ihre Kinder tot sind.
Nachbarn legen Blumen nieder und zünden Kerzen an
Der Tatort befindet sich in einer schlichten Wohngegend mit vielen Doppel- und Einfamilienhäusern und wirkt mit seiner weißen Fassade frisch saniert. Das Dach wurde augenscheinlich erst kürzlich neu gedeckt. „Es ist keine typische Brennpunktsiedlung“, so ein Sprecher der Lübecker Staatsanwaltschaft.
Dass sich hier eine derartige Tragödie abspielen würde, ist auch für Oruk Mazcum unbegreiflich. Er kannte die Familie, die bereits seit längerer Zeit im Haus direkt gegenüber seines eigenen lebte. „Der Mann war sehr freundlich und hatte eigentlich immer ein Lächeln auf den Lippen, wenn wir uns trafen“, berichtet der Nachbar.
Die beiden Jungs hätten auf ihn einen unbeschwerten Eindruck gemacht: „Sie hatten immer das neuste Spielzeug, waren oft mit dem Scooter draußen unterwegs.“ Von Kindern gemalte Fensterbilder sind indes ebenso wenig zu sehen wie Spielgeräte in dem kleinen Vorgarten. Nur ein Gartenzwerg mit einem Bierkrug in der Hand steht vor dem mit einer Eiszapfen-Lichterkette geschmückten Haus am Holzzaun.
Dort wurden am Tag nach der Tat Kerzen entzündet und Blumen niedergelegt. Auch die von Oruk Mazcum sind dabei: „Ich bin gekommen, um der Opfer im stillen Gebet zu gedenken.“
Vor knapp acht Jahren gab es in Glinde eine ähnliche Tat
Das nur wenige Kilometer östlich von Hamburg gelegene Glinde im schleswig-holsteinischen Kreis Stormarn ist nicht das erste Mal der Schauplatz eines tödlichen Geschehens innerhalb einer Familie. Im Januar 2014 hatte ein Mann in religiösem Wahn seinem sechsjährigen Sohn und seiner vierjährigen Tochter im Schlaf getötet.
Der Zahnarzt galt als nicht schuldfähig und konnte deshalb nicht wegen des zweifachen Mordes zur Verantwortung gezogen werden. Er kam stattdessen in die geschlossene Psychiatrie.