Aurich

Weihnachtsgeschäft: Auricher Kaufleute ziehen durchwachsene Bilanz

Kim Hüsing
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Von Kim Hüsing
| 27.12.2021 13:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In der Innenstadt in Aurich ging es vor den Festtagen ruhiger zu als in den Vorjahren. Gerade die Impulskäufe fehlen den Geschäftsinhabern. Foto: Romuald Banik
In der Innenstadt in Aurich ging es vor den Festtagen ruhiger zu als in den Vorjahren. Gerade die Impulskäufe fehlen den Geschäftsinhabern. Foto: Romuald Banik
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Die Geschäftsinhaber aus der Auricher Innenstadt blicken mit gemischten Gefühlen auf das Weihnachtsgeschäft. Nun treibt sie eine noch größere Sorge um.

Aurich - Kurz vor Weihnachten geht es in den Auricher Geschäften in der Regel Schlag auf Schlag: Viele möchten noch kurz vor dem Fest das passende Geschenk für ihre Liebsten einkaufen. Auch nach den Feiertagen boomt der Handel eigentlich. Denn dann werden Gutscheine eingelöst und Umtausch getätigt. Doch aufgrund der Corona-Pandemie hatten die Inhaber der Geschäfte in der Innenstadt Bedenken, ob die Kunden ihnen dennoch die Treue halten. Die ON hat sich umgehört, wie das Weihnachtsgeschäft gelaufen ist.

„Den Umständen entsprechend. An manchen Tagen lief es nicht schlecht“, sagt Rewert Rump, Inhaber des gleichnamigen Männer-Modegeschäfts in Aurich. Deutlich fehlte jedoch die Frequenz. „Die Impulskäufe sind ausgeblieben. Viele, die sonst mehrfach den Weihnachtsmarkt besuchen und dann zu uns in die Läden kommen, sind weggeblieben“, sagt Rewert Rump. Er verzeichnet etwa 40 Prozent Umsatzrückgang zu „normalen“ Jahren. Allerdings hatte er seine Erwartungen angesichts der Lage auch schon „runtergeschraubt“. „Frequenz entsteht dadurch, dass sich die Menschen länger in der Innenstadt aufhalten. Da unsere Gastronomie kastriert wurde, fehlt diese“, schätz Rewert Rump die Situation allgemein ein.

Ruhige Zeiten in der Innenstadt

Allerdings komme Aurich noch besser weg als beispielsweise Großstädte. In Oldenburg sei der Umsatzrückgang zum Teil noch drastischer zu spüren. Rewert Rump ist dankbar, dass ihm die Stammkunden weiter die Treue halten.

Auch Touristen zählen nach wie vor zu seiner Kundschaft. Allerdings nicht in der Masse wie sonst vor Weihnachten üblich. „Ich bin gespannt, wie ruhig die Tage jetzt werden“, sagt der Inhaber. Denn die „Heimkommer“ in die Heimat Ostfriesland würden wohl auch vermehrt ausbleiben. „In der Innenstadt ist es momentan sehr ruhig“, stellt Rewert Rump fest.

Anlässe zum Shoppen fehlen

Er geht davon aus, dass der Umsatzrückgang zwischen den Feiertagen noch deutlicher zu spüren sein wird. Durch die verordnete Weihnachtsruhe hätten viele keinen Anlass mehr, sich für die Silvesterparty neu einzukleiden.

„Wir haben im Januar und Februar in der Branche eh eine Saure-Gurken-Zeit. Die wird jetzt vorgezogen“, so Rewert Rump. Im Dezember wurden kaum Überstunden angesammelt. Er ist gespannt, ob es noch einen Lockdown geben wird.

Lage in der Osterstraße erschwert Geschäft

„Wir haben weniger Personal eingesetzt. Ich bin aber sehr zufrieden mit dem Geschäft vor Weihnachten“, sagt Jörg Ritter von Ritters-Genuss-Company. Die Verkaufszahlen seien über den Erwartungen geblieben: „Es hätte uns schlimmer treffen können.“ Die abzufüllenden Whiskeys sowie Essig und Öle hätten die Kunden angelockt.

Almuth Maaß von der gleichnamigen Drogerie spürt neben den Corona-Auswirkungen auch die Lage ihres Traditionsgeschäfts. „Wir sind seit 1855 hier hinten in der Osterstraße. Aber viele kommen gar nicht mehr bis zu uns“, bedauert die Inhaberin. Auch die Aktionen rund um den Weihnachtsmarkt hätten alle nicht in ihrer Ecke stattgefunden.

„Bummelurlauber“ fehlen

Dennoch sei das Weihnachtsgeschäft deutlich besser als vergangenes Jahr unter Lockdown-Bedingungen gelaufen. Gerade die Aurich-Kalender seien gut verkauft worden. „Unter diesen Umständen war es okay“, so Almuth Maaß.

Doch auch bei ihr im Geschäft fehlten die „Bummel-Urlauber“. Die Poststelle hätte dafür neue Kunden in die Drogerie gelockt.

Kunden gewöhnen sich an neue Regeln

Hans Dübbelde vom Juwelier Schmuckzeit war besorgt, dass die Umsätze erheblich einbrechen könnten. Doch der Inhaber wurde positiv überrascht. „In den zwei Wochen vor dem Fest ist es noch sehr gut gelaufen“, freut er sich. Das Geschäft sei besser besucht gewesen als vor einem Jahr.

Denn damals hatte der Lockdown das erste Weihnachtsgeschäft des Geschäftsinhabers ausgebremst. „Meine Erwartungen sind dieses Jahr übertroffen worden“, sagt Hans Dübbelde. Bei den Kunden habe er zunächst eine große Verunsicherung wahrgenommen, welche Regeln jetzt wo gelten. Inzwischen hätten sich viele daran gewöhnt.

Schmuck war dieses Jahr beliebter als Uhren. Auch Gutscheine wurden verkauft, die nun eingelöst werden können. Mit einem großen Umtauschgeschäft rechnet Hans Dübbelde hingegen nicht. „Das Umtauschen ist weniger geworden. Viele kaufen bewusster ein“, so der Inhaber.

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