ON-Weihnachtsaktion

Tageshospiz bietet Auszeit vom Gedankenkarussell um den Tod

| | 21.12.2021 19:47 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Max Freyland (von links), Insa Henseler und Werner Hippen gehören zu den Ehrenamtlichen des Hospizvereins, die das Tageshospiz betreuen. Foto: Franziska Otto
Max Freyland (von links), Insa Henseler und Werner Hippen gehören zu den Ehrenamtlichen des Hospizvereins, die das Tageshospiz betreuen. Foto: Franziska Otto
Artikel teilen:

Das Tageshospiz in Aurich bietet seinen Gästen eine Auszeit vom Gedankenkarussell um den Tod. Dabei ist es für seine Gäste dank Spenden komplett kostenlos.

Aurich - Einmal Urlaub von der Diagnose, der Trauer und dem Gedanken an den Tod: Im Tageshospiz des Auricher Hospizvereins wird Schwerkranken genau das ermöglicht.

Seit der ersten Stunde des Hospizvereins ist Max Freyland mit dabei. Von da an schwelte in ihm der Gedanke, dass der Verein ein Tageshospiz anbieten könnte. Denn ursprünglich war das nicht der Plan. Das Auricher Hospiz arbeitet ambulant, nicht stationär. Die Sterbenden kommen also nicht ins Hospiz und werden dort bis zu ihrem Tod gepflegt. Stattdessen werden Sterbebegleiter zu den Betroffenen nach Hause geschickt, die im Idealfall im Kreise ihre Familie sterben können.

Spenden für den Hospizverein Aurich

In diesem Jahr sammeln die Ostfriesischen Nachrichten und „Ein Herz für Ostfriesland“ zu Weihnachten gemeinsam für den Hospizverein Aurich. Die Spenden möchte der Verein für die Ausbildung der ehrenamtlichen Trauerbegleiter verwenden. Die Trauerbegleitenden stehen den Hinterbliebenen zur Seite und helfen den Angehörigen, ihren Weg zurück ins Leben zu finden.

Spender können eine Summe ihrer Wahl auf das Spendenkonto „Ein Herz für Ostfriesland GmbH“, IBAN DE24 2856 2297 0414 5372 01, bei der Raiffeisen-Volksbank eG Aurich unter dem Stichwort Hospizverein Aurich überweisen. Weitere Informationen finden Interessierte hier .

Hospiz ist nicht gleich Hospiz

Das Prinzip der ambulanten Sterbebegleitungen klappt auch recht gut. Jedoch hat es einen Nachteil: Oft findet es nur bei den Betroffenen zu Hause statt. Natürlich unternehmen die Begleiter mit den Betroffenen kleine Spaziergänge. Aber in der letzten Lebensphase sind viele eingeschränkt. Dann beschränkt sich die geschenkte Zeit auf gute Gespräche, eine Tasse Kaffee und vielleicht ein Gesellschaftsspiel. Für die Sterbenden ist die Begleitung unbezahlbar.

In einem Tageshospiz haben die Schwerkranken die Möglichkeit, eine Art Ein-Tages-Urlaub zu machen. „Die Betroffenen fallen in eine gewisse Einsamkeit“, sagt Max Freyland. Der Freundeskreis wende sich zu oft von einem ab, die Menschen wollten sich nicht mit dem nahenden Tod auseinandersetzen. Auch Verwandte seien oft von der Endgültigkeit überfordert. Für den Kranken hingegen dreht sich alles um die Frage: Wie lange habe ich noch? Im Tageshospiz können sie davon abschalten.

Ein Strandkorb steht am Meer. Foto: DPA
Ein Strandkorb steht am Meer. Foto: DPA

Auch für Angehörige eine Auszeit

Das Tageshospiz wird vor allem von jenen besucht, die so schwer krank sind, dass keine Heilung mehr erwartbar ist. Es können nur noch Symptome behandelt werden. Oft statten jene dem Tageshospiz einen Besuch ab, die bereits einen Sterbebegleiter an ihrer Seite haben, sagt Werner Hippen. Auch er ist seit Beginn des Hospizes dabei. Der Betroffene muss auch nicht allein ins Hospiz. Oft kämen die Begleiter bei den ersten Treffen mit, sagt Hippen.

Auch Angehörige sind eingeladen. Sie kämen aber eher selten mit, sagt Max Freyland. Auch für sie kann das Tageshospiz eine Auszeit sein – sie können Erledigungen machen oder sich mit Freunden treffen. Dabei haben sie die Sicherheit, dass der Schwerkranke im Tageshospiz gut aufgehoben ist, sagt der Hospizbegleiter.

Eine rote Tasse steht auf einem gedeckten Tisch. Foto: DPA
Eine rote Tasse steht auf einem gedeckten Tisch. Foto: DPA

Kondition lässt nicht viel zu

Jeden zweiten Mittwoch findet das Tageshospiz statt. Das ist der Nachfrage geschuldet, sagt Max Freyland. Während der Coronazeit musste es pausieren. Zu groß war die Gefahr, dass sich die Schwerkranken mit Covid-19 infizieren. Aber vor der Pandemie kamen regelmäßig etwa drei oder vier Gäste. Hinzu kommen zwei Hospizbegleiter, die das Tageshospiz betreuen und teilweise noch die Sterbebegleiter der Betroffenen.

Für den Ablauf des Tageshospiz orientieren sich die Verantwortlichen bei ihren Gästen. Gegen 9.30 Uhr wird gemeinsam gefrühstückt, Mittagessen gibt es ebenfalls. Zwischendurch werden Spiele gespielt, über das Leben philosophiert oder die Teilnehmer gehen am Auricher Hafen spazieren. Gegen 14 Uhr ist dann meistens schon Schluss. Viel länger halten viele Gäste auch nicht mehr durch, sagt Werner Hippen. Sie werden schlicht müde. Im Haus des Hospizvereins gibt es zwar auch einen Ruheraum – der werde aber nur selten beansprucht. Zu groß ist die Sorge, dass man etwas in der Gruppe verpassen könnte, sagt Insa Henseler, ebenfalls Hospizbegleiterin. „Es ist für sie wie ein zweites Zuhause.“

Zwei Frauen gehen in einer Allee spazieren. Foto: DPA
Zwei Frauen gehen in einer Allee spazieren. Foto: DPA

Angebot ist rundum kostenlos

Die Arbeit ist für die Ehrenamtlichen aufwendig. Sie müssen vor dem Besuch eines Gastes viel über ihn in Erfahrung bringen: welche Medikamente müssen eingenommen werden, wer ist der Hausarzt, wie können Angehörige erreicht werden. Zusätzlich wird ein Tagebuch für die Treffen geführt. Darin wird festgehalten, wie sich die einzelnen Gäste beim Besuch gefühlt haben.

Das Angebot des Tageshospizes ist rundum kostenlos. Die Gäste müssen nichts bezahlen. Teilweise fahren die Hospizbegleiter die Gäste selbst oder der Verein übernimmt die Taxikosten. Die Gäste sollen sich keine Sorgen machen müssen und rundum wohlfühlen.

Kekse in Uhrenform liegen auf einem Haufen. Foto: DPA
Kekse in Uhrenform liegen auf einem Haufen. Foto: DPA

Gemeinsames Erleben steht im Vordergrund

Der Hospizverein finanziert das Tageshospiz ausschließlich durch Spendengelder. Auch den Raum dafür stellt es zur Verfügung. Ein lichtdurchfluteter Gemeinschaftsraum mit einer offenen Küche. „Wir haben auch schon Kuchen und Plätzchen gebacken“, sagt Insa Henseler. Ohne die Unterstützung des Hospizvereins durch Spender wäre das nicht möglich.

Das gemeinsame Erleben, Beisammensein und Spaß haben – das können die Ehrenamtlichen im Tageshospiz schwerkranken Menschen schenken.