Aurich

Corona: Ansturm auf Kinderimpfungen

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 15.12.2021 16:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In Ostfriesland gibt es eine große Nachfrage nach Corona-Impfungen für Kinder unter zwölf Jahren. Foto: DPA
In Ostfriesland gibt es eine große Nachfrage nach Corona-Impfungen für Kinder unter zwölf Jahren. Foto: DPA
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Am Mittwoch wurde mit den Corona-Impfungen bei Kindern unter zwölf Jahren begonnen. Aber nicht alle Ärzte können mitmachen.

Aurich - Am Donnerstag voriger Woche war es soweit: Die Ständige Impfkommission (Stiko) des Robert-Koch-Instituts empfahl, auch Fünf- bis Elfjährige gegen das Coronavirus zu impfen. Die Empfehlung gilt vor allem für Kinder mit Vorerkrankungen. Auf Wunsch der Eltern können aber auch alle anderen Kinder das Vakzin erhalten. Und dieser Wunsch ist bei den Eltern in Ostfriesland offenbar vorhanden. Das jedenfalls stellt Götz Gnielka fest. Er ist Kinderarzt in Emden und Obmann des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte für Ostfriesland und Papenburg. In Emden gebe es drei Kinderarztpraxen, von denen zwei impfen würden, so Gnielka. Er selbst habe die Termine erst freigeschaltet, als auch der bestellte Impfstoff eingetroffen war. „Binnen zwei Minuten hatten wir 38 Anmeldungen.“ Seit Mittwoch dieser Woche wird geimpft.

Ähnlich sieht es in einer Auricher Kinderarztpraxis aus, deren Name nicht in der Zeitung stehen soll. Dort waren schon vor Wochen Impflisten angefertigt worden. Am Mittwochnachmittag erfolgten dann die ersten 60 Impfungen. Und es werden mehr: Seit Montag sind weitere 60 Namen von Kindern hinzugekommen, die gegen das Coronavirus geimpft werden sollen.

Bestellung des Impfstoffes eine Woche im Voraus

Insgesamt sind 240.000 Dosen des Impfstoffes, der speziell an die Bedürfnisse der unter Zwölfjährigen angepasst ist, nach Niedersachsen geliefert worden. Diese Zahl nennt auf ON-Anfrage Dieter Krott, Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung, Bezirksstelle Aurich. Bis Dienstag voriger Woche mussten die Bestellungen bei den Apotheken durch die Praxen vorliegen, wenn sie in dieser Woche Impfstoff erhalten wollten. Eine Woche ist auch beim Kinder-Impfstoff laut Krott der Vorlauf. Das Problem: Der Bestelltermin lag vor der Stiko-Empfehlung. Ärzte mussten also auf eigenes Risiko bestellen. Nicht alle haben das auch getan.

Soweit Gnielka es beurteilen kann, wurde allerdings genug Impfstoff geliefert, um alle Impf-Wünsche der Eltern auch erfüllen zu können. Das zumindest gilt für die Erstimpfung. „Es gab zunächst die Zusicherung, dass die Versorgung mit Impfstoff sichergestellt sei“, sagt Gnielka. Diese Zusicherung sei jedoch auch wieder zurückgenommen worden. Am Dienstag stellte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) fest, dass keineswegs genug Impfstoff für das erste Quartal kommenden Jahres vorhanden sei.

Kinderimpfstoff ist bislang keine Mangelware

Auf ON-Nachfrage teilt das Bundesgesundheitsministerium mit, dass „der neue Kinderimpfstoff ist von der vorübergehenden Impfstoffknappheit zu Jahresbeginn nicht betroffen“ sei. Bis zum Jahresende würden 2,4 Millionen Dosen davon ausgeliefert. In den ersten beiden Januarwochen kämen jeweils 1,25 Millionen weitere Kinderimpfstoffdosen. Insgesamt reiche das, um 50 Prozent der Fünf- bis Elfjährigen Kinder zu impfen. Es habe zum Vergleich bei den Elf- bis 18-Jährigen viereinhalb Monate gedauert, um eine solche Impfquote zu erreichen, so der Sprecher des Ministeriums. Die Bundesländer seien zudem darauf hingewiesen worden, dass sie bei dere aktuellen Impfstofflieferung auch stets die Zweitimpfung mitdenken müssten, damit alle Kinder auch sicher die Zweitimpfung erhalten könnten.

Das geschieht aber nicht immer, wie Gnielka bestätigt. Er hält keinen Impfstoff zurück, vergibt so viele Termine wie möglich. „Wir bauen darauf, dass es für die zweite Impfung genügend Vakzine gibt.“ Frühestens in drei, spätestens in sechs Wochen werden die Zweitimpfungen verabreicht. Genauere Terminvorgaben gibt es nicht. Es müsse für Kinder und Ärzte handhabbar sein, so Gnielka. Bestellen könnten die Kinderärzte den Impfstoff sowieso erst wieder ab dem 4. Januar. Ausgeliefert wird dann eine Woche später.

Nicht nur die niedergelassenen Kinderärzte impfen. Auch der Landkreis Aurich sowie die Stadt Emden beginnen in dieser Woche mit der Impfung der Kinder unter zwölf Jahren. In Aurich findet die Impfaktion am Freitag im Energie-Erlebnis-Zentrum (EEZ) in Sandhorst statt. Der Landkreis hat 250 Dosen bestellt. Für Freitag gab es 40 Impftermine. Diese waren über das Impfportal des Landes buchbar und innerhalb kürzester Zeit vergriffen, wie der Kreis auf ON-Anfrage mitteilte. In der kommenden Woche sollen weitere Termine für das EEZ angeboten werden.

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