Osnabrück

Politischer Olympia-Boykott? Symbolpolitik von fragwürdiger Wirkung

Thomas Ludwig
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Von Thomas Ludwig
| 13.12.2021 17:23 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Erstmals beim Rat der EU-Außenminister in Brüssel mit dabei: Deutschlands oberste Diplomatin Annalena Baerbock. Foto: Valeria Mongelli/imago-images/ZUMA Wire
Erstmals beim Rat der EU-Außenminister in Brüssel mit dabei: Deutschlands oberste Diplomatin Annalena Baerbock. Foto: Valeria Mongelli/imago-images/ZUMA Wire
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Sollen Politiker den olympischen Winterspielen in Peking fern bleiben? Washington wünscht sich, dass die Europäer dem US-Beispiel folgen. Doch die EU-Staaten sind uneins. Gewonnen wäre mit so einem Boykott wenig.

Mit einem diplomatischen Boykott der olympischen Winterspiele in Peking darf man sich auf der moralisch richtigen Seite wähnen. Menschenrechtsverletzungen anzuprangern und Einschränkungen von Bürgerrechten zu verurteilen ist nie verkehrt.

Dennoch sollte Deutschland von einem solchen Boykott absehen. Allenfalls im Verbund mit den EU-Partnern - wenn überhaupt - wäre ein solches Vorgehen sinnvoll. Die 27 Staaten sind aber wieder mal uneins; da mag Außenministerin Annalena Baerbock noch so oft fordern, dass sich ein starkes Europa bei außenpolitischen Fragen nicht von der Einstimmigkeit schwächen lassen dürfe. 

Maßnahme von mäßiger Symbolkraft

Sollten einzelne EU-Staaten also vorangehen, wie es Litauen anstrebt? Nein, das wäre nur ein weiterer Beleg für die außenpolitische Unreife der Union. Zudem folgt eine rein diplomatische Olympia-Abstinenz, wie sie unter anderem die USA angekündigt haben, dem Prinzip „Wasch' mich, aber mach mich nicht nass“. Derlei Maßnahmen von mäßiger Symbolkraft mögen gut sein für ein reines Gewissen; bewegen werden sie nichts.

Wer dem Regime in Peking wirklich wehtun wollte, müsste die Spiele sportlich boykottieren. Das aber widerspräche dem olympischen Grundgedanken, wonach auch jene Staaten um sportliche Siege wetteifern sollen dürfen, die abseits der Stadien, sprich auf politischem Parkett, miteinander in Feindschaft verbunden sind.

Großereignisse wie Olympia und Weltmeisterschaften sind niemals unpolitisch. Wer die olympischen Winterspiele boykottiert, müsste auch Konsequenzen für die Fußball-WM in Katar im Winter 2022 ziehen. Wer sich über die Unterdrückung von Uiguren durch Peking empört wird moderne Arbeitssklaverei im Wüstenstaat nicht tatenlos hinnehmen können.

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