Aurich

Verschönerung für die Osterstraße: Bunt statt weiß

Franziska Otto
|
Von Franziska Otto
| 11.12.2021 17:06 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Künstler Klaus-Berthold Kleen zeichnet sein Gemälde auf den Bauzaun in der Osterstraße. Foto: Romuald Banik
Der Künstler Klaus-Berthold Kleen zeichnet sein Gemälde auf den Bauzaun in der Osterstraße. Foto: Romuald Banik
Artikel teilen:

Der Kunstverein Zwischenraum will mit einem Projekt die Auricher Osterstraße verschönern. Aus Bauzäunen sollen Kunstwerke werden. Den Anfang machte ein Südbrookmerlander mit einem untypischen Motiv.

Aurich - Wer in dieser Woche durch die Osterstraße gelaufen ist, musste sich den Blicken dreier ärgerlich dreinschauender Kinder aussetzen. Ihre Gesichter prangen auf einem weißen Bauzaun, der durch den Abriss verursachte Lücke in der Häuserzeile zum Georgswall hin verdeckt. Das Gemälde ist Teil einer Aktion des Kunstvereins Zwischenraum.

Im Zuge der Abriss-, Umbau- und Sanierungsarbeiten in der Osterstraße in der Auricher Innenstadt soll ein 50 Meter langer, weißer Bauzaun aufgestellt werden. Er wird in 13 bis 15 Einzelelemente untergliedert werden. Hiesige Künstler sollen die weißen Wände verschönern, sagt die Vorsitzende des Zwischenraums, Gila Altmann. Auch Schulen sollen in die Gestaltung mit einbezogen werden.

Osterstraße soll schöner werden

Ziel des Projekts ist es, Leerstände zu verschönern. So soll die Attraktivität des Umfeldes gesteigert werden. Auch Geschäftsleute würden davon profitieren, heißt es in einer Mitteilung des Vereins.

Die Organisation des Projekts musste schnell gehen. Altmann fürchtete, dass der Bauzaun zum Beschmieren einlädt. Zwischenraum setzte sich darauf hin mit der Stadt und dem Investor in Verbindung. Die Idee des Vereins habe sofort Anklang gefunden, sagte Altmann.

Während der Sanierungsarbeiten werden Bauzäune in der Osterstraße aufgestellt. Der Verein Zwischenraum will daraus ein Kunstprojekt machen. Foto: Zwischenraum
Während der Sanierungsarbeiten werden Bauzäune in der Osterstraße aufgestellt. Der Verein Zwischenraum will daraus ein Kunstprojekt machen. Foto: Zwischenraum

Für Altmann ist das Projekt eine Herzensangelegenheit. Bis zum März im kommenden Jahr sollen die Zäune stehen und fertig verschönert sein. Und das ist nicht alles: Altmann schwebt für die Osterstraße die Entwicklung einer Kulturmeile vor. Straßenkünstler sollen auftreten, ein Street-Art-Festival und Konzerte stattfinden. „Das wird unsere Easterside-Gallery“, sagt Altmann, in Anlehnung an die East Side Gallery in Berlin.

Südbrookmerlander machte den Anfang

Das erste Gemälde für den Bauzaun war für den Verein ein wichtiger Schritt. Es sollte eine wichtige Botschaft transportieren und Aufmerksamkeit generieren. Der Südbrookmerlander Künstler Klaus-Berthold Kleen machte den Vorschlag der Kinderköpfe. Das habe nicht bei allen im Verein für Zuspruch gesorgt. „Manche sagten, das gehöre in den Kindergarten“, sagte der Künstler.

Kleen konnte den Verein mit seiner Idee überzeugen. Seit über einer Woche malt er bereits in der Osterstraße. Die Gesichter der Kinder nehmen Farbe an.

Die Aufmerksamkeit, die der Verein sich vom ersten Gemälde gewünscht hat, ist ihm gewiss. Die Blicke der Fußgänger werden von den drei Gesichtern angezogen. Einige Fußgänger bleiben stehen.

Kindern eine Stimme geben

Missmutig blickende Kinder – kein alltägliches Motiv. Das Bild soll vor allem Erwachsene ansprechen, sagt Kleen. „Die Generation nach uns hat einen Grund, uns zu kritisieren.“ Man müsse sich dringende Fragen zum Beispiel zum Klimawandel endlich stellen. „Welchen Raum nimmt der Verkehr ein? Gibt es genügend Angebote für Kinder?“ Mit seinem Werk will Kleen auf diejenigen aufmerksam machen, die keine Stimme haben.

Noch sind die drei Köpfe nicht fertig. Zwei bis drei Termine zu jeweils drei bis vier Stunden werde er in der kommenden Woche noch benötigen, schätzt der Künstler.

Ähnliche Artikel