Aurich

Schulleiter uneins über frühere Weihnachtsferien

Franziska Otto Heino Hermanns
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Von Franziska Otto und Heino Hermanns
| 10.12.2021 07:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Kreide und Schwamm liegen in einem verlassenen Klassenraum. Foto: DPA
Kreide und Schwamm liegen in einem verlassenen Klassenraum. Foto: DPA
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Das niedersächsische Kultusministerium hadert noch mit der Entscheidung, ob die Weihnachtsferien vorgezogen werden. Bei Auricher Schulleitern herrscht zu dem Thema Uneinigkeit.

Aurich/Hannover - Einige Bundesländer haben schon entschieden, die Weihnachtsferien in diesem Jahr nicht früher anfangen zu lassen. Der Gedanke: Mit früheren Ferien könnten Kontakte reduziert, die Ansteckungsgefahr minimiert werden. So könnte dann Weihnachten auch bei älteren Verwandten sicherer gefeiert werden. In Niedersachsen tut Kultusminister Hendrik Grant Tonne sich bislang schwer mit einer Entscheidung.

Rüdiger Musolf. Foto: Heino Hermanns
Rüdiger Musolf. Foto: Heino Hermanns

Eine klare Meinung hat zu dem Thema aber Rüdiger Musolf, Leiter des Auricher Gymnasiums Ulricianum. „Das ist völliger Unsinn“, sagt er auf ON-Anfrage. Ein Vorziehen des Ferienbeginns wäre aus seiner Sicht blanker Aktionismus. „Ich wäre richtig sauer, wenn das so kommen sollte.“

Kein erhöhtes Risiko

Denn es gebe deutliche Unterschiede in den Corona-Lagen 2020 und 2021. Vor einem Jahr, so Musolf, sei fast niemand gegen das Virus geimpft gewesen. Zudem habe es einen Lockdown gegeben mit rigorosen Kontaktbeschränkungen. Das sei heute anders. Einen Lockdown gebe es nicht. „Und wir haben eine relativ gute Impfquote im Landkreis.“ Mit einem Vorziehen der Weihnachtsferien würde man unterstellen, dass die Schulen Corona-Brennpunkte seien. „Es gibt aber kein erhöhtes Ansteckungsrisiko in den Schulen“, so Musolf. Natürlich würden sich auch Schüler infizieren. „Aber das geschieht im privaten Umfeld, nicht in der Schule.“ Und aus diesem Grund sei eine Verlängerung der Ferien auch nicht plausibel. Denn sobald die Schüler frei hätten, würden sie sich privat treffen – das Ansteckungsrisiko wäre dadurch nicht gemindert.

Auch aus organisatorischer Sicht wäre ein früherer Beginn der Weihnachtsferien nicht gut, so Musolf. Es gebe ohnehin nur einen schmalen Zeitkorridor für Klausuren und Klassenarbeiten. In der Woche vor Weihnachten seien noch viele Arbeiten eingeplant.

Nicht ganz einer Meinung

Ähnlich wie Musolf sieht die Leiterin der Auricher Realschule, Kathrin Peters, die Diskussion um frühere Weihnachtsferien. Angesichts sinkender Inzidenzen sei es unsinnig, jetzt die Schulen zu schließen. „Bei einer Inzidenz von 200 wurde auch nichts gemacht“, sagte sie. Die Kinder seien endlich wieder in einem relativ normalen Rhythmus in der Schule. Sie jetzt rauszureißen, würde die Kinder und Jugendlichen nur noch mehr belasten, als sie es in der Pandemie sowieso schon sind. Auch Homeschooling hätte keinen Sinn, so Peters. Schließlich müssten sich Schüler und Lehrer wieder umstellen – für drei Tage.

Kathrin Peters. Foto: Romuald Banik
Kathrin Peters. Foto: Romuald Banik

Dieses Problem sieht auch der Leiter der Lambertischule in Aurich, Kai Münzel. Homeschooling ist für ihn keine wirkliche Alternative. Trotzdem würde er frühere Weihnachtsferien für seine Schüler begrüßen. „Es wäre eine große Entlastung für die Schüler“, sagte er. In vielen Schulen in ganz Ostfriesland gebe es Corona-Fälle. Nicht nur die Kinder, sondern auch die Lehrer seien davon betroffen. Sie müssten in Quarantäne und dürften nicht unterrichten. Ersatz zu organisieren sei allerdings schwierig. Vor der Pandemie seien in solchen Fällen die Klassen aufgeteilt worden – das gehe nun nicht mehr. Die Kinder einfach nach Hause zu schicken, sei in Grundschulen keine Option, so Münzel.

Kai Münzel. Foto: Franziska Otto
Kai Münzel. Foto: Franziska Otto

Einen klaren Vorteil sieht Münzel bei früheren Ferien: Die Kinder und deren Familien könnten sich über die Weihnachtsfeiertage sicherer fühlen. Wenn sie bis zum 22. Dezember in die Schule gingen, könnten sie beim Treffen mit der Familie zu den Feiertagen infiziert sein, ohne es zu merken. Mit früheren Ferien würden solche Fälle vermieden, vermutet Münzel.

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