Landkreis Aurich
Keine extra Sprechstunden für Ungeimpfte im Kreis Aurich
Arztpraxen könnten nach einem Vorschlag der Kassenärztlichen Vereinigung Badem-Württemberg extra Sprechzeiten für Menschen einführen, die nicht geimpft oder genesen sind. Im Kreis Aurich ist das bisher aber nicht der Fall.
Landkreis Aurich - Ungeimpfte und nicht genesene Patienten werden in allen Praxen im Landkreis Aurich aufgenommen und behandelt. Das teilt Dieter Krott, Geschäftsführer der Auricher Bezirksstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), auf Nachfrage der ON mit. Mittels Hausrecht könnten die Praxen zwar die 2G-Regel anwenden, um beispielsweise ihre Mitarbeiter zu schützen. Auf der anderen Seite sind sie verpflichtet, die Patienten zu behandeln. In einem Rundschreiben der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg werden als Lösung extra Sprechzeiten für Menschen, die nicht geimpft oder genesen sind, vorgeschlagen. Krott ist aber keine Praxis im Kreis bekannt, die dieses Konzept umsetzt.
Dieter Krott glaubt aber, dass über die Einlass-Regeln in Praxen Unsicherheit herrscht. Seine Befürchtung: Dadurch könnten wieder weniger Menschen zum Arzt gehen. So würden wiederum Krankheiten verschleppt oder später erkannt werden. Das war bereits 2020 landesweit der Fall. Aus Angst, sich anzustecken, suchten weniger Menschen Praxen auf und es fanden etwa 1600 Behandlungen weniger als im Vorjahr statt. In diesem Jahr stieg die Zahl der Behandlungen wieder auf Normalniveau. Ob die Zahl im aktuellen Quartal tatsächlich wieder zurückgeht, kann aber erst im Nachhinein ausgewertet werden.
Unsicherheit auch über die Erreichbarkeit
Laut Krott sind nicht nur Patienten verunsichert über die Einlass-Regeln in Praxen, sondern auch Begleitpersonen. Viele Eltern fragen sich beispielsweise, ob sie mit ihrem kranken Kind in die Praxis kommen können. Das ist laut Krott aber erlaubt.
Dr. Lukas Bockelmann, Vorsitzender des Auricher Ärztevereins und Allgemeinmediziner in Timmel, hat andere Erfahrungen gemacht. Unsicherheiten über die Zugangsvoraussetzungen in Arztpraxen hat er bisher nicht erlebt. Er kann sich aber vorstellen, dass die Patienten andere Hemmungen haben, die sie von einem Besuch beim Arzt abhalten. Denn durch die Corona-Impfungen seien viele Praxen überlastet. Die vielen Nachfragen und Terminabsprachen würden dazu führen, dass die Telefone kaum still stehen und die Praxen schlecht erreichbar sind. „Die Patienten sind eher in Sorge, dass die Praxis zu viel zu tun hat“, meint Bockelmann. „Das ist aber sicherlich auch von Praxis zu Praxis unterschiedlich.“