Hannover

Frühere Weihnachtsferien? Entscheidung dürfte heute fallen

Lars Laue
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Von Lars Laue
| 08.12.2021 18:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Beginnen die Weihnachtsferien in Niedersachsen wegen Corona früher? Das ist zwei Wochen vor dem offiziellen Ferienstart noch immer unklar. Foto: Ralf Hirschberger/dpa
Beginnen die Weihnachtsferien in Niedersachsen wegen Corona früher? Das ist zwei Wochen vor dem offiziellen Ferienstart noch immer unklar. Foto: Ralf Hirschberger/dpa
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Nach der Bund-Länder-Runde an diesem Donnerstag will Niedersachsen entscheiden, ob es wegen Corona früher in die Weihnachtsferien geht oder nicht. Unterdessen gerät das Kultusministerium zunehmend unter Druck.

In der vom Land noch immer nicht beantworteten Frage, ob angesichts der vierten Corona-Welle die Weihnachtsferien nun vorgezogen und/oder verlängert werden, gerät Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) zunehmend unter Druck. Aus der Politik sowie aus Bildungs- und kommunalen Spitzenverbänden mehren sich Stimmen, die auf eine rasche Entscheidung drängen.

Kommunale Spitzenverbände verärgert über zögerliche Haltung

„Wir haben das Thema mehrfach gegenüber der Landesregierung angesprochen und um eine zeitnahe Entscheidung gebeten. Nicht nur die Eltern, auch die Schulträger und die für die Schülerbeförderung zuständigen Landkreise müssen wissen, wie sie planen sollen“, erklärt Hubert Meyer, Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Landkreistages (NLT), gegenüber unserer Redaktion. Und auch Oliver Kamlage, Geschäftsführer des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes (NSGB), hat kein Verständnis mehr für die zögerliche Haltung des Kultusministeriums. „Die Schülerinnen und Schüler, Erziehungsberechtigten und Lehrkräfte, aber auch die Kommunen als Schulträger benötigen jetzt und dringend eine Entscheidung des Landes, um die Tage vor Weihnachten entsprechend planen zu können. Die Eltern müssen doch wissen, ob sie eine Kinderbetreuung organisieren oder gegebenenfalls Urlaub nehmen müssen“, stellt Kamlage klar. Die Lehrer treibe überdies die Frage um, welcher Unterrichtsstoff im Dezember noch behandelt werden kann und ob Klassenarbeiten vorgezogen oder verschoben werden müssen. „Das sind doch alles Themen, die an den Frühstückstischen dieses Landes aktuell diskutiert werden. Insofern muss sich das Land jetzt schleunigst festlegen, dies darf nicht länger im Ungefähren bleiben“, fordert der Geschäftsführer des NSGB Minister Tonne zum Handeln auf.

Entscheidung soll nach der Ministerpräsidentenkonferenz fallen

Dieser ließ am Mittwoch auf Nachfrage unserer Redaktion über seinen Sprecher Sebastian Schumacher mitteilen, dass die Landesregierung ihre weiteren Planungen „direkt und zügig“ kommunizieren werde, sobald diese feststünden. Zu rechnen sei damit nach der Ministerpräsidentenkonferenz an diesem Donnerstag. „Bis dahin wird es keine Entscheidungen und auch keine spekulativen Wasserstandsmeldungen geben“, stellte Schumacher klar, wenngleich „sehr nachvollziehbar“ sei, dass die Öffentlichkeit, die Familien und die Schulen wissen wollten, was die Landesregierung insgesamt rund um die Feiertage und den Jahreswechsel plane. Das Kultusministerium aber strebe eine Abstimmung mit dem Bund und den anderen Ländern und eine möglichst einheitliche Linie an.

FDP würde ab dem 20. Dezember freiwilliges Distanzlernen anbieten

Der schulpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Björn Försterling, weiß genau, was er anstelle des Ministers machen würde: „Wir schlagen vor, bereits in der nächsten Woche die Schüler täglich mit Selbsttests zu versorgen und ab dem 20. Dezember ein freiwilliges Distanzlernen anzubieten. Das ermöglicht sowohl einen Verzicht auf den Schulbesuch als auch die Sicherstellung der Betreuung und wird damit allen Eltern und Schülern gerecht. Die Entscheidung muss aber schnell getroffen werden, damit sich alle Beteiligten noch darauf vorbereiten können.“ Julia Willie Hamburg, Fraktionsvorsitzende und schulpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, beklagt, dass die Schulen entgegen den Beteuerungen der Landesregierung nicht pandemiefest seien. Schulen, Eltern und Schüler bräuchten allmählich Klarheit, ob die Weihnachtsferien vorgezogen oder verlängert werden. „Der Kultusminister muss dieses Anliegen der Eltern und Schulleitungen ernst nehmen. Es ist wichtig, dass Kinder sich nicht infizieren und somit Eltern und Großeltern nicht anstecken. Angesichts der Omikron-Variante hat sich die Situation noch verschärft. Deshalb gilt es schon jetzt zu klären, was in Schulen und Kitas passiert, wenn im Januar die Omikron-Welle zuschlägt“, findet Hamburg. Es sei bitter, dass das Land nicht so weit sei, die Infektionszahlen dauerhaft niedrig zu halten, und dass Schulen durch qualifiziertere Tests und Lüftungsanlagen besser geschützt werden. Alle wollten Schulschließungen vermeiden. „Doch die Voraussetzungen können offensichtlich auch in der vierten Welle nicht erfüllt werden“, kritisiert die Oppositionspolitikerin.

„Besser guter Distanzunterricht als verlängerte Weihnachtsferien“

Eine klare Vorstellung, wie es laufen sollte, hat auch der Verband für Lehrerinnen und Lehrer an Wirtschaftsschulen in Niedersachsen (VLWN). „Um die vierte Welle zu brechen und die Kontakte vor den Festtagen deutlich zu reduzieren, sprechen wir uns dafür aus, jetzt geordnet in Distanzunterricht überzugehen. Besser guter Distanzunterricht als verlängerte Weihnachtsferien“, findet VLWN-Landeschef Joachim Maiß.

Verband der Gymnasiallehrer befürwortet bundeseinheitliche Regelung

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Niedersachsen fordert eine schnelle Entscheidung von der Landesregierung, damit „endlich konkret geplant“ werden könne. Und Horst Audritz, Vorsitzender des Philologenverbandes Niedersachsen, einem Zusammenschluss von Gymnasiallehrern, betont: „Die Diskussion um vorgezogene Weihnachtsferien wird in unseren Schulen bereits seit einiger Zeit geführt.“ Die angeführten Gründe einer verbesserten Isolation der Schüler und Lehrer, um mit den Familien die Weihnachtstage verbringen zu können, seien zwar nachvollziehbar, allerdings müsse es mit Blick auf den pandemiebedingt versäumten Lernstoff und auch die Belastungen der Familien hinsichtlich der Betreuung eine „genaue Abwägung“ geben. „Ich plädiere dafür, diese Entscheidung bundeseinheitlich zu treffen, wie von den Kultusministern der Länder nun angedacht“, fügt Audritz hinzu und wartet gespannt auf ein Ergebnis nach der Bund-Länder-Runde an diesem Donnerstag.

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