Aurich
Banges Warten auf neue Corona-Verordnung
Schon am Sonnabend soll der Auricher Einzelhandel bei der XXL-Einkaufnacht die Regeln der neuen Corona-Verordnung umsetzen. Das Wie ist aber noch nicht abschließend geklärt. Das sorgt für Ärger.
Aurich - Für die Auricher Einzelhändler dürften die Aussagen von Regierungssprecherin Anke Pörksen vom Mittwoch wie ein Hohn geklungen haben. Auf die Frage, wie die Kontrollen der ab Sonnabend geltenden 2G-Regel im Einzelhandel denn kontrolliert werden sollen, sagte sie: „Wir hoffen da auf die Organisationskraft im Einzelhandel“. Auch wenn noch keine abschließende Regelung beschlossen ist (Seite 1), heißt das nichts anderes, als dass der Handel die Einhaltung der ab Sonnabend geltenden 2G-Regel selbst kontrollieren muss. Und genau das, war die größte Befürchtung der Auricher Einzelhändler.
Das Problem: Viele kleine Geschäfte sind – auch mit Blick auf die geplante XXL-Einkaufsnacht – kaum in der Lage, ausreichend Personal für die Öffnungszeiten bis 22 Uhr einzuplanen. Dann noch Personal abzustellen, der an der Tür die Einlasskontrolle übernimmt, ist für viele quasi unmöglich, wie sie im ON-Gespräch sagten.
Kaufmännischer Verein verärgert über Landespolitik
Zwar versucht der Kaufmännische Verein (KV) es den Händlern so einfach wie möglich zu machen, trotzdem ist der KV-Vorsitzende Udo Hippen verärgert über das Vorgehen in Hannover. Zum zögerlichen Handeln der Landesregierung sagte Hippen: „Das ist ein Witz, was da in Hannover läuft.“ Vom Handel werde Tempo bei der Umsetzung der Regeln und Verordnungen erwartet. In der Vorbereitung werde dieses Tempo aber nicht an den Tag gelegt. Die Politik gebe der Wirtschaft keine Zeit zur Vorbereitung, so Hippen. Vermutlich erst Freitagnachmittag wird endgültig feststehen, wie die neuen Regeln ab Sonnabend umzusetzen sind.
Um es den Auricher Händlern zu erleichtern, kündigte Udo Hippen an, dass die Bändchen, die nach der Kontrolle des Impfstatus für den Auricher Weihnachtszauber ausgegeben werden, auch für die Gastronomie und den Einzelhandel gültig sind. So müssten die Händler in vielen Fällen zumindest nur die Bändchen und nicht mehr den Impfpass und den Ausweis kontrollieren. Das gilt aber natürlich nur für die Kunden, die sich vorher auf oder am Weihnachtsmarkt ein entsprechendes Bändchen besorgen. Es könne zu einem logistischen Problem vor allem für kleine Einzelhändler werden, müsse es aber nicht, so Hippen. Der KV würde sich eine Entscheidung zugunsten von stichprobenartigen Kontrollen wünschen.
Industrie- und Handelskammer ist für Einführung von 2G im Handel
Auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) für Ostfriesland und Papenburg forderte eine praxistaugliche, pragmatische Einführung der 2G-Regel, die mit einem zeitlichen Vorlauf zur Umsetzung versehen sein müsse. Kontrollen sollten nur stichprobenartig durchgeführt werden müssen – und zwar sowohl in digitaler Form als auch durch Vorlage der Impfbescheinigung, so die IHK.
Grundsätzlich hat sich die Vollversammlung der IHK aber mehrheitlich für die flächendeckende Einführung der 2G-Regelung in Niedersachsen ausgesprochen. Für die Wirtschaft im IHK-Bezirk sei es ein wichtiges Signal, dass mit den aktuellen Corona-Beschlüssen ein erneuter Lockdown für den größten Teil der Wirtschaft verhindert werde, heißt es in einer Mitteilung der Kammer. Die Einführung der 2G-Regel werde zudem dazu führen, dass der Impfdruck weiter erhöht wird. Denn Impfungen seien nach wie vor der Schlüssel, um die Pandemie und ihre wirtschaftlichen Folgen dauerhaft in den Griff zu bekommen. Für den Fall, dass die beschlossenen Maßnahmen nicht greifen sollten, spricht sich auch die IHK für eine gesetzliche Impfpflicht aus.Kaufleute hoffen auf Warnstufe 1Neben dem Warten auf die Corona-Verordnung schielt der Kaufmännische Verein gleichzeitig auf die Hospitalisierungsinzidenz. Liegt die bis einschließlich Freitag weiterhin unter dem Schwellenwert von 6, wechselt Niedersachsen wieder zurück in die Warnstufe 1. Das würde für den Auricher Weihnachtszauber bedeuten, dass Geimpfte und Genesene keinen zusätzlichen Test mehr vorlegen müssten, um auf dem Weihnachtsmarkt etwas zu konsumieren. „Das wäre eine Riesenerleichterung für die Schausteller“, sagte Hippen. Er hoffe, dass die Politik bei der Aufhebung der Maßnahmen genauso schnell und stringent ist, wie bei der Einführung der strengeren Regeln.
Altstadtgastronomen freuen sich auf Veranstaltung
Für den Einzelhandel wird sich durch die Warnstufe 1 aller Voraussicht nach nichts ändern. Regierungssprecherin Pörksen kündigte am Mittwoch an, die Corona-Verordnung würde so angepasst, dass die 2G-Regel im Einzelhandel auch bei Warnstufe 1 gilt. Ob das auch bei den Regelungen für die Weihnachtsmärkte in Niedersachsen gelten wird, steht ebenfalls noch nicht fest. Der Landtagsabgeordnete für Aurich, Wiard Siebels (SPD), sieht das grundsätzliche Problem der Auricher Einzelhändler, konnte aber am Mittwoch aber auch nur eine Tendenz der kommenden Entscheidung sagen. Grundsätzlich falle der Termin der Auricher XXL-Einkaufsnacht auf einen ganz schwierigen Termin, den im Vorfeld aber niemand habe absehen können, so Siebels.
Trotz der Diskussion und der offenen Entscheidungen hoffen die Auricher Einzelhändler auf eine gute Veranstaltung, die viele Kunden in die Innenstadt lockt. Auch die Altstadtgastronomen freuen sich auf die Einkaufsnacht, sagte Arno Fecht. Die Veranstaltung sei ein gutes Zusammenspiel zwischen Handel, Gastronomie und Schaustellern. Ab 17 Uhr ist ein wechselndes Musikprogramm in der Stadt geplant.
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