Aurich

2G-Regel: „Schlag“ für den Einzelhandel im Weihnachtsgeschäft

Kim Hüsing
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Von Kim Hüsing
| 02.12.2021 18:33 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Schon jetzt ist in der Auricher Innenstadt weniger los als sonst in der Vorweihnachtszeit. Die Geschäftsinhaber fürchten nun weitere Einbußen durch die Einführung der 2G-Regel. Foto: Romuald Banik
Schon jetzt ist in der Auricher Innenstadt weniger los als sonst in der Vorweihnachtszeit. Die Geschäftsinhaber fürchten nun weitere Einbußen durch die Einführung der 2G-Regel. Foto: Romuald Banik
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Zukünftig haben nur noch Geimpfte und Genesene Zutritt in den Geschäften in der Auricher Innenstadt. Einzelhändler reagieren bestürzt auf den Beschluss der Politik.

Aurich - Unabhängig von Inzidenzen wird im Einzelhandel flächendeckend die 2G-Regel eingeführt. Das hat die Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) zusammen mit Kanzlerin Angela Merkel und Vizekanzler Olaf Scholz beschlossen. Demnach haben nur noch Geimpfte und Genesene Zutritt in die Geschäfte der Innenstadt.

„Das ist ein Schlag, vor allem wenn die Regel unabhängig von Inzidenzen gilt“, sagt Johann Kock. Der Geschäftsleiter des Modehauses Silomon in Aurich hält dies für „nicht gerechtfertigt“: „Bei uns sind die Frequenzzahlen nicht so hoch wie im Einzelhandel. Außerdem haben Studien bewiesen, dass die Geschäfte nicht die Pandemietreiber sind.“

Kontrollen im Eingangsbereich

Teile der Kunden würden durch die Regelung ausgeschlossen. „Es ist bitter, Gäste des Hauses zurückweisen zu müssen“, sagt Johann Kock. Doch das Modehaus werde sich selbstverständlich an die gesetzliche Situation halten.

„Wir sind eine kurzfristige und chaotische Umsetzung leider schon gewohnt“, sagt der Geschäftsleiter. Deshalb hat er sich auch schon Gedanken gemacht, wie kontrolliert werden soll.

„Sippenhaft“, um Impfpflicht durchzusetzen

„Wir werden die Eingangsbereiche mit Personal aus dem Haus besetzen und die Nachweise und Ausweise kontrollieren“, sagt Johann Kock. Das sei zwar eine zusätzliche Belastung, aber nicht unmöglich. Ärgerlicher findet er, dass es erneut die umsatzstärkste Zeit im Jahr trifft. „Der Frust wird immer größer. Viele werden die Folgen zu spüren bekommen“, fürchtet er.

„Wir werden in Sippenhaft genommen, um die Impfpflicht durchzusetzen. Und wir baden die Fehler der Politik aus“, wird Johann Kock deutlich. Doch Möglichkeiten, sich dagegen zu wehren, sieht er nicht. Schreiben an die Parteien im Wahlkampf hätten schon nichts genutzt.

Verunsicherung bei den Kunden

„Wir haben verschiedene Initiativen unterstützt, doch die sind alle ins Leere gelaufen. Im Frühjahr haben wir uns rechtlichen Rat eingeholt. Doch auch da wurde uns wenig Hoffnung auf Erfolg gemacht“, sagt Johann Kock.

Schlimm findet er die Verunsicherung, unter der die Kunden leiden. „Viele bleiben gleich zu Hause und bestellen online“, so Johann Kock. Und dies wiederum sei schlecht für alle Innenstädte. „Das kann nicht ohne Folgen bleiben. Die Maßnahme jetzt ist eine gefühlte Schließung“, ärgert sich Johann Kock.

30 Prozent weniger Kunden befürchtet

Hans Dübbelde vom Juweliergeschäft „Schmuckzeit“ in Aurich hat nach den Nachrichten der vergangenen Tage schon mit der Einführung von 2G gerechnet. „Das schreckt die Kunden ab, überhaupt noch in die Stadt zu gehen. Die 30 Prozent der Kunden werden uns fehlen“, prophezeit der Inhaber.

Leider sei es von der Politik gewollt, die Kunden abzuschrecken, um Kontakte zu reduzieren. „Es ist gut, den totalen Lockdown zu verhindern. Aber diese Maßnahmen finde ich ein bisschen dramatisch. Es gibt andere Stellen, wie Großveranstaltungen, wo es wichtiger wäre, sie einzuschränken“, ist Hans Dübbelde überzeugt. Er hofft nun, dass die Kunden den Lieferservice wieder vermehrt in Anspruch nehmen und bevor die Verordnung greift, in die Innenstadt kommen.

Rudnick-Babymarkt könnte zum täglichen Bedarf gehören

Ludwig Rudnick vom Möbel- und Modehaus in Aurich blickt ebenfalls besorgt auf die kommenden Wochen. „Wir haben noch keine Erfahrung mit 2G. Aber ich gehe davon aus, dass sich die Frequenz etwa um ein Drittel reduzieren wird“, sagt der Geschäftsführer. Gleichzeitig setzt er auf den eigenen Online-Shop und auf die Möglichkeit für die Kunden, bestellte Ware abzuholen.

„Ich gehe momentan davon aus, dass der Babymarkt wieder zum täglichen Bedarf zählt und den Beschränkungen nicht unterliegt“, sagt Ludwig Rudnick. Er wird seine Mitarbeiter kurz schulen, damit sie dann die Eingangskontrollen übernehmen können. „Wenn wir das machen müssen, dann auch richtig“, so der Geschäftsführer. Er hoffe, dass die Maßnahme dann auch etwas bringt und ab Frühjahr alle aufatmen können.

Verunsicherung in Marienhafe

„Für Begeisterung sorgt so eine Nachricht natürlich nicht“, sagt Gerd Ennenga vom gleichnamigen Modehaus in Marienhafe. Was nun auf die Modehändler zukomme, warte er erst mal ab. Der Verband werde sicherlich Tipps geben. Ennenga fällt es schwer, den Unterschied zwischen einem Modehaus als Ansteckungsquelle und einem Supermarkt zu erkennen. Die Kontaktintensität bei den relativ wenigen Kunden gemessen an der Fläche im Modehaus sei gewiss nicht höher als in einem Lebensmittelladen. „Ich frage mich manchmal, ob die Entscheider überhaupt wissen, was an der Basis los ist“, sagte Ennenga.

Dass der Einzelhandel nun wieder Beschränkungen bekomme, spiele erneut den Versendern in die Karten. Das sei besonders zum Weihnachtsgeschäft sehr bitter, so Ennenga: „Aber wir werden sicherlich einen Weg finden, die Maßnahmen umzusetzen.“ Der Lockdown im vergangenen Jahr sei schlimmer gewesen. „Wir müssen nun abwarten und können nichts erzwingen, der Kunde trifft die Entscheidung“, sagte der Modehändler.

Motto: Besser als ein Lockdown

Peter Adena von Sport Schoolmann in Marienhafe ist auch nicht begeistert und macht sich vor allem Sorgen, dass die Kunden verunsichert sein werden. Es gebe inzwischen so viele Teilinformationen, dass keiner die Regeln mehr überblicke. Schon am Montag hätten ihn Anrufe erreicht, ob für den Besuch im Geschäft der Impfpass nötig sei. Die 2G-Regel sei aber umzusetzen. Die Mitarbeiter würden entsprechend informiert und dann müssten sie eben die Nachweise kontrollieren. „Wenn ich dann bei jedem auf so etwas Persönliches wie den Impfausweis gucken muss, finde ich das eigentlich nicht so toll, aber wenn der Gesetzgeber das vorgibt, müssen und werden wir es umsetzen“, so Adena. Der Aufwand für das Personal sei natürlich nun höher. Doch die 2G-Regel sei immerhin besser als eine Schließung oder die Begrenzung der Kundenzahl nach Fläche.

Einige Tage werde es sicherlich dauern, bis sich die Kunden an die neuen Regeln gewöhnt haben. Angst haben müsse aber niemand. „Wir sind hier alle geimpft und sogar schon geboostert“, sagte der Unternehmer. Er hoffe, dass die Impfkampagne Fortschritte mache und die Maßnahmen bald zurückgefahren werden könnten. „Wir sind also vorbereitet, wir sind weiter da, haben Ware und sogar schönes Geschenkpapier. Nun hoffen wir auf das Weihnachtsgeschäft“, so Adena.

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