Ostfriesland
Verunsicherung wegen 2G+ in der Halle
Einige Vereine im Bereich des Kreissportbundes Aurich unterbrechen wegen neuer Corona-Warnstufe ihr Sportprogramm – dagegen bieten andere Vereine kreative Lösungen an.
Ostfriesland – Fast minütlich klingelt auf der MTV-Geschäftsstelle zurzeit das Telefon. Die von der Landesregierung ausgerufene Corona-Warnstufe zwei sorgt für Verunsicherung bei den Anrufern. Findet mein Kurs noch statt? Und welchen Test benötige ich zum Sport treiben in der Halle? – das sind häufig gestellte Fragen, die Geschäftsführerin und KSB-Vorsitzende Anne Thonicke zurzeit beantworten muss. „Es gibt noch viele Unklarheiten. Das ist aber auch ein Kommunikationsproblem seitens der Verantwortlichen in der Politik“, sagt die Sport-Funktionärin.
Fest steht: Nach der neuen Verordnung gilt beim Hallensport 2G+ für Erwachsene, auch in den Kabinen und Duschen.
Selbsttest oder Testzentrum?
Zu den Komponenten geimpft und/oder genesen muss außerdem ein negatives Testergebnis vorgelegt werden. Doch auch in diesem Bereich gibt es Unterschiede. Beim Sport in der Halle reicht ein Selbsttest unter Aufsicht des Übungsleiters oder Trainers, für einen Besuch im Auricher Baalje dagegen ist ein negatives Ergebnis aus einem Testzentrum fällig. „Wer soll da noch durchblicken?“, fragt sich auch Thonicke, die sich in diesen Fragen beim Gesundheitsamt rückversichert hat.
Beim MTV Aurich sind die meisten Mitglieder geimpft. Die Trainer und Übungsleiter entscheiden, wie es mit ihren Sport-Programmen in den kommenden Wochen weitergeht. Laut Thonicke gehen die Meinungen auseinander. Einige sind für eine verfrühte Winterpause, andere fühlen sich durch das zusätzliche Testen sicher beim Sport in der Halle. „Da respektiere ich jede Entscheidung“, sagt die MTV-Geschäftsführerin.
Beim MTV gibt es wieder Online-Training
So kommt es zu teilweise kuriosen Sportstunden. Die große Leichtathletik-Abteilung treibt dick eingepackt an der frischen Luft Sport, die Gymnastik-Abteilung trifft sich draußen zum Nordic-Walking. „Wir haben bereits im vergangenen Lockdown gezeigt, dass die ostfriesischen Sportvereine kreativ sind“, sagt Anne Thonicke. So werden beim MTV beispielsweise auch die technischen Geräte für den Online-Sport in der kommenden Woche wieder aufgebaut. Wie im vergangenen Jahr können die Mitglieder dann vor dem Bildschirm sportlich aktiv werden.
Thonicke ist neben ihrem hauptberuflichen Engagement beim MTV auch noch ehrenamtliche Vorsitzende des Kreissportbundes und kennt daher auch die Sorgen der anderen Vereine. Im Norder Bereich hätten einige Vereine den Betrieb vorübergehend sogar ganz eingestellt. Kommt der Vereinssport etwa komplett zum Erliegen? Daran glaubt die Funktionärin nicht. „Diese Gefahr sehe ich nicht. Bislang sind die Vereine gut durch die Krise gekommen“, sagt Thonicke. Die Mitglieder wüssten, dass die Vereine nicht schuld an der Misere seien. Außerdem hätten sie sich bislang solidarisch mit ihrem Sportverein gezeigt. Allerdings gibt die KSB-Vorsitzende zu bedenken, dass sich diese Einschätzung nach einer neuen Mitglieder-Bestandsaufnahme Anfang des kommenden Jahres auch wieder ändern könnte.
Betreiber von Fitness-Studios mit großen Sorgen
Größere Sorgen plagen jedoch die Betreiber der Fitnessstudios. „Das ist eine ganz harte Nuss für alle Gewerbetreibenden“, sagt Herbert Bruns, Inhaber der Tao-Sportschule. „Das sind Maßnahmen auf Kosten der Gewerbetreibenden“, sagt auch Brigitte Meyer vom Sports.
Schon als die 2G-Regel eingeführt wurde, die nur noch Geimpften und Genesenen den Besuch der Studios erlaubte, wurden die Betreiber von denjenigen arg beschimpft, denen der Besuch jetzt verwehrt werden musste. „Ihr wollt uns nicht mehr haben“, waren da noch Aussagen der harmlosen Sorte. Bei allem Frust über die Vorgaben wollen beide Betreiber vorerst an ihrem umfangreichen Kursprogramm festhalten und die Entwicklung abwarten. Bruns bietet allen, die nicht am Training teilnehmen dürfen, an, die Mitgliedschaft stillzulegen. Und auch das Sports verfährt in solchen Fällen nach Aussagen von Brigitte Meyer kulant.
Anne Thonicke muss in den kommenden Tagen noch viele andere Fragen klären. Was passiert zum Beispiel mit den vielen MTV-Schwimmgruppen? Oder die Reitvereine. „Da muss zum Beispiel noch genau geklärt werden, ob in den Reithallen 2G oder 2G+ gilt“, sagt Thonicke. In jedem Fall soll der Sport auch in Pandemiezeiten aufrecht gehalten werden. „Es ist wichtig, Sport zu treiben. Der Verein kann dazu die Anleitung geben, auch wenn es nur online ist“, sagt sie. Die MTV-Geschäftsführerin geht übrigens weiterhin zum Sport. „Ich verstehe aber auch jeden, der zurzeit nicht kommt“, sagte sie.