ON-Weihnachtsaktion

Hospizverein schenkt Zeit und ein offenes Ohr

Von Kim Hüsing
 | 30.11.2021 14:04 Uhr  | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Klaudia Christoffers (links) und Britta Baumann koordinieren die ehrenamtliche Arbeit des Hospizvereins Aurich. Foto: Romuald Banik
Klaudia Christoffers (links) und Britta Baumann koordinieren die ehrenamtliche Arbeit des Hospizvereins Aurich. Foto: Romuald Banik
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Der Hospizverein Aurich begleitet Sterbende und Trauernde. Die ON stellen die Arbeit der Ehrenamtlichen in einer Serie vor und rufen mit ihrer diesjährigen Weihnachtsaktion zum Spenden auf.

Aurich - Zuhören, da sein, Tipps geben und eine Hand reichen - der Hospizverein Aurich schenkt Sterbenden und ihren Angehörigen vor allem eins: Zeit. Gerade durch die Pandemie nehme die Trauerarbeit unfassbar zu, schildert Koordinatorin Klaudia Christoffers. Sie ist eine von zwei Angestellten des Vereins. Zusammen mit ihrer Kollegin Britta Baumann übernimmt sie die Organisation.

46 Ehrenamtliche zwischen 22 und 82 Jahren gehören dem Verein an. Sie begleiten Familien und Sterbende, leiten Trauergruppen, ein Tageshospiz und ein Trauercafé. Sich mit dem Tod und seinen Folgen zu beschäftigen und anderen Mut zuzusprechen, kann nicht jeder aus dem Stehgreif. Deshalb investiert der Verein in die Ausbildung seiner Trauer- und Sterbebegleiter viel Geld. „Das kostet etwa 2000 Euro“, sagt Klaudia Christoffers.

Großer Gesprächsbedarf durch Einschränkungen

Geld, das der Verein allein durch Spenden aufbringen muss. Denn die Krankenkassen und Ärzte empfehlen Betroffenen zwar gerne die ehrenamtlich arbeitenden Hospizvereine, finanzielle Mittel für deren Arbeit stellen sie aber nicht bereit. Umso mehr freut sich das Team, bei der Spendenaktion der Ostfriesischen Nachrichten zusammen mit „Ein Herz für Ostfriesland“ in dieser Adventszeit bedacht zu werden.

Spenden für den Hospizverein Aurich

In diesem Jahr sammeln die Ostfriesischen Nachrichten und „Ein Herz für Ostfriesland“ zu Weihnachten gemeinsam für den Hospizverein Aurich. Die Spenden möchte der Verein für die Ausbildung der ehrenamtlichen Trauerbegleiter verwenden. Die Trauerbegleitenden stehen den Hinterbliebenen zur Seite und helfen den Angehörigen, ihren Weg zurück ins Leben zu finden.

Spender können eine Summe ihrer Wahl auf das Spendenkonto „Ein Herz für Ostfriesland GmbH“, IBAN DE24 2856 2297 0414 5372 01, bei der Raiffeisen-Volksbank eG Aurich unter dem Stichwort Hospizverein Aurich überweisen. Weitere Informationen finden Interessierte hier .

Noch ist das Jahr nicht um, doch der Hospizverein hatte schon 48 Sterbebegleitungen dieses Jahr. „Durch die Pandemie waren viele Zusammenkünfte nicht möglich, es fehlte der Familienhalt“, sagt Klaudia Christoffers. Teetafeln nach Beerdigungen spenden Trost und führen die Gemeinschaft wieder ins Leben. Doch auch sie wurden vermehrt abgesagt oder sehr klein gehalten. „Entsprechend groß ist der Gesprächsbedarf dann bei uns“, so die Koordinatorin.

Koordinatorinnen stellen den Erstkontakt her

Während zu Beginn der Pandemie die Altenheime und Krankenhäuser Besuch verwehrt haben, durften die Begleiter vom Hospizverein immer zu ihren Patienten. „Wir fangen die Familien auf und geben ihnen Tipps, wie sie mit der Situation umgehen können“, schildert Klaudia Christoffers.

Sie und ihre Kollegin Britta Baumann sind in einem medizinisch-pflegerischen Beruf ausgebildet und haben viel Zeit auf Palliativstationen verbracht. „Wir stellen den Erstkontakt her. Gehen zu den Sterbenden, führen Gespräche und übergeben dann an eine unserer Ehrenamtlichen“, schildert sie das Vorgehen.

Weitere Ausbildungen geplant

Kinder und Jugendliche trauern anders als Erwachsene. Oftmals ist es nicht cool, zu weinen oder über die Familie mit Freunden zu sprechen. Deshalb gibt es speziell für diesen Bereich ausgebildete Trauerbegleiter. „Wir würden gerne noch mehr Ehrenamtliche ausbilden“, sagt Klaudia Christoffers.

Hauptaufgabe des Hospizvereins ist die Begleitung Sterbender. Je früher die Begleiter in die Familie kommen, umso mehr Trauerarbeit kann auch dort schon geleistet werden. Für die Sterbebegleitung und die Arbeit der beiden Koordinatorinnen muss der Verein die Kosten zunächst auslegen. Doch zu Beginn des Folgejahres können sie einen Förderantrag stellen und bekommen eine Rückzahlung von den Krankenkassen. Anders sieht das bei der Trauerbegleitung aus. Dadurch sind 60 bis 70 Prozent der Arbeit des Vereins allein spendenbasiert.

Zuhören ist wichtiger als Dokumentieren

„Im Moment haben wir sechs Trauerbegleiter, das reicht einfach nicht“, sagt Klaudia Christoffers. Denn neben den Einzelgesprächen gibt es verschiedene Gruppen und weitere Angebote, die der Verein rein ehrenamtlich betreut. Wie lange jemand in seiner Trauer begleitet wird, hängt von der jeweiligen Person ab. „Das können schon mal zehn bis 15 Einzelgespräche werden. Mancher ist nach drei Gesprächen befreit und kommt alleine klar. Doch wir sind immer da, auf uns als Anker darf jeder jederzeit zurückkommen.“

Die beiden Koordinatoren sind daher rund um die Uhr über die Telefonnummer (0 49 41) 6 05 11 82 zu erreichen. „Einmal bin ich zu einem jungen Mann gefahren, der seine Mutter gerade verloren hatte. Er hat drei Stunden geredet. Als ich von ihm weggefahren bin, wusste ich nicht einmal den Namen des jungen Mannes. Denn wichtiger war mir, da zu sein und zuzuhören“, schildert Klaudia Christoffers ein Erlebnis, das ihr gut in Erinnerung geblieben ist. „Der Mensch zählt. Jeder Mensch braucht einen anderen Menschen. Wir schenken ihnen unsere Zeit“, beschreibt sie, wie sie die Arbeit des Hospizvereins sieht.

Garten soll zur Einkehr einladen

„Wenn getrauert wird, sind wir da - zeitnah. Binnen zwei Tagen schicken wir einen Ehrenamtlichen“, ergänzt Britta Baumann. Deshalb findet sie es „sehr schade“, dass ihre Arbeit von den Krankenkassen sehr geschätzt, aber gar nicht unterstützt wird. Der Hospizverein ist für alle Menschen da, egal welcher Religion oder Kultur sie angehören. „Wir haben ein offenes Haus, jeder ist willkommen“, sagt Klaudia Christoffers. Gerade Menschen, die im Rentenalter nach Ostfriesland ziehen, würden oft alles hinter sich lassen. „Sie sind entwurzelt und haben hier kein Netzwerk. Wir springen dann ein.“

Um weiterhin für die Menschen da sein zu können, hoffen die beiden Koordinatorinnen auf die Spendenbereitschaft der ON-Leser. Von den Spenden sollen weitere Begleiter ausgebildet werden. „Wir würden gerne zwei Trauerbegleiter als Familienbegleiter weiterbilden. Sie gehen dann in Familien, wo Kinder im Sterben liegen und fangen zum Beispiel die Geschwister auf“, schildert Britta Baumann. Außerdem würde der Verein gerne den Garten am Haus an der Hasseburger Straße in Aurich gestalten. „Wir möchten einen Begegnungsgarten schaffen, der Platz zur Einkehr bietet“, erzählt Klaudia Christoffers. Dort könnten Trauernde Steine für die Verstorbenen niederlegen, für Gespräche oder um Ruhe zu finden einkehren und hätten einen geschützten Ort zum Trauern.

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