Osnabrück

Windkraftbetrug: Sogar Tote machten angeblich mit Holt Geschäfte

Nina Kallmeier
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Von Nina Kallmeier
| 30.11.2021 13:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Der Prozess gegen Hendrik Holt und andere wurde am Dienstag fortgesetzt. Foto: Swaantje Hehmann
Der Prozess gegen Hendrik Holt und andere wurde am Dienstag fortgesetzt. Foto: Swaantje Hehmann
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Massenhaft gefälschte Unterschriften spielen bei den Betrugsvorwürfen gegen Jungunternehmer Hendrik Holt und andere eine zentrale Rolle. Was eine Tote damit zu tun hat und warum sich Windräder trotz Betrug bald dennoch drehen werden.

Haben Landbesitzer im Landkreis Rotenburg Nutzungsverträge mit dem Holt-Imperium geschlossen, oder nicht? Die Antwort auf diese Frage hätte am Dienstag nicht eindeutiger ausfallen können: Nein, lautete die einhellige Antwort der geladenen Zeugen. Von Hendrik Holt & Co. hatten sie - zumindest bis zum Auffliegen der Betrugsvorwürfe - noch nie gehört, erst recht keine Verträge mit ihm geschlossen.

Unterschrift einer Toten in gleich zwei Portfolios

Ein Fall sticht dabei besonders hervor, weil die vermeintliche Vertragspartnerin nun ganz sicher nicht in der Lage war Geschäfte mit dem Jungunternehmer zu machen. Das Gericht hatte die Nichte der Frau als Zeugin geladen, die angeblich eine Unterschrift geleistet hatte. Die Nichte aber klärte: Zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses war ihre Tante längst tot. Die Unterschrift war somit eindeutig gefälscht.

Sie taucht aber gleich in zwei Geschäftspaketen auf, die Hendrik Holt gemeinsam mit seiner Mutter, seiner Schwester, seinem Bruder und dem Finanzdirektor Heinz L. an internationale Energiekonzerne verkaufte: Im Portfolio von SSE aus Schottland und Enel aus Italien. Beiden hatte Holt die identischen gefälschten Projekte angedreht. Das hatte er bereits eingeräumt.

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Windpark Alfstedt wird gebaut - nur nicht von Holt

Allerdings: Nicht überall, wo Holt Windparks versprach, wären diese auch gänzlich ausgeschlossen gewesen. Auch das wurde am Dienstag im Verfahren vor dem Landgericht deutlich. So werden sich beispielsweise in der Gemeinde Alfstedt bald tatsächlich einige Windräder drehen.

Die entsprechenden Grundstücksbesitzer, die angeblich auch Geschäfte mit Hendrik Holt gemacht haben sollen, hatten nämlich längst bei einem seriösen Konkurrenten der Emsländer unterschrieben. Der entsprechende Windpark, den das Bremer Unternehmen Energiekontor plante, wurde im September 2020 genehmigt. Zu diesem Zeitpunkt saß Hendrik Holt wegen seiner Betrügereien schon einige Monate in Untersuchungshaft.

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