Aurich
Schwacher Start ins Weihnachtsgeschäft
Der Umsatz der Auricher Einzelhändler am ersten Adventswochenende ist mit den Vorjahren nicht zu vergleichen – dafür gibt es einen besonderen Grund.
Aurich - Für den Einzelhandel beginnt mit dem ersten Adventswochenende für gewöhnlich die umsatzstärkste Zeit des Jahres. Doch am vergangenen Sonnabend blieb der große Ansturm in einigen Auricher Geschäften aus. Die Händler haben dafür unterschiedliche Erklärungen. Bei Hans Dübbelde (Schmuckzeit Aurich) lief das Weihnachtsgeschäft nur schleppend an. Am Sonnabend sei das Geschäft bei dem Auricher Juwelier mittags „total eingebrochen“, erzählt er im ON-Gespräch. Er habe sogar eine seiner Mitarbeiterinnen nach Hause schicken müssen, weil es so wenig Kundschaft gab. „Ich war echt erschüttert“, sagt Dübbelde. Er sei davon ausgegangen, dass die Leute aufgrund der unvorhersehbaren Lage ihre Weihnachtseinkäufe frühzeitig erledigen. Doch das Gegenteil war der Fall. So schlecht sei das erste Adventswochenende noch nie gewesen, sagt der Geschäftsführer. Eigentlich sei er immer guter Hoffnung, gerade wüsste er jedoch nicht, wie es weitergeht. Er sei genau wie ein Großteil seiner Kunden sehr verunsichert.
Ralf Remmers (Filialleitung C&A Aurich) sagt im ON-Gespräch, er sei am vergangenen Wochenende mit freudiger Erwartung in das Weihnachtsgeschäft gestartet. Jedoch seien am Sonnabend nur sehr wenige Kunden ins Geschäft gekommen. Ihm sei aufgefallen, dass sich das Verkaufsverhalten der Kunden verändert habe. Da diese durch die Pandemie vorsichtiger und zurückhaltender seien, würden viele von ihnen ihren ganzen Weihnachtseinkauf auf einmal erledigen, sagt er. Somit sei er trotz geringer Kundenfrequenz sehr zufrieden mit dem Umsatz der vergangenen Tage. Außerdem gebe es in diesem Jahr doppelt so viel Ware, die Kunden im Internet bestellen und in der Auricher Filiale vor Ort abholen. „Das Verhalten der Kunden steht und fällt mit den Inzidenzen“, sagt Remmers.
Verunsicherung der Kunden durch 2G-Regelungen
Auch Alexandra Schneemilch (Abegg) ist nicht unzufrieden mit dem Umsatz des ersten Adventswochenendes. „Es könnte jedoch auch besser sein“, sagt sie. Mit Vorjahren sei der Umsatz nicht vergleichbar. Viele Kunden seien durch die 2G-Regelung in anderen Bereichen verunsichert, meint Schneemilch. Auch wenn im Einzelhandel derzeit kein 2G-Nachweis benötigt wird, käme es häufig zu Verwirrung. Sie hoffe jedoch, dass die Leute trotzdem weiterhin zu ihr ins Geschäft kommen und nicht alles im Internet bestellen, sagt sie.
Am Sonnabend sei ihr außerdem aufgefallen, dass am Vormittag wesentlich mehr los war als am Nachmittag. Das sei sehr ungewöhnlich für die Adventszeit, sagt Schneemilch. Sie glaube, das liege daran, dass der Tourismus des Weihnachtsmarktes ausbleibe. Vor der Pandemie seien teilweise sogar Busreisen aus dem Ruhrgebiet nach Aurich zum Weihnachtszauber und zu ihr ins Geschäft gekommen, diese Kunden blieben nun aus.
Kein Grund zum Optimismus
Im Auricher Modehaus Silomon sah es am vergangenen Wochenende laut Geschäftsführer Johann Kock wesentlich besser aus. Dass aufgrund des wenig besuchten Weihnachtszaubers weniger Kunden in den Geschäften waren, sei ihm nicht aufgefallen, sagt Kock. „Die warmen Winterjacken und Geschenke waren der Hit“, erzählt er im ON-Gespräch. Obwohl er zuvor besorgt gewesen sei, habe ihn die Kundenzahl sehr positiv überrascht. Die Stimmung unter den Kunden sei, wie auch in den vergangenen Monaten, sehr gut. „Der Verbraucher möchte nach wie vor bummeln und Weihnachten im Geschäft erleben“, sagt Kock. Doch trotz diesem guten Start in das Weihnachtsgeschäft habe er keinen Grund zum Optimismus, sagt der Geschäftsführer. Er sei voller Sorge, dass sich das „Desaster“ vom letzten Jahr wiederhole und man wegen eines erneuten Lockdowns schließen müsse. Trotz aller Bedenken hoffe er jedoch für die gesamte Branche, dass die Maßnahmen der Regierung greifen und der Auricher Einzelhandel über das Weihnachtsgeschäft geöffnet bleiben könne.
Die Auricher Einzelhändler ziehen also insgesamt eine trübe Bilanz des ersten Adventswochenendes. Doch es könnte noch schlechter sein. Sie sind froh, nach dem Lockdown im letzten Jahr nun überhaupt ihre Türen öffnen zu können.