Aurich
Weihnachtszauber: Schausteller setzen sich Fünf-Tage-Frist
Ab Mittwoch wird auch auf dem Auricher Weihnachtszauber die 2G-Plus-Regel gelten. In Oldenburg wollen Schausteller dagegen klagen. In Ostfriesland steht eine andere Entscheidung bevor.
Aurich - Lohnt sich der Betrieb des Auricher Weihnachtszaubers auch dann noch, wenn die sogenannte 2G-Plus-Regel gilt, also auch Geimpfte und Genesene einen Coronatest für den Besuch des Marktes benötigen? Diese Frage stellen sich auch die Auricher Schausteller. Wie Sprecher Dennis Eden den ON auf Nachfrage mitteilte, wollen die Schausteller mindestens bis zum 2. Advent durchhalten. Nach dieser Fünf-Tage-Frist unter 2G-Plus wollen sie entscheiden, ob und wie es mit dem Weihnachtszauber weitergeht.
Der Landesverband anderer Meinung: Die Schausteller in Niedersachsen fordern angesichts der ab Mittwoch nahezu flächendeckend geltenden 2G-Plus-Regeln eine generelle Absage aller Weihnachtsmärkte. Wenn auch Geimpfte und Genesene sich noch testen lassen sollten, seien Stände und Fahrgeschäfte nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben, sagte der Vorsitzende des Landesverbandes der Markt- und Schaustellerbetriebe, Fred Hanstein, am Montag dem Evangelischen Pressedienst. Noch mehr potenzielle Besucher würden dann die Märkte meiden. Zudem seien vielerorts gar nicht genügend Testkapazitäten vorhanden. Schon jetzt liegen die Einnahmen nur bei einem Viertel des Umsatzes von 2019. „2Gplus ist für uns nicht durchführbar“, so Hanstein.
Kaufmännischer Verein hofft auf Stammgäste
Das sieht der Vorsitzende des Kaufmännischen Vereins, Udo Hippen, so noch nicht. In einem Gespräch mit dem Verkehrsverein, dem Stadtmarketing, den Kaufleuten und den Schaustellern am Montagmorgen habe man sich entschieden, auch unter den verschärften Corona-Bedingungen weiterzumachen. Dafür seien bereits weitere Buden aufgestellt worden, um die Tests zu kontrollieren (wir berichteten). Auch seien die Testkapazitäten in Aurich mittlerweile so, dass selbst ein spontaner Besuch auf dem Markt möglich sei. „Wir hoffen, dass uns die Stammgäste weiterhin die Treue halten“, sagte Hippen. Unter den gegebenen Umständen seien die Besucherzahlen der ersten Woche gut gewesen. Vor allem das Theaterstück in der Markthalle sei sehr gut angekommen.
Was die Besucherzahlen angeht, ist Schausteller Dennis Eden nur teilweise zufrieden. Am Freitag und Sonnabend sei der Weihnachtszauber unter Coronabedingungen gut besucht gewesen. Der erste Adventssonntag, von dem sich die Schausteller viel erhofft hatten, sei gelinde gesagt eine Katastrophe gewesen.
Schausteller werden von Besuchern beschimpft
Nicht die einzige bittere Pille, die die Schausteller derzeit schlucken müssten, wie Eden im Gespräch mit den ON sagte. Er sei entsetzt, was er und seine Kollegen sich zum Teil von Besuchern anhören müssten, wenn sie die Impfnachweise und Ausweise kontrollierten. Vor allem Ungeimpfte, die diese Nachweise nicht erbringen können, würden die Schausteller bepöbeln. „Der Hinweis auf das Datenschutzrecht, wonach wir Schausteller den Ausweis gar nicht verlangen dürfen, sei noch die freundliche Variante“, sagte Eden. Vielen dieser Besucher sei nicht klar, dass die Schausteller nur geltendes Recht umsetzen müssten. Auch in Aurich hängen deshalb mittlerweile Erklärungszettel an vielen Buden.
Was die Kontrollen der Regeln angeht, ist Eden in Aurich sehr zufrieden. Jeden Tag von Öffnung um 10 Uhr bis in die Abendstunden hinein, sei die Polizei mit Beamten auf dem Markt unterwegs und kontrolliere die Maskenpflicht und stichprobenweise auch die Einhaltung der 2G-Regel, sagte Eden. Der Hinweis, dass einige Schausteller selbst sich nicht an die Maskenpflicht halten, überraschte den Sprecher. Eigentlich sei es eine klare Auflage, die Masken zu tragen, auch wenn die Wagen Kunststoffabtrennungen haben, betonte Eden. Er selbst und auch die Mitarbeiter rund um sein Geschäft würden sich daran auch halten.
Oldenburger Schausteller wollen klagen
Die größte Befürchtung von Eden ist, dass ab Mittwoch noch weniger Menschen auf die Weihnachtsmärkte kommen oder die Märkte sogar komplett geschlossen werden. „Wir gehen bis Ostern in die Winterpause. Ohne finanzielle Unterstützung von Land und Bund werden wir es dann nicht schaffen“, sagte Eden.
Der Schaustellerverband Oldenburg will einen anderen Weg gehen. Der Verband hat angekündigt, am Montag eine Klage auf Gleichstellung vor dem Oberverwaltungsgericht Lüneburg Norm Ausschuss einzureichen. Nach Meinung des Verbandes ist es nicht hinnehmbar, dass die Weihnachtsmärkte in Norddeutschland, die alle draußen an der frischen Luft stattfinden mit Innenraumveranstaltungen gleichgestellt werden, heißt es in der Mitteilung. Die Schausteller seien die einzigen, die draußen die 2G-Regel, ab Mittwoch die 2G-Plus-Regel umsetzen müssten. Das sei in der Kette der Ungleichbehandlung der „Gipfel der Frechheit“, weshalb die Oldenburger ihren Anwalt sowie den deutschen Schaustellerbund darüber informiert hätten, dass sie vor dem Kontrollnormen-Ausschuss die Klage einreichen werden. Das werde zwar wahrscheinlich die derzeitig laufenden Weihnachtsmärkte nicht mehr retten, wohl aber für die nächste Saison Klarheit schaffen, dass Freiluftveranstaltungen, egal ob Wochenmarkt oder Sportveranstaltungen oder Jahrmärkte, gleichzustellen seien, heißt es vom Verband.