Osnabrück
Neuer Polizeiruf 110 aus Brandenburg: Maria Simon fehlt
Erster Polizeiruf 110 aus Brandenburg ohne Maria Simon. Lukas Gregorowicz bekommt es als Adam Raczek gleich mit einem komplizierten Fall zu tun.
Maria Simon ist Geschichte im Polizeiruf 110 aus Brandenburg, mit der Folge „Monstermutter“ verschaffte sich die 45-Jährige Anfang des Jahres einen ausgesprochen starken Abgang als Kommissarin Olga Lenski. Jetzt ist Lucas Gregorowicz als Adam Raczek zum ersten Mal mehr oder weniger auf sich allein gestellt. André Kaczmarczyk, der in „Monstermutter“ noch an seiner Seite ermittelte, wurde offenbar gleich wieder vom Dienst suspendiert.
So stark war Maria Simons Ausstand in „Monstermutter“
Olga Lenski - so viel kann man schon - hinterlässt eine Lücke im Polizeiruf. Zumal der federführende Sender RBB ausgerechnet für die erste Folge ohne sie eine recht komplizierte Geschichte mit jeder Menge historischem Ballast ausgewählt hat. Es geht um das Thema Restitution - in diesem Fall die Rückerstattung von den Nazis geraubter Besitztümer an die früheren jüdischen Besitzer. Und um zwei Handlungsstränge, die erst nach und nach zueinander finden.
Zvi Spielmann (Dov Glickmann) ist zum ersten Mal seit seiner Befreiung aus dem KZ wieder in Deutschland, seinen früheren deutschen Namen Hermann hat er längst abgelegt. Damals war er ein Kleinkind, heute ist er über 80 und reist mit seiner Tochter Maya (Orit Nahmias) in das Land, in dem seine gesamte Familie gewaltsam ausgelöscht wurde.
In Cottbus hatte sein Vater vor der Nazi-Herrschaft ein Mehrfamilienhaus gebaut, nun will er seinen Anspruch auf Rückgabe geltend machen. An die Zeit in Deutschland haben sich bei ihm vor allem zwei Worte im Gedächtnis eingebrannt: Am Arsch. „Das haben die SS-Leute im Lager immer gesagt, bevor sie die Juden auspeitschten.“
Raczek wiederum wird nach Cottbus gerufen, weil in der Bauschuttladung eines hinter der polnischen Grenze verunglückten Lastwagens die Leiche einer jungen Bauingenieurin gefunden wurde. Daniela Winkler arbeitete in Cottbus für den Bauunternehmer Karl Winkler (Sven-Eric Bechtolf), der ganze Häuserblocks saniert und in Eigentumswohnungen umwandelt. Auch das ehemals im Besitz der Familie Spielmann befindliche Haus gehört zu seinem Projekt. Offenbar hatte das Opfer den alten Spielmann darüber informiert, dass sie im Besitz für ihn wichtiger Papiere sei.
Raczek wiederum trifft an seiner einstigen ungeliebten Arbeitsstelle in Cottbus auf einen verhassten und übermäßig holzschnittartig dargestellten Dienststellenleiter (Bernd Hoelscher) und eine ihm deutlich zugeneigtere ehemalige Kollegin (Gisa Flake), die ihn bei seinen Ermittlungen unterstützt, Olga Lenski aber nicht vergessen macht.
Der jüdische Regisseur und Tatort-Routinier Dror Zahavi hat das Drehbuch von Mike Bäuml zu einem mäßig spannenden, teils langatmigen, gelegentlich aber auch berührenden Krimi verarbeitet. Ein schauspielerisches Glanzlicht setzt diesem Film sicher der israelische Darsteller Dov Glickmann auf, wirklich retten kann er ihn jedoch nicht. Das aber hätte wohl auch Maria Simon nicht gekonnt.
Polizeiruf 110: Hermann. Das Erste, Sonntag, 5. Dezember, 20.15 Uhr.
Wertung: 3 von 6 Sternen