Aurich
ON-Umfrage: Meinungen zur Impfpflicht sind gespalten
Fünf von sechs Befragten in der Auricher Innenstadt sind für die verpflichtende Corona-Impfung. Das hat unterschiedliche Gründe.
Aurich - „Es gibt nur einen Weg aus der Pandemie: impfen, impfen, impfen.“ Mit diesen Worten sprach sich Landrat Olaf Meinen am Mittwoch für eine Impfpflicht gegen das Coronavirus aus. Ohne diese werde es auf Dauer nicht gehen, sagte er im Kreistag. Eine Umfrage der ON in der Auricher Innenstadt hat ergeben: Das sehen fünf von sechs der Befragten Aurichern ähnlich. Doch sie haben auch ihre Zweifel.
Isa Wolter aus Aurich stimmt ihm zu. Eine Impfplicht müsse jetzt sein, sagt die 76-Jährige. „Es steigt und steigt und steigt und es passiert gar nichts“, sagt sie im ON-Gespräch in Bezug auf die Corona Zahlen. Sie ist wie Landrat Meinen der Meinung, dass es der einzige Weg aus der Pandemie ist.
Auch Horst Jakobs aus Aurich ist für die Impfpflicht. „Gerne, jeder Zeit, sofort“, sagt der 57-Jährige im ON-Gespräch. Eigentlich sei er dafür, dass jeder selbst entscheiden könne, ob er sich impfen lasse oder nicht. Doch innerhalb der letzten Woche habe sich seine Meinung geändert. „Die Zahlen steigen ins Unermessliche“, sagt er. Durch die Arbeit seiner Frau im Krankenhaus sei ihm bewusst geworden, wie ernst die Situation auf den Intensivstationen mittlerweile sei. Dort lägen viele Ungeimpfte, die an Corona erkrankt sind. Er findet: „Andere können den Platz auf der Intensivstation besser gebrauchen.“
So einfach ist die Entscheidung für Andrea Gerhardt aus Moordorf nicht. Ob man sich impfen lasse, müsse jeder selbst entscheiden, sagt die 33-Jährige. Aber sie findet auch: „Irgendwie müssen wir aus dem Chaos rauskommen.“ Wenn die Impfpflicht der einzige Ausweg sei, müsse man das akzeptieren. Trotzdem bleibe die Impfpflicht ein schwieriges Thema.
Frauke Frerichs aus Aurich ist gegen eine allgemeine Impfpflicht. Ihr sei es wichtig, dass jeder weiterhin selbst entscheiden könne, sagt die 31-Jährige. Da jeder unterschiedlich auf die Impfung reagiere, könne man das nicht für alle entscheiden. Es könne durch die Impfung durchaus zu starken Nebenwirkungen kommen, die unter Umständen auch zum Tod führen, sagt Frerichs. Auch wenn sie gegen eine Impfpflicht ist, findet sie die Impfung bestimmter Bevölkerungsgruppen wichtig. So solle man zum Beispiel die impfen, die, zum Beispiel durch eine Vorerkrankung, ein schwächeres Immunsystem als andere haben.
Heike Decker aus Aurich findet: „Solidarität geht jetzt vor.“ Sie habe Verständnis dafür, wenn man sich nicht impfen lassen möchte, sagt sie. Doch jetzt, wo die Zahlen in die Höhe steigen, müsse man Rücksicht auf andere nehmen. Die 40-Jährige findet, dass im Moment noch „viel zu lasch durchgegriffen“ wird. Das falle ihr nicht nur mit Blick auf die Impfungen auf. Es werde zu wenig getestet, sagt sie. Sie findet es zum Beispiel fragwürdig, warum in Kindergärten die Coronatests nicht verpflichtend sind, während das in Schulen schon längst der Fall ist, zumal auch von Kindern eine Gefahr ausgehe.
Auch Rolf Moosmüller aus Aurich ist für eine Impfpflicht. Er sagt, die Leute, die sich bis jetzt gegen eine Impfung entschieden haben, kriege man nicht mit guten Worten. Jedoch sei eine höhere Impfquote wichtig, um die Inzidenzen wieder runterzubekommen. Die 2G-Regelung in vielen Bereichen sei schon ein Schritt in die richtige Richtung, findet der 76-Jährige.