Berlin

Blutspendeverbot bald passé: „Als schwuler Mann musste ich jahrelang dafür kämpfen“

Ankea Janßen
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Von Ankea Janßen
| 26.11.2021 13:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Lucas Hawrylak setzt sich seit Jahren für eine diskriminierungsfreie Blutspende in Deutschland ein. Foto: Annika Schall
Lucas Hawrylak setzt sich seit Jahren für eine diskriminierungsfreie Blutspende in Deutschland ein. Foto: Annika Schall
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Die Ampel-Koalition kündigt das Ende des Blutspendeverbots für homo-, bisexuelle Männer und transgeschlechtliche Menschen an. Der Aktivist Lucas Hawrylak hat lange gegen diese Art der Diskriminierung gekämpft und hat genaue Vorstellungen davon, wie er künftig sein Blut spenden möchte.

Das Ampel-Bündnis will das Blutspendeverbot gänzlich streichen. Wortwörtlich heißt es im Koalitionsvertrag mit dem Titel „Mehr Fortschritt wagen: Bündnis für Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit“: „Das Blutspendeverbot für Männer, die Sex mit Männern haben, sowie für Trans-Personen soll abgeschafft werden, wenn nötig auch gesetzlich.“

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„Mein Blut soll zu schmutzig zum Spenden sein?“

Einer, der sich über die Pläne von SPD, Grünen und FDP besonders freut, ist der Blutspendeaktivist Lucas Hawrylak. Im Sommer 2020 startete der wissenschaftliche Mitarbeiter eines SPD-Abgeordneten im Bundestag eine Petition und forderte die Abschaffung des Blutspenderverbots. „Ich bin schwul, darf heiraten, Kinder adoptieren, aber mein Blut soll zu schmutzig zum Spenden sein?“, fragte er darin und rief Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) dazu auf, „sich endlich gegen diese Form der gegen diese Form der Diskriminierung gegen Schwule, Bi- und Transsexuelle auszusprechen“. 

Blutspendeverbot ein historischer Schritt

Seine Forderung jetzt schwarz auf weiß im Koalitionsvertrag lesen zu können, erleichtert den 29-Jährigen und macht ihn stolz. „Es bedeutet einen weiteren Schritt zu queerer Gleichstellung in Deutschland und das ist historisch“; sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Schritt für Schritt erkämpfe sich die LGBTQ-Community die Rechte, die ihr eigentlich automatisch zustehen würden. „Ich als schwuler Mann musste jahrelang dafür kämpfen, Blut spenden zu dürfen.“

Aidshilfe kritisierte bestehende Regeln

Lange galt in Deutschland, dass schwule Männer nur Blut spenden dürfen, wenn sie innerhalb eines Jahres keinen Sex mit einem anderen Mann hatten. Zum Hintergrund: Jede Blutspende wird vor der Verwendung auf HIV und andere Infektionen untersucht. Bestimmte Erreger sind aber erst nach einer gewissen Zeit nachweisbar. Potenzielle Spender werden daher zusätzlich nach ihrem infektionsrelevanten Verhalten befragt, also zu Beispiel nach sexuellen Kontakten mit Männern. Menschen mit erhöhtem Risiko einer unerkannten Infektion sollen so ausgeschlossen werden.

Im September wurde die Sperre auf vier Monate verkürzt. Die Kriterien wurden so angepasst, dass nun promiske Heterosexuelle und Trans-Personen („Sexualverkehr zwischen Frau und Mann mit häufig wechselnden Partnern/Partnerinnen“ und „Sexualverkehr einer Transperson mit häufig wechselnden Partnern/Partnerinnen“) darunter fallen. Außerdem alle Homo- wie bisexuellen Männer, die nicht in einer monogamen Beziehung leben („Sexualverkehr zwischen Männern (MSM) mit einem neuen Sexualpartner oder mehr als einem Sexualpartner“. Die Deutsche Aidshilfe kritisiert jedoch, dass mit dieser Regelung das Problem der Diskriminierung nicht gelöst wird. 

Ampel-Bündnis kündigt gesetzliche Vorgehensweise an

Besonders positiv hebt Hawrylak den im Koalitionsvertrag stehenden Nebensatz hervor, dass die Regierung das Blutspenderverbot nötigenfalls auch gesetzlich durchsetzen wird. Denn die Entscheidungsgewalt über die Blutspenderegeln in Deutschland liegt nicht beim Bundestag, sondern beim sogenannten „Arbeitskreis Blut“ des Bundesgesundheitsministeriums, Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), Robert Koch-Instituts (RKI) sowie eines entsprechendes Beirats der Bundesärztekammer.

So sieht eine diskriminierungsfreie Blutspende aus

Als Vorbild für eine diskriminierungsfreie Blutspende nennt Hawrylak die Länder England, Schottland und Wales. Ausschlaggebend ist dort nur, ob eine Person innerhalb von drei Monaten wechselnde Sexualpartner oder eine feste Beziehung gehabt hat. Die sexuelle Orientierung spielt dabei keine Rolle. „Das Blut ist auf der ganzen Welt dasselbe“, so Hawrylak. 

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