Brookmerland

Brookmerlander CDU vor Zerreißprobe

| | 23.11.2021 16:25 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Amüsiert schaut CDU-Ratsfrau Kerstin Poppinga in der Sitzung des Rates Upgant-Schott auf ihr Handy. Im Hintergrund lacht ihr Mann Heiko (ebenfalls CDU). Anderen in ihrer Partei ist das Lachen längst vergangen. Foto: Thomas Dirks
Amüsiert schaut CDU-Ratsfrau Kerstin Poppinga in der Sitzung des Rates Upgant-Schott auf ihr Handy. Im Hintergrund lacht ihr Mann Heiko (ebenfalls CDU). Anderen in ihrer Partei ist das Lachen längst vergangen. Foto: Thomas Dirks
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In der Partei hängt der Haussegen schief, weil zwei Mitglieder in Upgant-Schott mit der SPD kooperieren – das hat nun ein Nachspiel

Brookmerland - Zoff in der CDU: Bei Brookmerlands Christdemokraten hängt der Haussegen schief. Grund sind Querschüsse der beiden Parteimitglieder Kerstin und Heiko Poppinga in Upgant-Schott. Die bilden im neuen Rat der Gemeinde nicht nur eine Gruppe mit der Wählergruppe „Moin“, sondern haben in der konstituierenden Sitzung in der vergangenen Woche auch dem neuen SPD-Bürgermeister Günter Winter ins Amt verholfen und den bisherigen Ratschef Gundolf Harms (BfB) abgewählt.

Bei vielen Unionsmitgliedern und -wählern im Brookmerland kam das nicht gut an. Einige schäumen, haben die Partei schon verlassen oder dies angekündigt.

Kandidatur zurückgezogen

Zur Erinnerung: Bis Winter als neuer Bürgermeister feststand, brauchte es zwei geheime Wahlgänge. In der ersten Runde gab es den vorhergesagten Dreikampf zwischen ihm, Harms und Poppinga mit dem erwarteten Ergebnis: Harms und Winter erhielten jeweils sechs Stimmen, Poppinga drei. Für den war damit Endstation. Er zog seine Kandidatur zurück.

In einer Unterbrechung der Ratssitzung in Upgant-Schott sprach Heiko Poppinga (CDU, von links) mit Albert Janssen (BWG) und dem neuen Bürgermeister Günter Winter (SPD). Foto: Thomas Dirks
In einer Unterbrechung der Ratssitzung in Upgant-Schott sprach Heiko Poppinga (CDU, von links) mit Albert Janssen (BWG) und dem neuen Bürgermeister Günter Winter (SPD). Foto: Thomas Dirks

Damit kam es zu einem neuen Wahlgang und zum Duell zwischen Harms und Herausforderer Winter, das dieser mit neun Stimmen (sechs SPD, drei CDU/Moin) zu sechs Stimmen (vier BWG, zwei BfB) gewann. Damit bestätigte sich, wovon Beobachter ausgingen: Die Schottjer CDU tendiert eher zur SPD als zur BWG/BfB-Gruppe, mit der sie auf Samtgemeindeebene zusammenarbeitet. Poppinga, der später noch einen der drei Stellvertreterposten erhielt, bewies zudem, dass offenbar nicht nur Albert Janssen (BWG), sondern auch Ex-Sozialdemokrat Harms für ihn als Bürgermeister nicht wählbar ist.

Zum Rapport bestellt

Darüber werde noch zu reden sein, sagte Brookmerlands CDU-Gemeindeverbandsvorsitzender Harald Tammen. Auf Nachfrage wirkte er beherrscht, seiner Stimme aber ist der Frust zu entnehmen. „Das ist nicht gut“, stellt er fest. Das habe er Poppinga auch bereits mitgeteilt. In dieser Woche wollten beide ein Gespräch führen. Leider sei etwas dazwischengekommen. Doch aufgeschoben sei nicht aufgehoben. Er sei nicht glücklich mit dem, was da in Upgant-Schott abgelaufen sei. „Das ist nicht das, was wir wollten. Darüber werden wir uns unterhalten müssen“, sagte der Parteichef, der möglicherweise eher hätte eingreifen müssen und können.

Die Sitzordnung sprach Bände: Heiko Poppinga und seine Frau Kerstin saßen in der konstituierenden Ratssitzung weit entfernt von BWG und BfB am Tisch der SPD-Fraktion und fühlten sich dort augenscheinlich wohl. Foto: Thomas Dirks
Die Sitzordnung sprach Bände: Heiko Poppinga und seine Frau Kerstin saßen in der konstituierenden Ratssitzung weit entfernt von BWG und BfB am Tisch der SPD-Fraktion und fühlten sich dort augenscheinlich wohl. Foto: Thomas Dirks

Denn die Eskapade der „Poppinga-Fraktion“, wie einige sie bereits nennen, kam mit Ansage (wir berichteten). Tammen aber sah im Vorfeld der Sitzung keinen Grund, Poppinga zurückzupfeifen. Und selbst jetzt nimmt er den 47-Jährigen noch in Schutz. „Ich will nicht behaupten, dass Poppinga grundsätzlich nicht mehr verlässlich und vertrauenswürdig ist. Wir wollen aber wissen, woran wir bei ihm sind“, so Tammen.

Politischer Gegner reibt sich die Hände

Mit „wir“ sind alle gemeint, die im Samtgemeinderat mit CDU und Poppinga zusammenarbeiten: BWG, BfB und SEB. Sie fragen sich, wie mit dem Schottjer künftig umzugehen ist und ob man mit ihm nicht möglicherweise einen „Verräter“ in den Reihen hat. Von Rauswurf ist bereits die Rede, mindestens von erhöhter Vorsicht. „Sollen er und seine Frau doch gleich zur SPD oder Moin wechseln“, so ein Ratsmitglied hinter vorgehaltener Hand.

Der politische Gegner reibt sich derweil die Hände. Einige vermuten gar, dass der dahintersteckt und Poppinga ermunterte, sich so zu verhalten, wie er sich jetzt verhielt. Zu den Vertretern dieser These zählt auch Albert Janssen, der davon ausgeht, dass Poppinga nur „Werkzeug“ von „Drahtziehern im Hintergrund“ sei, die erreichen wollten, dass die bisherige Mehrheit weiter geschwächt werde.

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