Osnabrück
Syphilis-Infektionen steigen – So ist die Lage im Nordwesten Niedersachsens
Die Zahl der sexuell übertragbaren Syphilis-Erkrankungen in Deutschland steigt seit Jahren. Das gilt vor allem für Männer, die Sex mit anderen Männern haben. Wie viele gemeldete Syphilisinfektionen gibt es in Osnabrück, im Emsland und in Delmenhorst? Und wie haben sich die Zahlen in den vergangenen Jahren verändert?
Die sexuell übertragbare Krankheit Syphilis breitet sich in Deutschland immer weiter aus. Nach Angaben der Deutschen Aidshilfe ist Syphilis eine leicht übertragbare, durch Bakterien verursachte Erkrankung, die nur beim Menschen vorkommt. Sie wird auf sexuellem Weg oder durch Blut übertragen. Außerdem können schwangere Frauen die Bakterien an ihr ungeborenes Kind weitergeben. Im späteren Verlauf der Krankheit können Hautausschläge sowie nässende Pusteln auftreten. Die Erreger befinden sich überall, wo sich Haut oder Schleimhaut durch die Krankheit verändern und Flüssigkeit absondern. Außerdem befinden sich die Erreger im Blut.
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Das Risiko einer Syphilis-Infektion kann man beim Sex nicht vollständig ausschließen, es kann aber durch Kondome gesenkt werden. Den Kontakt mit nässenden Hautstellen des Partners sollte man meiden. Die Deutsche Aidshilfe empfiehlt Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartnern, sich einmal im Jahr auf Syphilis testen zu lassen.
Zahlen steigen seit 2010
Seit 2001 werden neu diagnostizierte, behandlungsbedürftige Infektionen mit der Syphilis dem Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldet. Nach Angaben des RKI waren zwischen den Jahren 2004 und 2008 die Meldezahlen für Syphilis zwischen 3000 und 3500 stabil. Im Jahr 2009 sank die Zahl wieder, seit 2010 steigt sie kontinuierlich an, mit einem kleinen Rückgang im vergangenen Jahr. 2017 wurden dem Institut 7476 Syphilis-Fälle gemeldet. Die Anzahl der Meldungen stieg im Vergleich zu 2016 um 4,2 Prozent. Für das Jahr 2019 liegen bisher Zahlen bis einschließlich April (Stand Juli) vor.
Dabei ist auffällig, dass vor allem unter Männern, die Sex mit Männern haben, die Infektionszahlen steigen (klicken Sie auf den linken Reiter in der Grafik unten). Die zweitgrößte Gruppe, die von der Erkrankung betroffen ist, sind Menschen, die heterosexuelle Kontakte haben - sprich Männer und Frauen, die miteinander Sex haben. Und auch in dieser Gruppe steigen die Zahlen bundesweit (klicken Sie auf den rechten Reiter in der Grafik unten).
Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts konzentrieren sich die Syphilis-Erkrankungen bei Männern, die mit Männern Sex haben vorwiegend - aber nicht ausschließlich - in größeren Städten, wo der Anteil dieser Gruppe an der Gesamtbevölkerung höher ist als in anderen Teilen Deutschlands.
Außerdem gibt es einen Unterschied zwischen den Geschlechtern, wenn es um die Syphilis-Infektionen gibt. Im Jahr 2017 lag der Frauenanteil bei 6,4 Prozent. Bei Männern waren die Syphilis- Infektionen mit 17,3 Fällen pro 100.000 Einwohner um das 14-fache höher als bei Frauen mit 1,2 Fällen.
Infektionen in Osnabrück, Emsland und Delmenhorst
Die Zahlen der gemeldeten Syphilis-Erkrankungen in unserer Region folgen nicht ganz dem Bundestrend, sondern schwanken teilweise. In Osnabrück gab es zwar 2014 einen starken Anstieg, doch bleiben die Zahlen seit 2015 auf einem konstanten Niveau.
Im Weser-Ems-Gebiet lässt sich seit 2010 ein deutlicher Anstieg an gemeldeten Syphilis-Erkrankungen erkennen. Zu dem Gebiet zählen in dieser Grafik die Kreise und Städte Delmenhorst, Emden, Wilhelmshaven, Ammerland, Aurich, Cloppenburg, Emsland, Friesland, Grafschaft Bentheim, Leer, Landkreis Oldenburg, Landkreis Osnabrück sowie Vechta, Wesermarsch und Wittmund. Die Zahlen für Oldenburg und Osnabrück wurden vom RKI separat erfasst. Nur im Jahr 2016 ging die Zahl der Infektionen dort deutlich zurück.
Warum gibt es einen Anstieg an Syphilis-Erkrankungen?
Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts spielt wahrscheinlich das veränderte Sexualverhalten von Männern, die mit Männern Sex haben, eine wichtige Rolle für die Zunahme der Infektionen. Das RKI vermutet, dass verminderter Kondomgebrauch mit nicht-festen Partnern relevant für den Anstieg ist. Sex mit verschiedenen Partnern sei einer der Hauptrisikofaktoren auch anderer Geschlechtskrankheiten für Männer, die mit Männern Sex haben.
Alexander Kampsen, Berater bei der Aids-Hilfe in Osnabrück, sieht noch eine andere Erklärung für die steigenden Zahlen: „Es gab auch schon früher eine hohe Dunkelziffer an Syphilis-Infektionen. Heutzutage wird mehr getestet, deswegen werden auch mehr Infektionen entdeckt“. Die Aidshilfe in Osnabrück berät Menschen zum Thema sexuelle Gesundheit und klärt in Sachen sexuell übertragbare Krankheiten und HIV auf. Einen großen Teil der Ratsuchenden sind Männer, die mit Männern Sex haben. Die Berater gehen auch in Schulen und in Unterkünfte für Geflüchtete. Zweimal im Monat bietet die Aidshilfe Doppeltests an, bei denen man sich auf HIV und die Syphilis testen lassen kann. (Termine finden Sie auf der Homepage der Aids-Hilfe Osnabrück).
Dass es einen lascheren Umgang mit Geschlechtskrankheiten gibt, kann die Aids-Hilfe in Osnabrück zumindest bei den dort Ratsuchenden nicht erkennen. Im Gegenteil: „Es gibt ein stärkeres Bewusstsein für sexuelle Gesundheit. Zum Beispiel kommen mehr Menschen zum Doppeltest“, erzähl die Beraterin Kristina Hesse. Eine größere Nachfrage nach Beratung speziell zum Thema Syphilis könne Hesse nicht feststellen.
Was kann gegen die Verbreitung von Geschlechtskrankheiten getan werden?
Das niedersächsische Gesundheitsamt gibt Aufklärung als Antwort auf diese Frage - vor allem für Risikogruppen wie Männer, die mit Männern Sex haben. Kampagnen wie zum Beispiel „Liebesleben“ von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung oder die Präventionsnetzwerke „Schwule Vielfalt erregt Niedersachsen“ (SVeN) und „Ich weiß was ich tu“ machen bereits auf Geschlechtskrankheiten aufmerksam und weisen darauf hin, wie wichtig der Schutz mit Kondomen ist.
Das RKI kommt zu dem Schluss, dass die derzeit verfügbaren Maßnahmen zur Prävention, Diagnostik und Therapie der Syphilis in Deutschland weiter ausgebaut und verbessert werden sollte. Außerdem empfiehlt das Institut einfach wahrnehmbare Testangebote auf Syphilis insbesondere für Männer, die mit Männern Sex haben.
Für mehr Aufklärung sprechen sich auch Hesse und Kampsen aus, denn immer noch sei Aufklärungsbedarf in Sachen sexuelle Gesundheit da. Als Bespiel nennt Kampsen Hepatitis C. So sei vielen nicht bewusst, dass das Virus auch durch Sex übertragen werden kann.