Osnabrück
Sechs Gründe, warum Menschen die Corona-Impfung verweigern
Die 7-Tage-Inzidenz hat nach Angaben des Robert-Koch-Instituts einen Höchststand erreicht, die Impfpflicht-Debatte verschärft sich. Wissenschaftler haben untersucht, weshalb Menschen gegen die Corona-Impfung sind.
Die Diskussion um eine Impfpflicht in Deutschland spitzt sich weiter zu. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts haben bislang 70,5 Prozent der Menschen in Deutschland mindestens die erste Impfung gegen das Coronavirus erhalten. Das bedeutet aber auch: 29,5 Prozent sind noch ungeimpft. Wissenschaftler haben in verschiedenen Studien erforscht, warum Menschen sich nicht gegen das Coronavirus impfen lassen wollen. Das sind die Gründe:
1. Trotz: Sie fühlen sich gedrängelt und verweigern deshalb die Impfung: Das trifft auf die Hälfte der Ungeimpften mit niedriger Impfbereitschaft zu. Dies hat die seit Beginn der Pandemie laufende Cosmo-Befragung im September ergeben, danach wurde dieser Punkt nicht mehr abgefragt. Die Cosmo-Studie wird von der Universität Erfurt, dem Robert-Koch-Institut und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung durchgeführt. Dabei werden alle zwei Wochen sowohl Ungeimpfte als auch Geimpfte befragt.
Eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums unter rund 3000 Ungeimpften von Oktober ergab zudem, dass 67 Prozent von ihnen den Druck von außen als zu hoch empfinden und nach eigenem Ermessen handeln wollen.
Video: Wie könnte eine Corona-Impfpflicht in Deutschland aussehen?
Impf-Verweigerung als Protest gegen die Politik
2. Misstrauen gegenüber Politik: „Corona ist häufig ein Vorwand, um mehr staatliche Kontrolle zu erhalten“ - dieser Aussage der Forsa-Studie stimmten 68 Prozent der Befragten zu. Rund vier von fünf Befragten gaben zudem an, dass sie die Grundrechtseingriffe durch Corona-Beschränkungen schwerwiegender finden als die Gefahr durch das Virus. 37 Prozent befürchteten, dass die Beschränkungen auch bei einer hohen Impfquote bestehen bleiben werden. An der Ehrlichkeit der Bundesregierung bei Aussagen über Corona zweifelten 63 Prozent. Die aktuelle Cosmo-Befragung ergab, dass Ungeimpfte weniger Vertrauen in die Regierung und die Wissenschaft haben als Geimpfte. Fast jeder Fünfte der Befragten mit niedriger Impfbereitschaft sah im September in der Impfverweigerung eine Möglichkeit, seine Unzufriedenheit mit der Regierung auszudrücken. In den folgenden Wochen wurde dieser Aspekt in der Cosmo-Studie nicht mehr abgefragt.
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3. Unterschätztes Risiko: Ungeimpfte nehmen das Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, weiterhin als geringer wahr, ergab die Cosmo-Befragung. In der Forsa-Studie gab fast jeder vierte Ungeimpfte an, dass er eine Infektion für sich nicht für gefährlich halte. 26 Prozent der Befragten waren der Meinung, dass eine Infektion nicht so gefährlich sei wie dargestellt. Immerhin rund jeder Fünfte fiel in die Kategorie Coronaleugner: 19 Prozent meinten, dass es keine eindeutigen Beweise für die Existenz des Coronavirus gibt.
Sorge vor Langzeitschäden
4. Angst vor gesundheitlichen Folgen: Die Sorge, Schäden von der Impfung davonzutragen, treibt nach der Forsa-Studie viele Ungeimpfte um. Sie fürchteten sich vor Langzeitschäden (63 Prozent), davor, die Impfung nicht gut zu vertragen (38 Prozent) oder wollten sich nicht impfen lassen, weil sie einen Kinderwunsch haben (13 Prozent). 11 Prozent der Befragten wollte sich nicht impfen lassen, weil ihnen ihr Arzt davon abriet.
5. Fehlende Informationen: Auch gefühlter Informationsmangel kann dazu führen, dass Menschen die Corona-Spritze ablehnen. 16 Prozent der Befragten gaben in der Forsa-Studie an, sich nicht impfen zu lassen, weil sie sich nicht ausreichend über das Virus informiert fühlen. Fast 90 Prozent der Befragten waren der Meinung, dass die Medien einseitig über Corona berichten. Einige der Befragten gaben an, kein Vertrauen in offizielle Informationen zur Impfung oder dem Virus zu haben (15 Prozent).
Totimpfstoff nur scheinbar ein Ausweg
6. Die Impfstoffe: Für viele Befragten der Forsa-Studie sind die vorhandenen Impfstoffe Grund ihrer Entscheidung. Rund die Hälfte der Ungeimpften lehnte die verfügbaren Impfstoffarten, also mRNA- und Vektorimpfstoffe, ab. Fast drei Viertel der Befragten sagte, sie hätte sich nicht impfen lassen, weil die vorhandenen Impfstoffe nicht genug erprobt seien. 63 Prozent zweifelten an der Sicherheit und 46 Prozent an der Wirksamkeit der Impfstoffe. Die Cosmo-Befragung zeigt zudem, dass Impfverweigerer die Impfung eher für überflüssig halten.
Der Weg zu mehr Impfungen ist nach Meinung der Befragten vor allem ein neuer Impfstoff. Über die Hälfte der Befragten der Forsa-Studie glaubten, dass Impfstoffe, die auf einem klassischen Prinzip beruhen wie beispielsweise Totimpfstoffe, die Impfbereitschaft steigern würden. Die Angaben der Befragten der Cosmo-Studie stützen das. Allerdings hat die Befragung auch ergeben, dass die Impfbereitschaft sinkt, sobald angenommen wird, dass der Totimpfstoff nicht erst in weiter Ferne verfügbar ist, sondern bereits nächste Woche.