Frankfurt
Berlin vor dem Derby und ein neuer Rekord für Christian Streich
Der zwölfte Spieltag der Fußball-Bundesligasaison 2021/22 verspricht spannende Partien: So haben die Dortmunder gegen Stuttgart etwas wiedergutzumachen. Kolumnist Udo Muras wirft einen Blick in die Geschichtsbücher.
FC Augsburg - Bayern München (Freitag 20.30 Uhr): Außer der Tatsache, dass Augsburg drei Heimspiele ungeschlagen ist, spricht wenig gegen einen Bayern-Sieg. Der Meister gewann 16 der 20 Punktspiele gegen den FCA, ist in diesem Duell 13 Pflichtspiele ungeschlagen und verlor nur einmal in Augsburg: Am 5. April 2014 (0:1), als er die Schale schon eingefahren hatte. Außerdem hat Trainer Julian Nagelsmann nie gegen den FC Augsburg verloren (9-2-0) und dort sogar immer gewonnen (fünf Mal). Augsburg ist übrigens Letzter in der Tabelle der ersten Halbzeit, Bayern auch da Erster. Tore fielen im bayerischen Derby immer.
Borussia Dortmund - VfB Stuttgart (Samstag 15.30 Uhr): Der BVB hat etwas gutzumachen gegen den VfB, blamierte sich im letzten Dezember vor eigenem Publikum (1:5) und schickte Trainer Lucien Favre in die Wüste. Bei der aktuellen Heimstärke der Borussen (zehn Siege in Folge) und der Auswärtsschwäche des VfB (noch sieglos in dieser Saison) stehen die Zeichen auf Revanche. Aber Vorsicht: Der VfB gehört zu den drei Teams mit positiver Bilanz gegen Borussia (40-24-38), die nicht ohne Grund am Samstag ihr 1000. Heimgegentor in der Bundesliga befürchten muss. Dazu fehlt ein Treffer.
Bayer Leverkusen - VfL Bochum (Samstag 15.30 Uhr): Leverkusen will die erste Krise der Saison beenden, seit vier Spielen hat man nicht gewonnen. Der VfL dagegen gewann drei seiner letzten vier Spiele. In Leverkusen spricht die Bilanz klar für den Gastgeber (17-4-5), Bochum gewann dort zuletzt im April 2007 (4:1). Mit einem Sieger ist allemal zu rechnen, nur eins der letzten 16 Duelle in Leverkusen endete unentschieden und nur 1988 gab es mal ein 0:0. Danach hat zumindest Bayer immer getroffen (17 Mal). Fun-Fact: Die jüngste Mannschaft der Saison (24,5 Jahre im Schnitt) empfängt die älteste (28,3).
Borussia Mönchengladbach - Greuther Fürth (Samstag 15.30 Uhr): Auch die Borussia dürfte nicht der Gegner sein, den das abgeschlagene Schlusslicht jetzt braucht. Gegen sie hat Fürth noch nie gewonnen, aus sieben Pflichtspielen gab es nur zwei Punkte. Im einzigen Bundesligaspiel am Niederrhein unterlagen die Franken am 6. April 2013 mit 0:1. Mit einer weiteren Niederlage stellt Fürth den Bundesligarekord ein, den Tasmania Berlin, Nürnberg und Bielefeld halten - zehn Pleiten in Folge innerhalb einer Saison. Bei Borussias Vorliebe für Schlusslichter, gegen die sie die sieben letzten Spiele gewann, gut möglich.
1899 Hoffenheim - RB Leipzig (Samstag 15.30 Uhr): Seit sieben Spielen wartet Hoffenheim auf einen Sieg gegen Leipzig, den letzten gab es im Dezember 2017. Das 4:0 ist zugleich Leipzigs höchste Bundesliganiederlage. Außerdem ist Hoffenheim drei Spiele torlos in diesem Duell. Nicht die besten Vorzeichen für das ersehnte Jubiläum, der 100. Heimsieg in der Bundesliga steht an - es wäre auch der vierte in Folge, was der TSG zuletzt im April 2019 gelang. Die Bullen sind acht Auswärtsspiele sieglos (Vereinsrekord).
Arminia Bielefeld - VfL Wolfsburg (Samstag 15.30 Uhr): Gegen die Wölfe hat Arminia eine Horrorbilanz auf der Alm (1-2-6), wo jene viel Schaden anrichteten. Ansgar Brinkmann war der einzige Siegtorschütze, seinem 1:0 im August 2002 folgten ein 0:0 und fünf Niederlagen. In den letzten fünf Duellen schoss Arminia zu Hause nicht mal ein Tor gegen Wolfsburg, in Minuten: 505! Bei der aktuellen Heimschwäche - noch kein Sieg, zuletzt drei Niederlagen - spricht einiges für Florian Kohfeldts vierten Sieg im vierten Spiel auf der VfL-Bank.
Union Berlin - Hertha BSC (Samstag 18.30 Uhr): Zum neunten Mal sieht Berlin ein Bundesligaderby, nur das erste gewann der „Gast“: 1974 unterlag Tennis Borussia der Hertha in deren Olympiastadion mit 0:3. Union und Hertha treffen sich zum fünften Mal in der obersten Etage, Hertha führt (2-1-1), hat aber in Köpenick nie gewonnen. Dort wurde bisher Magerkost serviert (1:0 und 1:1), aber die Serie hielt: In Berliner Derbys fielen immer Tore. Union verlor nur zwei der letzten 25 Heimspiele, Hertha verlor fünf der letzten sieben Auswärtsspiele.
SC Freiburg - Eintracht Frankfurt (Sonntag 15.30 Uhr): Das Freiburger Überraschungsteam (dritter Platz) steht vor der Einstellung des Vereinsrekords aus dem September 2012 (zehnmal keine Heimniederlage). Allerdings gab es gegen die Hessen (14. Platz) zuletzt dreimal keinen Sieg, die Gesamtbilanz ist knapp negativ (13-7-14). Das Sonntagsorakel hilft kaum weiter: Der SC gewann die letzten vier Spiele, Eintracht verlor nur eins von zehn an diesem Tag. In jedem Fall verdrängt SC-Coach Christian Streich mit seinem 299. Bundesligaspiel auf der Bank Helmut „Fiffi“ Kronsbein von Platz 25 des ewigen Trainerrankings.
Mainz 05 - 1. FC Köln (Sonntag 17.30 Uhr): Das Derby der Karnevalsvereine schließt den Spieltag ab. Mainz hat es zuletzt dreimal nicht verloren, zuhause eine starke Bilanz (7-1-2) und nur gegen Köln insgesamt schon acht Spiele ohne Gegentor überstanden. Das letzte (3:2 in Köln) war allerdings torreich und führte im April zur Entlassung von FC-Trainer Markus Gisdol. Nach-Nachfolger Steffen Baumgart wartet immer noch auf seinen ersten Auswärtssieg mit den Geißböcken - und auf seinen ersten Punkt gegen Mainz. Was gar nicht zum Jecken-Derby passt: es gab noch kein Eigentor in 20 Duellen.