Wirdum
Politischer Machtwechsel in Wirdum
In der kleinsten Brookmerlander Gemeinde verliert die SPD ihre Mehrheit an ein neues Dreierbündnis – und auch im Bürgermeisteramt verändert sich etwas.
Wirdum – Machtwechsel in Wirdum: Die Zeit der roten Mehrheit läuft ab. Eine Gruppe aus CDU, der Sozialen Liste Wirdum (SEW) und der neuen Wählergruppe „Moin“ wird im neuen Gemeinderat, der an diesem Dienstag (18 Uhr, Gemeindezentrum) erstmals zusammenkommen wird, das Sagen haben. Die Gruppe kommt auf sechs, die SPD dagegen auf nur fünf Sitze.
Damit ist nicht nur die Mehrheit der Genossen futsch, sondern auch ein Wechsel beim Ratsvorsitz programmiert. Zur neuen Wirdumer Bürgermeisterin soll in der konstituierenden Sitzung Yvonne Lengert gewählt werden. Sie wird Lenhard Janssen von der SPD ablösen, der seit 2016 Bürgermeister der kleinsten Brookmerlander Gemeinde war.
Zweite Frau an der Spitze
Lengert ist 45 Jahre alt und Tochter des früheren SEW-Ratsherrn Jan Lengert. Die verheiratete Mutter eines 14-jährigen Sohnes ist hauptberuflich als Buchhalterin tätig. Nach Christine Trei wird sie die zweite Frau in der Geschichte Wirdums sein, die an der Spitze der Gemeinde steht. Sie traue sich das Amt zu, sagte Lengert den ON. In den vergangenen Jahren habe ihr einiges, was sich im Ort getan habe, nicht gefallen. Vieles sei aus ihrer Sicht nicht nachvollziehbar gewesen. Auch hätten sie und andere häufig den Eindruck gewonnen, dass Stillstand in der Gemeinde herrsche. „Ich möchte aber nicht nur meckern, sondern versuchen, es besser zu machen“, sagt die selbstbewusst auftretende designierte Ratsvorsitzende.
Dabei einbeziehen will sie ausdrücklich alle Ratskolleginnen und -kollegen. „Ich habe nichts gegen die SPD. Am allerschönsten wäre es, wenn wir alle gemeinsam etwas erreichten“, sagt die 45-Jährige, die bei der Wahl am 12. September 69 Stimmen erhielt. Als Partner hat sich ihre vierköpfige SEW-Fraktion Richard Steffens von der CDU und Reiner Garrels (Moin) gesucht. Das Bündnis sei schnell geschmiedet gewesen. „Einen Tag nach der Wahl war das fix“, sagt Lengert. Kurios: Politneuling Garrels, der in Wirdum gemeinsame Sache mit CDU und SEW machen wird, ist auf Samtgemeinderat gemeinsam mit zwei weiteren „Moin“-Vertretern Juniorpartner der SPD.
Werben zeigte keinen Erfolg
So hätten es die Genossen auch in Wirdum gerne gesehen. Doch selbst intensives Werben von Lenhard Janssen brachte nicht den gewünschten Erfolg. Garrels machte der Wirdumer SPD einen Strich durch die Rechnung. Gleiches galt für den ebenfalls umworbenen Steffens. Auch er sah sich eher bei der SEW. „Wir wollen frischen Wind reinbringen“, sagte er auf Anfrage.
Lengert möchte, dass wieder mehr miteinander gesprochen und diskutiert wird. Das sei ihr zuletzt zu kurz gekommen. Themen gebe es genug. Die künftige Nutzung des Gemeindezentrums sei eines, die Einrichtung eines kleinen Ladens ein anderes. Auch über Sinn oder Unsinn der 110 000 Euro teuren Erneuerung der Fußgängerbrücke über das Wirdumer Tief sei erneut zu reden.
Verwaltung wird abgegeben
Die Verwaltungsgeschäfte sollen erneut der Samtgemeinde übertragen werden. Zwischenzeitliche Überlegungen, diese, wie zu Zeiten des langjährigen Wirdumer Bürgermeisters Martin Tuitjer, in eigener Regie zu führen, seien vorerst verworfen worden. „Wir wollen uns zunächst darauf konzentrieren, den Ort voranzubringen“, sagte Lengert.
Auf einem Posten hat sich die Besetzung des neuen Wirdumer Rats bereits geändert, bevor dieser sich überhaupt konstituiert hat: SPD-Ratsherr Werner Davids wird sein Mandat nicht antreten. Aus gesundheitlichen Gründen, wie er auf Anfrage bestätigte. Nachrücker wird der bisherige SPD-Fraktionschef Richard Frerichs sein, der bei der Wahl 36 Stimmen bekommen und es damit nicht mehr in das Gremium geschafft hatte.
Enttäuscht zeigte sich der bisherige Bürgermeister Lenhard Janssen. Es tue ihm leid für alle, die ihn gewählt und gerne ein weiteres Mal an der Spitze des Rats gesehen hätten, sagte der pensionierte Schulleiter, der bei der Wahl 160 und damit die meisten Stimmen in Wirdum erhalten hatte. Der 71-Jährige ist seit 1981 Mitglied des Wirdumer Rates.