Aurich/Ihlow

Etabliert und doch ungemütlich

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 14.11.2021 19:24 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Hannes Langer (links) und André Goldenstein sind gut vernetzt sowohl bei den Jusos als auch in der Mutterpartei SPD. Foto. Heino Hermanns
Hannes Langer (links) und André Goldenstein sind gut vernetzt sowohl bei den Jusos als auch in der Mutterpartei SPD. Foto. Heino Hermanns
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Die Jusos im Kreis Aurich sind bestens vernetzt in der SPD im Bezirk Weser-Ems und wirken mit in vielen Gremien. So sorgen sie dafür, dass die Mutterpartei nicht bei alten Positionen verharrt.

Aurich/Ihlow - Wenn man mit der SPD zu tun hat, fällt vor allem auf: In dieser Partei gibt es viele Gremien, Arbeitsgemeinschaften und Untergliederungen. Kein Wunder, die SPD hatte seit 1863 alle Zeit, diese Strukturen zu entwickeln. Das müssen junge Menschen, die sich für die Sozialdemokratie interessieren, aber wissen. Denn auch die Jungsozialisten, die Jusos, haben die Strukturen der Mutterpartei übernommen.

Etabliert wirken die Jusos im Kreis Aurich. Das zumindest ist der Eindruck, wenn man sich mit dem Kreisvorsitzenden Hannes Langer sowie André Goldenstein, bis Mai dieses Jahres Bezirksvorsitzender der Jusos Weser-Ems, unterhält. Wo die neu gegründete Linksjugend oder die Mitglieder der ebenfalls neuen Grünen Jugend lieber heute als morgen mit Aktionen loslegen, werden bei den Jusos zunächst Beschlüsse gefasst und Abstimmungsgespräche mit der SPD geführt – das ist der Eindruck.

„Jusos haben SPD getrieben“

Hannes Langer widerspricht energisch. Natürlich gebe es Abstimmungsgespräche mit der SPD. „Aber es gibt eine Reihe Themen, bei denen wir die SPD vor uns hergetrieben haben.“ Das gelte zwar weniger lokal, sondern eher für die Jusos auf Bundesebene. „Bei der Legalisierung von Cannabis haben wir Druck aufgebaut“, so Goldenstein. Und nun werde es bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin wohl soweit sein. Fest vorgenommen hat Langer sich auch, die Kreistagsfraktion mit Anträgen zu bombardieren, um beizeiten an das Kommunalwahlprogramm zu erinnern. „Das haben wir schließlich mitgeschrieben.“

Angekommen sind die beiden Jusos Langer und Goldenstein aber schon in der Politik. Beide sitzen jetzt im Ihlower Rat, fiebern der konstituierenden Sitzung am Donnerstag entgegen. Dass es der Ihlower Rat ist, ist kein Zufall. Die Gemeinde ist die SPD-Hochburg in Ostfriesland.

Jusos wollen bei Wahlen mehr mitmischen

Das merkt Juso-Kreisvorsitzender Langer auch bei seinen Mitgliederzahlen. Die Stadt Aurich sei schon etwas unterrepräsentiert. Dabei hätten die Jungsozialisten auch abseits der Gremienarbeit viel zu bieten. Exkursionen auf ein Windrad in Holtriem, zur Meyerwerft nach Papenburg oder auf den Johannishof in Fiebing wurden unternommen. Nur so könne man auch über die wesentlichen Themen der Region reden. Die Demonstration gegen das geplante Atomkraftwerk im niederländischen Eemshaven sei auch von den Jusos mitorganisiert worden, so Langer.

In Ihlow sei zudem die Verjüngung des Rates geglückt. Allerdings, so Goldenstein, müsse die SPD in fünf Jahren wieder einen eigenen Bürgermeisterkandidaten stellen. Dafür wollen die Jusos im Kreis Aurich über die Zukunftschancen für junge Mitglieder bei den nächsten Wahlen reden.

In Ihlow wurde bereits von Finja Coordes, dem jüngsten Ratsmitglied vorgemacht, wie es besser gehen könnte. Die 18-Jährige hatte im ON-Gespräch betont, dass die Älteren nun ein bisschen zur Seite treten müssten. Denn es gibt viele Themen, die vor allem junge Menschen angehen. „In Aurich gibt es keine Disko und keine große Auswahl an Kneipen.“ Auch müsse der ÖPNV ausgebaut werden, damit junge Leute auch nachts mobil sein könnten. Dazu gehöre auch der Bahnanschluss in Aurich, für den die Jusos weiterhin eintreten würden. Das Fazit? Gremienarbeit sei wichtig, sagt Langer. Aber spontane Aktionen seien auch mit den Jusos jederzeit möglich.

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