Aurich
Volkstrauertag: Aufruf zum Kampf gegen Gewalt
Zum Volkstrauertag fanden in der Stadt Aurich einige Gedenkveranstaltungen statt. Der Auricher Bürgermeister nahm in seiner Ansprache Bürger und Politik in die Pflicht.
Aurich - Kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs hat der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge vorgeschlagen, einen Gedenktag für die gefallenen deutschen Soldaten einzurichten. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, 1952, wurde der Volkstrauertag in den Ländern als Feiertag im November eingeführt. Im Laufe der Zeit hat sich der Inhalt des Gedenktages vom ursprünglichen Gedenken an die Soldaten zweier Kriege entfernt.
Daran erinnerte der Auricher Bürgermeister Horst Feddermann in seiner Ansprache am Ehrenmal an der Von-Jhering-Straße. „Wir können uns glücklich schätzen, dass wir seit mehreren Jahrzehnten kein Kriegsgeschehen in unserem Land erleben mussten.“ Dennoch sei die Welt nicht frei von Krieg. Es vergehe kein Tag, an dem nicht in irgendeinem Land oder kontinent geschossen, gebombt und getötet werde. Der letzte Krieg, der Deutschland geografisch nahe gekommen sei, war bis 2001 der Jugoslawien-Krieg, so Feddermann. Nachbarn und Freunde seien betroffen gewesen, ebenso deutsche Soldaten, die ins Kriegsgebiet geschickt worden waren.
Ortsbürgermeister erinnert an Flüchtlinge an den Grenzen Europas
Auch ohne Bomben auf deutsche Städte lebten die Deutschen in keiner friedvollen Zeit, so Feddermann. Er erinnerte an die Anschläge vom 11. September 2001 auf das World-Trade-Center sowie an den Anschlag auf das Pariser Satiremagazin „Charlie Hebdo“. Durch den Terror sei die Gewalt in unseren Lebensalltag gekommen. „Der Krieg findet direkt vor der Haustür statt, in der U-Bahn, auf dem Marktplatz.“ Oft gebe es zivile Opfer zu beklagen, hinzu kämen Menschen, die sich für eine gute Sache, für Rechtsstaat Freiheit und Demokratie einsetzten und dafür ihr Leben lassen müssten.
Feddermann fordert die Menschen auf, etwas gegen die Gewalt zu tun, sie nicht als selbstverständlich hinzunehmen. Solidarität, Gewaltvermeidung, Verständigung und Unterstützung seien die Aktionsfelder, auf denen jeder etwas tun könne. Solidarität mit den Opfern von Gewalt sei wichtig. Zudem müssten sich grade Politiker immer wieder fragen, was sie tun können, um Kriege oder gewaltsame Aktionen zu verhindern. Dazu gehöre auch die Verständigung, um Konflikte zu unterbinden, sowie die Unterstützung der Opfer. Das könne finanziell geschehen oder durch Hilfe zum Beispiel bei der Integration von Flüchtlingen. „Der Volkstrauertag ist ein Tag der Trauer, aber auch ein Tag der Ermutigung zum Engagement“, so Feddermann.
Timo Mehlmann, Ortsbürgermeister der Kernstadt, schloss in seinem Beitrag ebenfalls die Opfer von Gewalt und Terror mit ein. Er nahm auch Bezug auf aktuelle Ereignisse. „Wir gedenken auch derer, die bei uns durch Hass und Gewalt gegen Fremde und Schwache Opfer geworden sind. Die an den europäischen Grenzen unsägliches Leid erfahren müssen.“ Zeitgleich mit dem Gedenken in der Innenstadt fanden weitere Veranstaltungen in den Auricher Ortsteilen an Mahnmalen und Kriegsgräberstätten statt.