Osnabrück
Prozess am Landgericht: Holt will heute sein Schweigen brechen
Vor dem Landgericht Osnabrück wird am heutigen Donnerstag aller Voraussicht nach der mutmaßliche Millionenbetrüger Hendrik Holt aussagen. Was ist zu erwarten?
Die Verteidiger des Emsländers hatten zuletzt angekündigt, dass ihr Mandant sich zu den Vorwürfen gegen ihn äußern will. Das Verfahren vor der Wirtschaftsstrafkammer läuft bereits seit einigen Wochen. Bislang hatte der 31-Jährige geschwiegen.
Holt muss sich gemeinsam mit seiner Mutter, seinem Bruder, einer Schwester sowie Finanzdirektor Heinz L. verantworten. Das Quintett soll internationale Energiekonzerne mit teils oder ganz erfundenen Windparkprojekten um Millionenbeträge gebracht haben.
Offenbar will sich Holt am Donnerstag aber ausschließlich zu dem Geschäftsmodell seines Unternehmens und seiner eigenen Rolle äußern. Die übrigen Angeklagten, so hatten es seine Verteidiger zuletzt angekündigt, sollen in der Einlassung zunächst keine Rolle spielen.
Strafrabatt für Emsländer?
Holt erhofft sich von seiner Aussage offenkundig Strafrabatt. Ihn erwarten im Falle eine Verurteilung mehrere Jahre Haft. Die Staatsanwaltschaft hatte zuletzt ein mögliches Strafmaß von acht Jahren in den Raum gestellt. Die Verteidiger des 31-Jährigen könnten sich sieben Jahre vorstellen, sofern weitere Verfahren gegen ihren Mandanten eingestellt werden.
(Weiterlesen: Die Traumwelt des „Doktor“ Holt: Prozess gegen Emsländer beginnt)
Das Gericht hatte grundsätzlich erklärt, dass eine Verständigung möglich sei, wenn sich die Hochstapler glaubhaft zu den mutmaßlichen Millionenbetrügereien einließen. Geständnisse könnten den Prozess abkürzen. Angesetzt sind Verhandlungstermine bis ins kommende Jahr hinein.
Im bisherigen Prozessverlauf kamen nicht die geringsten Zweifel an Holts Schuld auf. Im Zuge seiner Verhaftung im Jahr 2020 hatte er bereits eine Einlassung abgegeben, die die Ermittler als glaubhaft bewerteten. Auch die übrigen Familienmitglieder hatten Geständnisse abgelegt und sich dabei untereinander schwer belastet.
Auch bei einem Prozess vor dem Amtsgericht Meppen im Herbst 2020, bei dem es um kleinere Betrugstaten im Zuge der Windkraftprojekte ging, äußerte sich Holt. Seinerzeit wies er allerdings die Verantwortung gegen sich weitgehend zurück und verwies auf seinen Finanzdirektor Heinz L.. (Weiterlesen: Prozess in Meppen: Was bleibt vom Windkraft-Wunderkind Holt?)
Der ist der einzige der nun Angeklagten, der sich vorläufig weiter nicht äußern wird. L. hatte sich der Verhaftung der mutmaßlichen Millionenbetrüger im April 2020 entziehen können, wurde dann aber später im Libanon festgenommen und ausgeliefert.
Mehr zum Prozess später an dieser Stelle sowie der Fall Holt zum Nachhören im Podcast „Windmacher“.