Berlin
Transsexualität: Georgine Kellermann attackiert Alice Schwarzer
Alice Schwarzers Buch über Transsexualität löst schon vor dem Erscheinen eine Debatte aus. Auf Twitter wirft Transfrau Georgine Kellermann der Feministin vor, Transpersonen zu „bekämpfen“.
Angekündigt ist Alice Schwarzers neues Buch erst für den kommenden April. Eine heftige Debatte hat es aber jetzt schon ausgelöst. Das Buch hat den Titel „Transsexualität“ - und zu den kritischen Stimmen dagegen gehört auch die von Georgine Kellermann. Die WDR- Studioleiterin ist als Transfrau zu einer prominenten Verfechterin von LGTB-Rechten geworden.
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Worum geht es in Schwarzers „Transsexualität“?
Der Verlag Kiepenheuer & Witsch kündigt den von Alice Schwarzer und Chantal Louis herausgegebenen Band „Transsexualität“ als Streitschrift an. Das Buch unterscheidet demnach „zwischen einem schwerwiegenden, psychisches Leiden erzeugenden Konflikt aufgrund der tiefen Überzeugung, im falschen Körper zu leben“ auf der einen Seite - und dem bloßen „Trend, bereits Geschlechterrollenirritation für ‚Transsexualismus‘ zu halten“ auf der anderen.
Dabei formulieren die Autorinnen, so der Klappentext, „humanitäre und politische Bedenken“ dagegen, „bei einer Rollenirritation zu schnell mit schwerwiegenden Hormonbehandlungen und Operationen zu reagieren“. Dass der Wechsel statistisch häufiger vom weiblichen Körper zum männlichen Körper vollzogen werde, führt das Buch auf „die einengende Frauenrolle“ zurück. „Statt die Mädchen zu ermuntern, aus dem starren Rollenkorsett auszubrechen, wird der biologische ‚sex‘ der Genderrolle angepasst“, fasst die Verlagsseite die Thesen von Schwarzer und Louis zusammen.
In ihrem Buch diskutieren die „Emma“-Autorinnen nicht nur selbst; sie lassen auch Psychiaterinnen, Therapeuten, Pädagoginnen und Eltern von betroffenen Jugendlichen zu Wort kommen - und vor allem Betroffene selbst.
Was befürchten Schwarzers Kritiker?
Schon der Klappentext scheint alle Befürchtungen von Alice Schwarzers Gegnerinnen innerhalb des Feminismus zu bestätigen. Die erkennen einen Angriff auf die Identität der Betroffenen: Denn wer einen Transmann als „Frau mit Rollenkonflikt“ deutet, setzt sich über seine Selbstwahrnehmung hinweg.
„Das. Ist. Keine. Streitschrift“, schreibt denn auch die Transfrau Georgine Kellermann und wendet sich via Twitter an den Verlag: „Wie perfide sind Sie eigentlich? Zwei, die trans Frauen ablehnen. Die streiten nicht. Die bekämpfen. Mit Ihrer Unterstützung.“
Was ist TERF?
Andere Kritikerinnen beschränken sich darauf, Alice Schwarzer mit dem Wort TERF zu belegen. Die Abkürzung seht für „Trans-Exclusionary Radical Feminism“ - also einen Feminismus, der Transpersonen ausgrenzt. Der Terminus machte unlängst die Runde. Vor zwei Jahren entbrannte eine Debatte um Bestseller-Autorin J. K. Rowling, die sich dagegen aussprach, biologische Frauen als „Menschen die menstruieren“ zu bezeichnen - um das Wort Frau auch für Transfrauen zu öffnen. „Wenn das Geschlecht nicht real ist, wird die gelebte Wirklichkeit von Frauen weltweit ausgelöscht“, schrieb die „Harry Potter“-Autorin damals. Daraufhin wurde auch ihr Transfeindlichkeit vorgeworfen; Stars der Potter-Filme solidarisierten sich darauf mit der Trans-Community.